Greenpeace-Kletterer entrollen Banner am Uralt-AKW Beznau

Greenpeace

«The End»: Greenpeace-Aktivisten haben den Kühlturm des AKW Beznau erklommen. (Foto © Greenpeace / Ex-Press / Flurin Bertschinger)

Zürich / Döttingen AG – Am Mittwoch haben rund 100 Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten gegen das Atomkraftwerk Beznau protestiert. Unter anderem entrollten zwei Kletterer am Reaktor Beznau 2 ein Banner mit der Forderung «The End». Ein Gleitschirm überflog die Anlage mit einem Protestbanner. Die Aktivisten verlangten die sofortige Stilllegung der mit 45 Jahren ältesten Anlage der Welt. Deren altersbedingten Sicherheitsdefizite seien nicht mehr zumutbar und stellen eine Gefahr für die Bevölkerung in weiten Teilen Europas dar, schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

Drei der sieben ältesten Reaktoren Europas befinden sich in der Schweiz. Atomare Gefahrenherde befinden sich aber auch im Ausland und so fanden am Mittwoch in fünf weiteren europäischen Ländern Aktionen gegen die ältesten Reaktoren Europas statt. Die insgesamt 240 Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten verlangen mit ihren Aktionen bei den AKW Beznau (CH), Bugey (F), Oskarshamns (S), Tihange (B), Garoña (E) und Borssele (NL) die sofortige Stilllegung dieser «Risiko-Reaktoren».

Je älter, desto gefährlicher
Ein neuer europaweiter Bericht des Öko-Instituts in Darmstadt zeigt nach Ansicht von Greenpeace deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls sowie die Anzahl potenzieller Komplikationen im Zuge der Alterung der Atomkraftwerke zunehmen. Trotz Nachrüstungen und Reparaturen verschlechtere sich der Gesamtzustand von AKW langfristig, stellt die veröffentlichte Studie «Alternde Atomreaktoren: Eine neue Ära des Risikos» fest.

Bei den meisten Reaktoren, für die eine Verlängerung der Laufzeit beantragt wird, wird auch die Leistungskapazität erhöht – damit werden die bereits abgenutzten Systeme und Komponenten stärker belastet.  Die wachsenden Mengen abgebrannter Brennelemente und hoch radioaktiver Abfälle, die unter veralteten Sicherheitssystemen an vielen AKW-Standorten gelagert werden, stellen nach Ansicht der Experten des Öko-Instituts ein zusätzliches Risiko dar.

«Eine Laufzeitverlängerung heisst nichts anderes, als dass die grossen Energiekonzerne die Zitrone auspressen und die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel setzen», sagt der Atomexperte von Greenpeace Schweiz Florian Kasser. «Dies wird dadurch begünstigt, dass die wirtschaftlichen Risiken und Kosten falsch eingeschätzt werden, dass die Haftung nicht streng genug reguliert ist und dass die Entscheidungsfindung oft unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet», so Kasser.

In Europa bemühen sich Energieunternehmen derzeit um Laufzeit-Verlängerungen für 46 alte Atomkraftwerke. Die Alterung von Reaktoren ist in fast allen europäischen Ländern mit Atomenergie ein drängendes Problem: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Ungarn, Grossbritannien, Niederlande, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien und Ukraine, so Greenpeace.

Axpo-Stellungnahme zeugt von mangelndem Sicherheitsverständnis
Axpo, Betreiber des AKW Beznau, hat Greenpeace-Protestaktion Stellung genommen. Die Reaktion zeigt für Greenpeace einmal mehr, dass das Sicherheitsverständnis des Betreibers «höchst mangelhaft» ist. Es gelte die von unabhängigen Fachexperten erarbeiteten Erkenntnisse zur Alterungsproblematik ernst zu nehmen und die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen, so Greenpeace abschliessend. (Greenpeace/mc/pg/ps)

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