Antiker Klimawandel: Massenauswanderung wegen Wassermangel

Antiker Klimawandel: Massenauswanderung wegen Wassermangel
Für immer von der Wüste begraben: Ruinen von Soknopaiou Nesos, einem in der Spätantike untergegangenen Dorf im ägyptischen Fayum-Gebiet. (Foto: Bruno Bazzani/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0)

Basel – Ausbleibender Monsunregen in den Quellregionen des Nils ist die Ursache der Auswanderungen und des Niedergangs ganzer Siedlungen in der spätantiken römischen Provinz Ägypten. Diese Bevölkerungsentwicklung hat die Althistorikerin Sabine Huebner von der Universität Basel erstmals mit Umweltdaten verglichen – und ist auf eine frühe Klimaveränderung samt ihren Folgen gestossen.

Das oasenartige Fayum-Gebiet rund 130 Kilometer südwestlich von Kairo galt als die Kornkammer des römischen Reichs. Doch am Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. verfielen dort mehrere ehemals blühende Siedlungen und wurden von den Menschen schliesslich aufgegeben. Grund dafür waren Probleme bei der Bewässerung der Felder, wie aus bisherigen Ausgrabungen und zeitgenössischen Papyri hervorgeht. Dokumentiert sind auch Versuche der Bauern, sich der Trockenheit und der Versteppung des Ackerlands anzupassen, etwa durch Anpassung der Landwirtschaft.

Vulkanausbruch und Monsunregen
Nun zeigt die Basler Althistorikerin Prof. Dr. Sabine R. Huebner im US-Fachblatt «Studies in Late Antiquity», dass sich verändernde Umweltbedingungen hinter dieser Entwicklung standen. Bestehende Klimadaten weisen darauf hin, dass sich der Monsunregen in den Quellgebieten des Nils im äthiopischen Hochland plötzlich und andauernd abschwächte. Die Folge davon waren niedrigere Hochwasserstände des Stromms im Sommer. Dies belegen geologische Sedimente aus dem Nildelta, dem Fayum und dem äthiopischen Hochland, die langjährige Klimadaten über den Monsun und den Wasserstand des Nils liefern.

Vermutlich ebenfalls eine Rolle gespielt hat dabei ein starker tropischer Vulkanausbruch um 266 n. Chr., der im Folgejahr eine unterdurchschnittlich schwache Nilflut mit sich brachte. Grössere Eruptionen sind aus Schwefelsäureablagerungen in Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis bekannt und bis auf drei Jahre genau datierbar. Dabei führen jeweils bis in die Stratosphäre geschleuderte Teilchen zu einer Klimaabkühlung und bringen dadurch das lokale Monsunsystem durcheinander.

Neues Wissen über Klima, Umwelt und Gesellschaft
Im 3. Jahrhundert n. Chr. war das ganze römische Reich von Krisen betroffen, die in der Provinz Ägypten durch über 26’000 erhaltene beschriebene Papyri relativ gut dokumentiert sind. Für das Fayum-Gebiet finden sich darauf Aufzeichnungen von Bewohnern, die wegen der Wasserknappheit Wein statt Getreide anbauten oder auf Schafhaltung umstellten. Andere beschuldigten ihre Nachbarn des Wasserdiebstahls oder wandten sich für Steuererleichterungen an die römischen Behörden. Diese und weitere Anpassungsstrategien der Bevölkerung zögerten das Sterben der Dörfer über mehrere Jahrzehnte hinaus.

«Wie auch heute waren die Folgen des Klimawandels nicht überall die gleichen», kommentiert Huebner die Resultate. Während Regionen an den Rändern der Wüste stark mit der Trockenheit konfrontiert waren, hätten andere von den Zuzügen aus den aufgegebenen Dörfern eher profitiert. «Neues Wissen über das Zusammenwirken von Klima, Umweltveränderungen und gesellschaftlichen Entwicklungen ist daher hoch aktuell.» Der Klimawandel der Spätantike wurde indes nicht – wie der heutige – überwiegend vom Menschen verursacht, sondern beruhte auf natürlichen Schwankungen. (Universität Basel/mc/ps)

Originalpublikation
Sabine R. Huebner
Climate Change in the Breadbasket of the Roman Empire – Explaining the Decline of the Fayum Villages in the Third Century CE
Studies in Late Antiquity (2020), doi: 10.1525/sla.2020.4.4.486

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