Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus

Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus
In ihrem Buch «Too Much and Never Enough» wirft Trumps Nichte Mary L. Trump einen schonungslosen Blick auf ihren Onkel, der es trotz der Absenz jeglicher Eignung zweimal ins Weisse Haus geschafft hat.

Von Robert Jakob

Der Klassiker von Otto F. Kernberg liest sich wie eine Blaupause des gegenwärtigen Zustands der Welt. Wobei die kleinen Sünden unserer Mitmenschen noch das geringste Problem sind.

Ein klein wenig Selbstverliebtheit ist sogar heilsam, das weiss der erfahrene Psychoanalytiker. Aber an den Schalthebeln der Macht wird’s oft übel. Big Shot gehen nicht zum Therapeuten. Aber viele von ihnen hätten es nötig. Die Egomanen sind es nämlich, die den Planeten wüst machen. Kernberg beschreibt in seinem bei Suhrkamp in einer hervorragenden deutschen Übersetzung erhältlichen Buch, wie die Selbstverliebtheit in grenzüberschreitendes Verhalten bis zur Psychose abdriften kann. Auf seiner Couch konnte Kern so einigen Patienten in langen Sitzungen helfen.

Blicken wir auf die Polit-Akteure von heute, so scheint eher Hopfen und Malz verloren. Das reicht von Mullahs bis zu Staatspräsidenten. Bei einem besonders prägnanten Beispiel aus letzter Kategorie kann man das sehr gut nachlesen in der schonungslosen Darstellung «Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf» (deutsche Ausgabe von «Too Much and Never Enough») von Mary L. Trump, der Nichte des amtierenden US-Präsidenten.

Es sind oft die Väter, deren Gefühlskälte und überzogenes Anspruchsdenken die Nachkommen zu grössenwahnsinnigen Narzissten macht. Werden nun die Allmachtsfantasien der Patienten nicht erhört, so drehen sie durch. Man kann es nur sprachlos beobachten. Hat Kernberg in seiner psychoanalytischen Praxis nur von Zeit zu Zeit psychotische Narzissten gesehen, so bekommen wir mit dem «SOTUS» jeden Tag aufs Neue das eklatante Beispiel klassischen Wahns vorgeführt. Trump hat einen Krieg begonnen, ohne die Verbündeten zu konsultieren. Und jetzt erwarte er, der sie seit einem Jahr ununterbrochen aufs Übelste beschimpft, von diesen, dass sie die Scherben aufzusammeln. Das ist an eitler Selbstüberschätzung nicht mehr zu toppen. Macht, Reichtum und immerwährende Selbstbestätigung, das ist die politische Agenda unter die Trump alles unterwirft. Für ihn existieren keine Subjekte, sondern nur Objekte, und diese sind komplett anal besetzt.

Leider gibt es keinen Joker, keinen Narren, der dem Obernarren den Spiegel vorhält. Jetzt da für ihn Vieles nicht nach seinem Plan läuft, schlägt er wild um sich. Das hat mittlerweile pathologische Ausmasse. Die Lobhudelei beim Staatbankett, als Netanjahus Trump für den Friedensnobelpreis aufbot, hatte durchschlagende Wirkung. Aus gekränkter Eitelkeit, bei der Verleihung letzten Jahres übergangen worden zu sein, schlägt er jetzt alles kurz und klein, was sich seinem Willen widersetzt.

Dass das menschenverachtende Regime im Iran weggeputzt gehört, lässt sich nicht leugnen. Aber mit etwas mehr Intelligenz hätte man das mit weniger Kollateralschäden angehen können. Aber im Tagesrhythmus sich widersprechender Aktionen zeugen von einer zutiefst triebgetrieben Natur, die nur noch als Krankheit tituliert werden kann.

Die parasitären Revolutionsgarden werden sich nicht ergeben. Es sind weit über 100’000 privilegierte Soldaten mit enger Verfilzung in allen Ecken der Wirtschaft. Sie werden schon deshalb nicht einfach die Waffen niederlegen, weil der Iran hat fast 1000mal mehr Einwohner hat, denn viele von ihnen würden gerne dem ein oder anderen Profiteur der Unterdrückung an den Kragen gehen. Die einfache Bevölkerung ist nämlich mehrheitlich gegen das Regime.


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Robert Jakob
(Bild: Ellert & Richter Verlag)

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