VP Bank Spotanalyse: Republikaner verlieren beide Kammern des US-Kongresses

VP Bank Spotanalyse: Republikaner verlieren beide Kammern des US-Kongresses
Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Trump will Ergebnis der Zwischenwahlen akzeptieren.

Es ist ein blauer Tsunami. Die Demokraten gewinnen den ersten Hochrechnungen sowie den ersten Ergebnissen zufolge die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Die Ursache für die Wahlpleite der Republikaner war die hohe Teuerung, aber auch der Bau von KI-Rechenzentren sorgte zunehmend für Frust in Teilen der Bevölkerung. Donald Trump und seine Republikaner haben von den US-Bürgern einen Denkzettel bekommen.

Die Demokraten haben bereits am frühen Mittwochmorgen europäischer Zeit 52 sichere Senatssitze. Weitere Sitze werden aller Voraussicht nach dazukommen. Für den 100 Sitze umfassenden Senat ist die Mehrheit ab 50 Sitzen erreicht. Selbst der seit 1988 in republikanischer Hand befindliche texanische Senatssitz geht an die Demokraten.

Auch im Repräsentantenhaus mit 435 Sitzen ist ein deutlicher Sieg der Demokraten zu erwarten. Für eine absolute Mehrheit bedarf es 218 Sitzen. Die demokratische Partei hat bereits 194 Sitze sicher und führt zusätzlich in 61 weitgehend ausgezählten Wahlkreisen.

Eine «geteilte Regierung», also dass der Präsident mit seiner Partei nicht beide Kongresskammern dominiert, war in der Vergangenheit eher die Regel als die Ausnahme. Dabei waren dies für die Wirtschaft und auch für die Finanzmärkte gute Zeiten.

Mit dem Verlust der Mehrheit in beiden Kammern werden die Machtbefugnisse des Präsidenten in Finanzfragen, aber auch bei der Besetzung wichtiger Ämter deutlich eingeschränkt. Trump könnte sich nun noch mehr als bisher auf Verordnungen (Executive Orders) stützen. Er könnte sich darüber hinaus stärker auf die Aussenpolitik konzentrieren. Auf diesem Feld kann Trump freier und unabhängiger vom Kongress agieren. Themen sind etwa Iran, aber auch Zölle und Handelskonflikte könnten wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Die Finanzmärkte reagieren mit leichten Kursverlusten: Die Futures-Märkte zeigen erwartete Kursabschläge für die Technologiebörse Nasdaq. Auch der japanische Leitindex Nikkei ist mit knapp 3 % deutlich im Minus. Möglicher Grund für die Bewegung ist die Befürchtung, dass die Demokraten den KI-Sektor stärker regulieren könnten. Der Euro kann derweil gegenüber dem Dollar Kursgewinne verbuchen. Der asiatische Handel mit US-Staatstiteln bleibt unterdessen ruhig.

Anleger sollten die erste Reaktion an den Finanzmärkten nicht überinterpretieren. Für die Aktienmärkte war es historisch betrachtet nämlich nicht so entscheidend, wer wie viele Sitze gewinnt oder verliert. Denn in den letzten 75 Jahren gab es gemäss unserer Analyse in den 100 Tagen nach den Midterms immer ein Plus, und zwar ein kräftiges. Im Schnitt legte der S&P-500-Index um 10 % zu (mehr dazu hier).

Ein klares Muster hinsichtlich der Wertentwicklung in Jahren, in denen es anschliessend einen geteilten Kongress (Repräsentantenhaus und Senat von anderen Parteien kontrolliert) oder eine geteilte Regierung (Kongress nicht mehrheitlich von der Partei des US-Präsidenten kontrolliert), gibt es nicht.

Positiv zu werten ist die erste Reaktion von Trump gegenüber der New York Times, wonach er das Ergebnis akzeptieren und die Zusammenarbeit mit den Demokraten suchen werde. Unruhen sind demnach nicht zu erwarten, was für die Finanzmärkte ebenfalls positiv wäre.

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