«Artemis 2» auf dem Weg zum Mond

«Artemis 2» auf dem Weg zum Mond
Start der «Artemis 2»-Rakete mit der «Orion»-Kapsel am US-amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral.

Cape Canaveral – Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen in die Nähe des Mondes unterwegs. Vier Astronauten hoben dafür um 18:35 Uhr Ortszeit (00:35 Uhr MESZ) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab.

Sie befinden sich an Bord der «Orion»-Kapsel mit dem Raketensystem «Space Launch System». Der Start der krisengeplagten Mission «Artemis 2» war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden.

Es sei ein «historischer Tag», sagte der deutsche Astronaut Alexander Gerst vor dem Start der Deutschen Presse-Agentur, sein Astronautenkollege Matthias Maurer sprach von einem «ganz neuen Kapitel für die Raumfahrt».

«Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen – wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus», hatte US-Präsident Donald Trump schon vor dem Start auf seiner Online-Plattform Truth Social kommentiert.

«Artemis 2» baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission «Artemis 1» 2022 auf. An Bord der «Orion»-Kapsel soll die Crew – bestehend aus der US-Astronautin Christina Koch, ihren US-Kollegen Victor Glover und Reid Wiseman und dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen – etwa zehn Tage lang um den Mond herumfliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde aufkommen soll.

Mehr als 2,3 Millionen Kilometer um Mond und Erde
Der Flugverlauf gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370’000 Kilometer von der Erde entfernt, etwa 7500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen – und könnten sich weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor.

Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch ist die erste Frau an Bord einer Mond-Mission der Nasa, Glover der erste nicht-weisse Mensch und Hansen der erste Kanadier.
Bislang zwölf Amerikaner auf dem Mond

Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verliess im Dezember 1972 der 2017 gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der «Apollo 17»-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den «Apollo»-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.

Die «Orion»-Kapsel fliegt grösstenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken sollen die Astronauten aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.

Programm benannt nach der mythologischen Göttin des Mondes
Das milliardenschwere «Artemis»-Programm – benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie – wurde von der Nasa 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung («Artemis 3») bis 2024 vor. Seitdem kam es aber mehrfach zu Verschiebungen.

Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman hat die «Artemis»-Pläne kürzlich noch einmal komplett umgeschmissen. Die Mission «Artemis 3», mit der ursprünglich frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen.

Auch die Schweiz ist beteiligt
Stattdessen solle die «Orion»-Kapsel sich bei dieser Mission im Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem solle es dann 2028 möglicherweise sogar gleich zwei Mondlandungsversuche geben – «Artemis 4» und «Artemis 5». Ausserdem werde eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert. Auch viele private Raumfahrtunternehmen und internationale Partner sind bei dem Programm involviert, darunter auch die europäische Raumfahrtbehörde Esa.

Auch die Schweiz hat für die Mission Technologie beigesteuert. Schweizer Unternehmen steuerten Komponenten zum Servicemodul der Esa bei: Die Steuermechanismen zur Ausrichtung der Solarpaneele stammen von Beyond Gravity in Zürich. Apco Technologies in Aigle VD lieferte zudem mechanische Bodengeräte, die das Servicemodul während Bau und Transport stützten, sowie die Drehplattform für die Montage des Moduls.

Der deutsche Astronaut Gerst sagte, er glaube daran, dass es eines Tages eine europäische Forschungsstation auf den Mond geben werde. «Der Mond ist einfach unser nächster Begleiter. Das ist unser achter Kontinent im Prinzip. Wir müssen den erforschen, einfach nur, weil er da ist schon mal.»

Zudem biete die Mondmission eine wichtige Perspektive, sagte Gerst weiter. «Die Faszination, dass man auch den nächsten Generationen zeigen kann: Wir können nicht nur Kriege führen hier auf der Erde, sondern wir können auch wieder was richtig Grossartiges zusammen machen. Diese Perspektive einzufangen und zurückzubringen, das ist so unendlich wichtig für unser Selbstverständnis. Was sind wir eigentlich? Was machen wir mit unserer Erde? Was machen wir mit uns? Wie behandeln wir uns gegenseitig auf diesem Planeten? Das wird alles nochmal kristallklarer, wenn man das von aussen sieht.»

Wettlauf der Raumfahrtnationen
Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum Mond strategisch die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen prägen zu können. US-Präsident Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, verbucht es auch als persönlichen Erfolg.

Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen zum Mond. Grösster Konkurrent der USA ist China mit dem Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen. (awp/mc/ps)

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