Martin Schwab, CEO CKW, im Interview

Martin Schwab
CKW-CEO Martin Schwab. (Foto: CKW)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Schwab, für 2020 hat CKW die Stromtarife kräftig gesenkt. Privatkunden und grundversorgten Geschäftskunden profitieren insbesondere von einer Sonderreduktion. Was heisst das umgekehrt für die CKW-Aktionäre?

Martin Schwab: Wir haben vorgängig Rückstellungen für diese Sonderreduktion gebildet. Sie belastet das nächstjährige Geschäftsergebnis nicht. Somit hat die Sonderreduktion auch keinen Einfluss auf die Dividenden an unsere Aktionäre.

Aus Ihrer gerade veröffentlichten positiven Wertberichtigung über 80 Millionen Franken lässt sich ablesen, dass die Strompreise längerfristig nach oben tendieren. Was bedeutet das für den Bezüger 2021?

Ich masse mir nicht an, die längerfristige Entwicklung der Grosshandelspreise zu prognostizieren. Wir sehen aber, dass im Vergleich zu früheren Berechnungen, welche zu hohen Werteinbussen geführt haben, die europäischen Grosshandelspreise für Stromlieferungen für die kommenden Jahre gestiegen sind. Die Folgen für die Bezüger sind je nach Energieversorger unterschiedlich. Es kommt sehr darauf an, wieviel Strom ein Energieversorger selber produziert und wieviel er zu welchem Zeitpunkt auf dem Markt einkauft, also seine Absicherungs-Strategie. Mit der sogenannten Durchschnittspreismethode werden aus diesen Komponenten die Tarife berechnet.

Bei der Eigenproduktion sind die Gestehungskosten entscheidend. Die Gestehungskosten für einheimische, CO2-freie Wasserkraft sind höher als die internationalen Grosshandelspreise.

„Ich masse mir nicht an, die längerfristige Entwicklung der Grosshandelspreise zu prognostizieren.“
Martin Schwab, CEO CKW

A propos Wasserkraft: Im Kanton Uri hat CKW zahlreiche neue Kraftwerke in Projektierung und Bau. Welches wird davon jetzt als erstes fertig werden?

Ja, von CKW und insbesondere auch von unserer Tochtergesellschaft, der Elektrizitätswerk Altdorf AG, sind im Urnerland einige Kraftwerksprojekte in verschiedenen Stadien. Das Dotierkraftwerk Urnerloch wird diesen Herbst als erstes fertig, im Sommer 2020 folgt die Inbetriebnahme vom KW Schächen. Im Bau befindet sich auch das KW Erstfeldertal. Zudem starten wir nächstes Jahr mit dem Kraftwerk Palanggenbach. Und schliesslich sind wir im Meiental an der Projektierung eines Kraftwerkes. Gemeinsam werden die Kraftwerke rund 90 GWh einheimische, CO2-freien Strom produzieren. Sie versorgen damit über 20’000 durchschnittliche Haushalte und leisten seinen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Stromproduktion und zur langfristigen Versorgungssicherheit im Kanton Uri.

„Das Dotierkraftwerk Urnerloch wird diesen Herbst als erstes fertig, im Sommer 2020 folgt die Inbetriebnahme vom KW Schächen.“

CKW hat in der Zentralschweiz eine bedeutende Rolle für die Sicherung der Stromverteilung. Viele Leute können sich Seilkabel ganz gut vorstellen. Wie sehen aber beispielsweise „Energiekabel“ aus?

Freileitungen sind optisch mit Seilkabeln vergleichbar, wie sie beispielsweise bei Luftseilbahnen verwendet werden. Bei Höchst- und Hochspannungsleitungen sind sie zirka 3 cm dick, bei Mittelspannung und Niederspannung deutlich dünner. Sie bestehen meist aus Aldrey – einer Aluminiumlegierung. Im Gegensatz zu den Freileitungen verlaufen die Kupferkabel bei einer verkabelten Hochspannungsleitung in einer rund 15 cm dicken Isolationsschicht. Dazu werden meist spezielle Kunststoffe eingesetzt.

Wie muss sich der Laie die Zusammenarbeit zwischen einem Stromproduzenten und Lieferanten wie CKW und dem Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid vorstellen?

Die Zusammenarbeit findet auf ganz verschiedenen Ebenen statt. Einerseits als Stromproduzent und Stromverteiler sowie als Partner zwischen dem Übertragungsnetz und dem regionalen Verteilnetz, andererseits vor allem auch bei Themen wie Netzstabilität, Frequenz und Systemdienstleistungen. Wir arbeiten mit Swissgrid täglich in einem engen Austausch, damit unsere Kunden sich jederzeit auf eine stabile, verlässliche Stromversorgung verlassen können. Das ist unsere gemeinsame, oberste Aufgabe. Diese Zusammenarbeit geht übrigens über die Schweiz hinaus – im Sommer exportieren wir Strom ins benachbarte Ausland, im Winter sind wir auf Importe angewiesen.

Aus Gründen des Gesundheits- und Landschaftsschutzes wird oft gefordert, Stromtrassen unter die Erde zu verlegen. Was kostet im Schnitt der laufende Kilometer?

