Börsengänge bringen 2014 bereits mehr ein als im Vorjahr

Aktienhandel
(Bild: lassedesignen - Fotolia.com)

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Zürich – Firmen drängen immer stärker an die Börsen: In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden weltweit 851 Unternehmen neu gelistet und spülten dabei 186,6 Milliarden US-Dollar in ihre Kassen, fast doppelt so viel wie die 570 Unternehmen im Vorjahreszeitraum. Besonders gut entwickelten sich die europäischen Börsen: Hier hat sich das Emissionsvolumen von knapp 13 Milliarden auf gut 53 Milliarden US-Dollar mehr als vervierfacht, die Zahl der Börsengänge hat sich von 99 auf 211 mehr als verdoppelt. Und weitere IPO-Kandidaten stehen in den Startlöchern, auch in der Schweiz. Auf die bisher fünf Börsengänge im Jahr 2014 werden noch weitere folgen.

Gemäss der aktuellen EY-Studie zu den IPO-Trends im dritten Quartal 2014 setzte der globale Markt für Börsengänge (IPOs) seinen Aufschwung fort, und zwar in allen Regionen. Der aktivste Börsenplatz war im bisherigen Jahresverlauf Nord­amerika: In den USA wagten seit Jahresbeginn 220 Unternehmen mit einem Volumen von 77 Milliarden US-Dollar den Sprung aufs Parkett – nach 155 IPOs im Vorjahreszeitraum. Zudem fand dort der grösste Börsengang aller Zeiten statt: der IPO der chinesischen eCommerce-Handelsplattform Alibaba mit einem Emissionsvolumen von 25 Milliarden US-Dollar.

«Der IPO von Alibaba unterstreicht die enorme Bedeutung, die China inzwischen für die Weltwirtschaft und die weltweiten Kapitalmärkte hat: Immerhin sind damit die drei grössten IPOs aller Zeiten Börsengänge chinesischer Unternehmen», erläutert Roger Müller, IPO Leader bei EY Schweiz. Neben Alibaba waren dies die Agricultural Bank of China mit 22,1 Milliarden US-Dollar und die Industrial & Commercial Bank of China mit 21,9 Milliarden US-Dollar.

Ebenfalls bemerkenswert sei, dass sich damit erstmals ein Internet-Händler auf der Liste der zehn grössten Börsengänge platzieren könne – und zudem gleich an erster Stelle. «Dies zeigt auch, welche Wachstumschancen die Investoren internetbasierten Geschäftsmodellen einräumen», so Müller. Auch für den europäischen und den schweizerischen IPO-Markt hat der Mega-Börsengang von Alibaba eine positive Signalwirkung.

Wachstumswerte im Fokus – keine Blase erwartet
Grundsätzlich seien die Investoren wieder risikofreudiger geworden, beobachtet Müller: «Anleger suchen derzeit nach Wachstumswerten, nachdem im vergangenen Jahr noch eher defensivere Werte im Vordergrund standen». Trotz der aktuell grossen Zahl von Börsengängen und trotz zum Teil relativ hoher Bewertungen kann von einer Blase am IPO-Markt nicht die Rede sein: Die Zahl der Börsengänge ist weit vom Niveau des Rekordjahres 2001 entfernt, die Investoren sind vorsichtiger als damals und die IPO-Kandidaten sind sehr unterschiedlich strukturiert. «Zudem gehen meist Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen und nachweisbar positiver Umsatzentwicklung an die Börse. Das war zu Zeiten der Internetblase nicht immer der Fall», betont Müller.

Die Schweiz verzeichnete im dritten Quartal 2014 keinen IPO, nachdem im ersten der beiden traditionellen Fenster fünf Unternehmen den Schritt gewagt und dabei 1,56 Milliarden US-Dollar eingesammelt hatten. Nach sieben Jahren ist zudem für das vierte Quartal 2014 ein Biotech-IPO in der Schweiz angekündigt worden. «Molecular Partners könnte den Weg frei machen für weitere Unternehmen, insbesondere aus dem Life-Science-Sektor. Bei einem Erfolg steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere Firmen den Schritt einer Publikumsöffnung wagen», vermutet Müller. Auch in anderen Branchen seien potenzielle Kandidaten vorhanden, angekündigt wurden allerdings bisher noch keine weiteren IPOs.

Drittes Quartal 2014 schwächer
In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag die Zahl der IPOs weltweit um 49 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, im dritten Quartal betrug das Plus hingegen nur noch 29 Prozent. Müller führt diese relativ verhaltene Entwicklung in den vergangenen drei Monaten darauf zurück, dass etliche Kandidaten ihren Börsengang nicht unmittelbar vor der Alibaba-Transaktion durchführen wollten und dass verschiedene IPO-fähige Unternehmen sich bereits gelistet haben: «Das heisst aber auch, dass in den kommenden Wochen viele Unternehmen mit Hochdruck an die Börse drängen werden. Ich rechne mit einem starken vierten Quartal», so Müller. Die Vielzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen und Krisen weltweit bremst den IPO-Markt derzeit nicht. Vielmehr sorgen die hohe Liquidität im Markt, eine relativ niedrige Volatilität sowie hohe Bewertungen an den Börsen nach wie vor für Rückenwind.

Finanzinvestoren erlösen Rekordsummen
Weiter ist zu beobachten, dass insbesondere Private-Equity-Investoren derzeit das positive Umfeld am Kapitalmarkt nutzen, um sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Sie erlösten im bisherigen Jahresverlauf bei 208 IPOs insgesamt 70 Milliarden US-Dollar – so viel wie nie zuvor. Und die Pipeline ist nach wie vor gut gefüllt: Mehr als 100 IPOs von Unternehmen aus dem Portfolio von Private-Equity-Unternehmen stehen an, die nach EY-Schätzung mindestens 20 Milliarden Dollar einbringen dürften.

IPO-Markt China wieder erstarkt
Neben den USA und Europa erwies sich China im dritten Quartal als wichtiger Wachstumsmotor des weltweiten IPO-Marktes. Im bisherigen Jahresverlauf stieg die Zahl der Börsengänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 272 Prozent (von 43 auf 160), das Emissionsvolumen legte um 222 Prozent zu (von 7,9 auf 25,4 Milliarden US-Dollar). Im dritten Quartal wuchs das Emissionsvolumen in China (inklusive Hongkong) um 232 Prozent, die Zahl der Transaktionen hat sich verdreifacht.

Die Studie umfasst alle bis am 20. September erfolgten Börsengänge sowie IPOs, die nach Ansicht von EY bis zum Monatsende noch durchgeführt werden. (EY/mc/ps)

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