BearingPoint-Studie: Wie Unternehmen auf Zölle und geopolitische Spannungen reagieren

BearingPoint-Studie: Wie Unternehmen auf Zölle und geopolitische Spannungen reagieren
Reto Tomasini, Partner BearingPoint. (Bild: BearingPoint)

Zürich – Eine weltweit durchgeführte Umfrage im Supply-Chain-Topmanagement zeigt, wie Unternehmen erfolgreich auf Zölle und geopolitische Spannungen reagieren: Sie setzen auf intelligente Lieferketten, die sich zunehmend auf Regionalisierung, Kreislaufwirtschaft und Künstliche Intelligenz stützen, um autonom und agil zu sein.

Die Management- und Technologieberatung BearingPoint zeigt im neuen globalen Thought-Leadership-Report «Autonome, intelligente Lieferketten: Der neue Wettbewerbsvorteil im Zeitalter der Disruptionen», dass Lieferketten grundlegend neu gedacht werden. Die Umfrage basiert auf einer Befragung von 620 Führungskräften auf C-Level-Ebene aus Europa, den USA und China.

Anstatt sich nur auf gelegentliche Krisen vorzubereiten, entwickeln Unternehmen inzwischen Lieferketten, die sich dynamisch und in Echtzeit neu konfigurieren können. Der Fokus verlagert sich klar hin zu mehr Agilität, um schneller zu reagieren, Entscheidungen zu beschleunigen und regionale Anforderungen in Regulierung und Nachhaltigkeit besser zu erfüllen. «Disruption ist dauerhaft präsent. Unsere Umfrage zeigt, dass Marktführer sich nicht davor schützen, sondern agil an diese Realität anpassen – intelligente Lieferketten sind dabei ein wichtiger Bestandteil», sagt Reto Tomasini, Partner bei BearingPoint.

Unternehmen regionalisieren ihre Lieferketten
Fast die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) setzt auf Regionalisierung ihrer Lieferketten. Damit schaffen sie die physische Grundlage für selbstregulierende Netzwerke. Hohe Kosten, Lücken im Lieferantennetzwerk und komplexe regulatorische Anforderungen stellen die grössten Hürden für eine Skalierung dar. Viele Organisationen kämpfen mit finanziellen Folgen von neuen Lieferantenstrukturen, dem Aufbau von Nearshore-Kapazitäten und der Erfüllung von veränderten lokalen Compliance-Vorgaben.

Diversifizierung stärkt Resilienz
Bis 2030 wird erwartet, dass der Handel in den Schwellenländern stärker wächst, während China aufgrund von Entkopplungs- und Diversifizierungsdruck ein langsameres Wachstum erleben dürfte. Führungskräfte sehen Diversifizierung heute nicht mehr als Absicherung, sondern als strategischen Erfolgsfaktor. Chinesische Unternehmen, ebenso wie andere globale Player, expandieren verstärkt in BRICS und ASEAN-Märkte und bauen gleichzeitig Produktionskapazitäten in Europa auf, um Zollrisiken und geopolitische Spannungen zu reduzieren. Das führt zu einer grundlegenden Neuordnung globaler Lieferketten: weg von rein auf Effizienz ausgerichteten Modellen, hin zu regionaleren, widerstandsfähigeren und flexibleren Strukturen.

Unternehmen investieren in das digitale Rückgrat für Autonomie und Intelligenz
69  Prozent der Führungskräfte zählen Cloud-Plattformen zu ihren drei wichtigsten Investitionsfeldern. Dahinter folgen 50  Prozent, die künstliche Intelligenz priorisieren, sowie 46  Prozent, die sich auf Cybersicherheit und die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur konzentrieren, um Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu vernetzen. Allerdings verfügen ein Viertel der Unternehmen weiterhin nicht über intelligente Beschaffungs- und Orchestrierungswerkzeuge, um Daten tatsächlich in Echtzeitentscheidungen zu übersetzen.

Echte End-to-End-Autonomie bleibt selten
Obwohl 90  Prozent der Führungskräfte davon ausgehen, dass künstliche Intelligenz Lieferketten bis 2030 grundlegend verändern wird, haben bislang nur 8  Prozent der Unternehmen KI-gestützte Planung und Orchestrierung vollständig integriert. Next-Generation-ERP-Plattformen und prädiktive Analysen entwickeln sich dabei zu den zentralen Enablern, um eine durchgängige End-to-End-Orchestrierung zu realisieren.

Zirkularität entwickelt sich zu einem strategischen Differenzierungsmerkmal
Zirkuläre Lieferkettenmodelle im Sinne der Kreislaufwirtschaft gewinnen an Bedeutung: 44  Prozent der Befragten sehen Zirkularität inzwischen als Wachstumstreiber, nicht länger nur als regulatorische Verpflichtung. Unternehmen prüfen zunehmend Reverse-Logistics-Konzepte, Product-as-a-Service-Modelle und Strategien zur Rückgewinnung von Materialien, um Abfall zu reduzieren, neue Umsatzquellen zu erschliessen und ihre Markenpositionierung zu stärken.

Fünf Handlungsfelder für den Aufbau der autonomen, intelligenten Lieferkette
Der Bericht definiert fünf zentrale Hebel für den Aufbau autonomer, intelligenter Lieferketten:

  1. Netzwerke neu ausrichten, um Resilienz und regionale Agilität zu stärken
  2. Prozesse standardisieren und Datenqualität erhöhen
  3. KI skalieren, um prädiktive und autonome Entscheidungen zu ermöglichen
  4. Intelligente Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette verankern
  5. Mensch-KI-Zusammenarbeit fördern und eine adaptive Führungskultur entwickeln

Dr. Stefan Penthin, Globaler Leiter Operations bei BearingPoint resümiert: «Die Gewinner des nächsten Jahrzehnts werden diejenigen sein, die Autonomie und Intelligenz zum Kern ihrer Supply-Chain-Strategie machen. Erfolg wird von Führungsteams abhängen, die kontinuierliche Transformation annehmen, in intelligente Fähigkeiten investieren und Ökosysteme orchestrieren, die sich parallel zu den Marktanforderungen weiterentwickeln können.» (BearingPoint/mc/ps)

Über die Studie
«Autonome, intelligente Lieferketten: Der neue Wettbewerbsvorteil im Zeitalter der Disruptionen» basiert auf einer globalen Befragung von 620 Entscheidern im Supply-Chain-Management auf C-Level, die von BearingPoint im August 2025 durchgeführt wurde. Die Teilnehmenden stammen aus Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 500 Millionen Euro und repräsentieren Branchen wie Automotive und industrielle Fertigung, Konsumgüter und Einzelhandel, Life Sciences, Transport und Logistik, Energie und Versorgungswirtschaft sowie Luft und Raumfahrt und Verteidigung.

Laden Sie die vollständige Studie herunter: https://www.bearingpoint.com/en/insights-events/insights/autonomous-intelligent-supply-chains/

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