Diese Frage kann man nicht generisch beantworten. Im Höchst- und Hochspannungsnetz ist eine Erdverkabelung aus physikalischen Gründen sehr schwierig und schnell mal um das 3- bis 5-fache teurer. Insbesondere geht es darum, dass die entstehende Wärme bei Freileitungen viel besser abgeleitet werden kann. Wärme hindert einen schnellen Stromfluss; so lässt sich denn auch im Winter wegen den tieferen Temperaturen deutlich mehr Strom als im Sommer transportieren.

Anders sieht es beim Verteilnetz aus. Das CKW-Mittelspannungsnetz verläuft bereits zu über 70 Prozent im Boden. Die Ausnahmen bilden vor allem sehr ländliche oder schwer zugängliche Gebiete mit Wäldern und Bergen wie das Entlebuch und Luzerner Hinterland. Noch höher ist der erdverkabelte Anteil bei der Niederspannung. Da sind es bei uns 95 Prozent.

„Es ist nicht wirtschaftlich, bestehende, funktionierende Leitungen in den Boden zu verlegen. Diese Kosten müssten unsere Kunden über den Netztarif tragen.“

Wann lohnt die Erdverlegung?

Der grosse Vorteil einer Erdleitung ist, dass sie resistent ist gegen Umwelteinflüsse wie Gewitter, Sturm und starkem Schneefall. Und natürlich schont sie das Landschaftsbild, und sie steht Bauprojekten weniger im Weg. Nach Möglichkeit verlegen wir neue Leitungen oder solche, die wir altershalber ersetzen müssen, in den Boden. Es ist hingegen nicht wirtschaftlich, bestehende, funktionierende Leitungen in den Boden zu verlegen. Diese Kosten müssten unsere Kunden über den Netztarif tragen.

Private rechnen oft mit einer zu hohen Rendite für Ihre Solaranlagen. Was können sie tun in Zeiten der fallenden Einspeisevergütung?

Der Tarif der Einspeisevergütung hat sich in den letzten Jahren schweizweit tendenziell nach unten bewegt. Der Grund ist einfach: Die Energieversorgungsunternehmen kaufen von den Solarstromproduzenten den überschüssigen Strom, sie können ihn aber nicht zu einem entsprechenden Preis als Solarstrom weiterverkaufen. Die Nachfrage nach Solarstrom ist leider sehr gering. Umso mehr macht es Sinn, dass Solarstromproduzenten möglichst viel von ihrem eigenen Strom selber verbrauchen. Dieser Eigenverbrauch kann mit einem Batteriespeicher optimiert werden. So lässt sich der Sonnenstrom auch abends nutzen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Auch intelligente Steuerungen helfen, den Eigenverbrauch zu optimieren. Wir haben Lösungen, damit Verbraucher wie die Waschmaschine oder der Warmwasserboiler dann starten, wenn genügend eigener Strom zur Verfügung steht. Mit diesen Optimierungen werden Solarstromproduzenten unabhängiger von der Einspeisevergütung.

Zusammen mit Batteriespeicher und Wechselrichter kann ein Privathaus einen sehr hohen Autonomiegrad erreichen. Wie viele Systeme hat die CKW bisher installieren können?

Seit sieben Jahren installieren wir im grösseren Stil Solaranlagen. In dieser Zeit haben wir Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von über 25 MWp installiert. Neue Anlagen werden zunehmend mit Batteriespeicher ausgerüstet. Diese dienen zur Überbrückung von wenigen Tagen. Sie ersetzen aber längst nicht den herkömmlichen Hausanschluss ans Stromnetz. Insbesondere übers Winterhalbjahr reicht der selbstproduzierte Solarstrom nicht.

Seit anfangs 2018 bieten Sie mit dem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) ein Modell an, das Besitzer von Bürogebäuden und Mehrfamilienhäusern die Sonnenstromproduktion und den Direktvertrieb an die Mieter ermöglicht. Wie viele Verträge wurden seither geschlossen?

Besitzer von Bürogebäuden und Mehrfamilienhäusern können eigens produzierten Sonnenstrom allen Bewohnern zum Eigenverbrauch zur Verfügung stellen. Dies ist eine weitere, nachhaltige Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu steigern und so die Wirtschaftlichkeit der eigenen Solaranlage zu steigern. Das Interesse am ZEV ist gross – sowohl bei privaten Mehrfamilienhausbesitzern als auch bei Unternehmern mit ihren Gewerbebetrieben und Überbauungen. Über konkrete Zahlen sprechen wir jedoch nicht.

Sind nach dem Kauf der sehr breit aufgestellten Elektro-Fürst-Gruppe weitere Übernahmen geplant und wenn ja in welchem Bereich?

Wir wollen uns weiterentwickeln und unsere Expertise insbesondere im Gebäudetechnikbereich über die Zentralschweiz hinaus anbieten. Der Kauf der Elektro-Fürst-Gruppe war ein Schritt in diese Richtung, ebenso der Aufbau eines Show- und Beratungsraums in der Bauarena in Volketswil. Falls sich gute Opportunitäten ergeben sind weitere Käufe nicht ausgeschlossen.


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