Atomdebatte: Bund arbeitet an drei Szenarien für Zukunft

Walter Steinmann

BFE-Direktor Walter Steinmann.

Bern – Das Bundesamt für Energie (BFE) entwirft nach der Atomkatastrophe in Japan drei Szenarien für die Zukunft der Atomenergie in der Schweiz. Eines davon ist der totale Ausstieg, wie es SP und Grüne verlangen. Zur Debatte steht aber auch das «Weiter wie bisher.»

Das Bundesamt habe den Auftrag erhalten, drei Szenarien auszuarbeiten, sagte BFE-Direktor Walter Steinmann am Dienstagabend im Schweizer Fernsehen SF. Eine davon ist der totale Ausstieg aus der Kernenergie. Neben der unveränderten Fortsetzung der Atomkraft wird auch eine Art Mittelweg geprüft: Die Vorgabe wäre, ein Ersatzatomkraftwerk zu bauen und gleichzeitig «starke Investitionen in erneuerbare Energien und die Energieeffizienz» zu tätigen, wie Steinmann sagte. Heute gibt es fünf AKW in der Schweiz.

Ausstiegsszenario kommt neu hinzu

Bei den Arbeiten handelt es sich um eine Aktualisierung der Szenarien, die 2007 im Rahmen der Studie Energieperspektiven Schweiz entstanden, wie es beim BFE auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA hiess. Neu kommt das Ausstiegsszenario dazu. Die neuen Analysen, die in rund einem Jahr vorliegen, sollen der Politik als Entscheidgrundlage dienen. Um den Anteil der Atomenergie von 40% zu kompensieren, müsste noch stärker auf die Energieeffizienz und auf erneuerbare Energie gesetzt werden, sagte Steinmann. Das alleine reiche aber kaum: «Wir vermuten, dass wir für eine Übergangsfrist wohl nicht auf Gaskraftwerke verzichten können.»

AKW-Ersatz: Momentan keine Abstimmung zu gewinnen
Bis die Gesuche für drei neue Kraftwerke weiter behandelt werden können, dürfte laut Steinmann mindestens ein Jahr vergehen. Wenn es allenfalls zu einer Weiterbehandlung kommt, rechnet er «mit veränderten Vorzeichen». Heute wäre aus seiner Sicht keine Abstimmung über den Neubau eines Kraftwerks zu gewinnen. Noch nicht entschieden ist, in welcher Art die Schweiz bei den Stresstests der EU für die Atomkraftwerke auf ihrem Gebiet mitmachen wird. Das müsse der Bundesrat noch besprechen, sagte BFE-Vizedirektorin Marianne Zünd zur SDA. Möglicherweise tue er dies noch in dieser Woche. Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger lud am Dienstag bei der Ankündigung der Tests die Schweiz explizit ein, an den Tests und der Ausarbeitung der Kriterien mitzuwirken.

Experten beantworten Fragen zu Reaktorunfällen am Telefon
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am Mittwoch eine Experten-Hotline für Fragen zu den Reaktorunfällen in Japan eingerichtet. Das Angebot wird ergänzt mit einem Katalog der häufigsten Fragen und Antworten auf der Internetseite des BAG. Sind gesundheitliche Konsequenzen in der Schweiz zu befürchten? Ist es sinnvoll, Jodtabletten einzunehmen? Diese beiden Fragen beschäftigten die Bevölkerung besonders, sagte BAG-Sprecher Daniel Dauwalder auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Auch wollten viele Menschen wissen, ob sie noch japanische Lebensmittel kaufen sollen.

Kein Grund zur Einnahme von Jodtabletten
Momentan seien keine direkten gesundheitlichen Konsequenzen in der Schweiz zu erwarten, hiess es am Mittwochmorgen auf der Internetseite des BAG. Deshalb gebe es auch keinen Grund, Jodtabletten einzunehmen. Im Notfall werde die Schweiz Jodtabletten an die Bevölkerung verteilen. Der telefonische Informationsdienst wird von geschultem Personal der Firma Medgate betrieben, wie der BAG-Sprecher erklärte. Auf Deutsch wurde das Angebot am Mittwochmorgen gestartet, auf Französisch sollte die Hotline am Mittwochnachmittag in Betrieb gehen.

Die Hotline ist erreichbar unter der Telefonnummer 031 322 97 28. (awp/mc/ps)

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