Aberdeen Investments: Schwellenländer stehen vor neuem Investitionsboom – es geht nicht nur um KI
- Nach einem verlorenen Jahrzehnt sieht Aberdeen Investments die Schwellenländer am Beginn eines neuen Zyklus.
- Bis 2050 werden fast sieben von zehn Menschen im erwerbsfähigen Alter in den Schwellenländern Asiens oder in Afrika leben.
- Schwellenländer müssen bis 2050 voraussichtlich 42 Billionen US-Dollar in Infrastruktur investieren, allein um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
- Die Dividenden in Schwellenländern sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich schneller gewachsen als in entwickelten Märkten, und viele dieser Titel stehen nicht auf dem Radar passiver Anleger.
Zürich – Über ein Jahrzehnt lang haben sich Investoren auf eine kleine Gruppe von Technologiegewinnern aus entwickelten Märkten konzentriert. Aberdeen Investments sieht inzwischen in einer wachsenden Zahl von Schwellenländern die attraktiveren Chancen. Die Performance der Schwellenländer verlief schon immer in Zyklen. Diese fielen häufig mit Phasen steigender globaler Investitionsausgaben zusammen.
Resilienz trotz Risiken
Tettey Addy, Emerging Markets Economic Analyst bei Aberdeen Investments, kommentiert:
«Die Schwellenländer haben sich mittlerweile in einer Reihe globaler Schocks als widerstandsfähig erwiesen und auch ihre langfristigen Aussichten bleiben günstig. Die Bevölkerung in den Industrieländern und in China altert. Der Schwerpunkt der globalen Erwerbsbevölkerung verlagert sich in die Schwellenländer Asiens und nach Afrika. 2050 werden allein dort zusammen 70 % der weltweiten Arbeitskräfte leben.
Die zunehmende Urbanisierung, der Aufbau technologischer Lieferketten und der steigende Strombedarf dürften einen neuen Investitionszyklus auslösen. Das gilt gerade auch für China, trotz der demografischen Entwicklung. Zwischen 2025 und 2050 müssen die Schwellenländer mehr als 40 Billionen US-Dollar in die Infrastruktur investieren.»
Der Schwellenländerzyklus: vom verlorenen Jahrzehnt zum möglichen Wendepunkt
In den 2000er-Jahren profitierten die Schwellenländer vom Investitionsboom in China mit vielen Ausgaben in Infrastruktur und Investitionen in die Industrie. Im Jahrzehnt nach der globalen Finanzkrise hinkten sie hinterher. Nun nehmen Investitionen in KI, Elektrifizierung, Energie und Infrastruktur wieder Fahrt auf.
Nick Robinson, Head of Global Emerging Market Equity bei Aberdeen Investments, sagt:
«Unternehmen aus Schwellenländern profitieren inzwischen deutlich stärker vom KI-Thema. Das zeigt sich zunehmend in den Unternehmensgewinnen: Koreanische und taiwanesische Technologieunternehmen verzeichnen weiterhin eine starke Nachfrage nach ihren Produkten. Die Chancen reichen inzwischen auch über die grössten Halbleiterkonzerne hinaus, nämlich in die Infrastruktur, die Rohstoffe und andere Teile der Lieferkette.»
Dividenden: ein unterschätzter Renditetreiber in Schwellenländern
Schwellenländer werden oft vor allem mit schnellerem Wirtschafts- und Gewinnwachstum in Verbindung gebracht. Dabei machen Dividenden inzwischen rund die Hälfte der Gesamtrendite von EM-Aktien aus. Von 2003 bis 2025 wuchsen die Dividenden in Schwellenländern um durchschnittlich 11,8 % pro Jahr, in entwickelten Märkten um 7,4 %. Heute zahlen in Schwellenländern mehr Unternehmen Dividenden als in entwickelten Märkten.
Die EM-Unternehmen sind reifer geworden. Ein stärkerer Cashflow und eine bessere Corporate Governance haben dazu geführt, dass mehr Firmen Kapital an ihre Aktionäre zurückgeben.
Nick Robinson ergänzt:
«Dividenden sind ein starkes Signal für Kapitaldisziplin und für die Bereitschaft eines Unternehmens, Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Anleger können Unternehmen mit höheren Renditen mit solchen kombinieren, die ihre Dividenden steigern können. So erschliessen sie sich sowohl Value- als auch Wachstumschancen und können zugleich einige der Faktor- und Länderrisiken in Schwellenländern steuern.
Ausschüttungen geben Anlegern zudem etwas Greifbares in die Hand, während sich die langfristige Investmentthese entfaltet. In einem unsichereren Marktumfeld kann diese Kombination aus Ausschüttungen, Wachstumspotenzial und Kapitaldisziplin besonders wertvoll sein.»
Kleinere Unternehmen verbreitern die Diversifikation
Bei den entwickelten Märkten entfallen inzwischen rund 70 % des MSCI World Index auf die USA. Auch in den Schwellenländern kann die Konzentration ausgeprägt sein. Die zehn grössten Titel machen rund 37 % des MSCI Emerging Markets Index aus, Taiwan allein knapp 30 %. In Asien entfallen auf die zehn grössten Titel rund 43 % des MSCI AC Asia ex Japan Index.
Gabriel Sacks, Lead Manager des Aberdeen Asia Focus Investment Trust und Investment Director Asian and Emerging Market Equity bei Aberdeen Investments, sagt:
«Rechenzentren und Robotik sind wichtige Teile der heutigen Anlagelandschaft. Aber damit sich die Welt weiterdreht, braucht es mehr. Volkswirtschaften sind auf viele andere Sektoren angewiesen, um die Wirtschaftstätigkeit und das langfristige Wachstum zu stützen.
Eines der grössten Missverständnisse ist, dass man automatisch mehr Risiko eingeht, wenn man zu kleineren Unternehmen wechselt. Daten aus fast 30 Jahren zeigen: Anleger, die Small Caps aus Schwellenländern mit klassischen Large Caps kombinierten, hätten historisch höhere Renditen bei geringerer Volatilität erzielt. Denn kleinere Unternehmen bieten Zugang zu einer viel breiteren Palette von Firmen, Sektoren und Wirtschaftstreibern, als sie in den grossen Indizes abgebildet sind.» (Aberdeen Investments/mc/ps)