Euler Hermes: Weltweite Risiken steigen

Risiko

Wallisellen – „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage…“ – ein solch märchenhaftes „Happy End“ sieht der weltweit führende Kreditversicherer Euler Hermes angesichts der steigenden globalen Risiken derzeit nicht für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Grund für diese Einschätzung in der jüngsten Euler Hermes Studie „Not such a Grimm tale but no fabled happy ending” sind vor allem die zahlreichen bereits existierenden geopolitischen Konflikte sowie weitere potenzielle Krisenherde, die bei einer Eskalation die Weltwirtschaft eintrüben könnten. Eine aussichtslose Geschichte ist es nach Ansicht der Ökonomen allerdings auch nicht mit einem prognostizierten globalen Wachstum von immerhin +2,8% in 2015 und 3,1% in 2016.

Schweiz
Auch der Schweiz steht ein turbulentes Jahr bevor.  „Euler Hermes hat aufgrund der Aufhebung des Mindestkurses der SNB seine Schweizer BIP Wachstumsprognose für 2015 auf +1% angepasst (vorher +2%). Die realen Exporte werden voraussichtlich um -0.1% sinken (vor dem Geldpolitikwechsel der SNB auf +4% prognostiziert), während die Importe, welche stark von den Exporten abhängen, neu auf insgesamt +0.7% erwartet werden (vorher +4%),“ erläutert Stefan Ruf, CEO von Euler Hermes Schweiz. Der Beitrag der Nettoexporte zum Wachstum 2015 wurde auf -0.4 Prozentpunkte angepasst (vorher +0.5 Prozentpunkte). Der private Konsum (+2% anstelle von +1.1%) wird ebenfalls durch die Aufhebung des Mindestkurses der SNB beeinflusst.

Steigende Risiken durch territoriale Streitigkeiten – neue potenzielle Krisenherde kommen hinzu
Euler Hermes sieht insgesamt steigende globale Risiken, sowohl wirtschaftliche als auch vor allem geopolitische. Chinas Wirtschaft verzeichnet mit +7,3% das geringste Wachstum seit 25 Jahren und auch die Wirtschaft in der Eurozone erholt sich nur langsam. Hinzu kommen territoriale Streitigkeiten wie der Russland-Konflikt oder im Mittleren Osten, die in den letzten Dekade nahezu unvorstellbar waren. Vor allem aber gibt es zahlreiche potenzielle neue Krisenherde, die bei einer Eskalation die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft negativ beeinflussen könnten, zum Beispiel im Südchinesischen Meer zwischen Japan und China. Venezuela, Russland und der Iran leiden zudem unter dem starken Ölpreisverfall, der Löcher in ihre Staatskassen reisst und zu politischen Spannungen führt. Bevorstehende Wahlen in zahlreichen inner- und aussereuropäischen Ländern könnten ebenfalls neue Wendungen bringen. Unternehmen haben dadurch ein erhöhtes Bedürfnis nach Absicherung ihrer Risiken.

Gar nicht märchenhaft: Ölpreisverfall führt vermehrt zu Spannungen bei ölfördernden Nationen
Der massive Verfall des Ölpreises in Kombination mit einer schwachen Nachfrage wirkt sich auf zahlreiche Länder unterschiedlich aus:

„Es gibt vier Gruppen: Zum einen gibt es die Profiteure wie die USA, Europa außer Norwegen, China und Japan“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Zu den Verlierern mit finanziellem Polster gehören Saudi-Arabien und Katar. Für Mexiko und Brasilien wird es bereits sehr unbequem und die vierte Gruppe sind die Staaten, die sich einen so niedrigen Ölpreis nicht leisten können. Zu diesen gehören sowohl Russland als auch Venezuela und der Iran. Für einen kostendeckenden Verkauf würde der Iran beispielsweise 135 US-Dollar pro Barrel Rohöl benötigen, in Venezuela wären es etwa 120 US-Dollar. Wir rechnen für das Gesamtjahr 2015 jedoch mit einem durchschnittlichen Preis von rund 60 US-Dollar. Dafür hat von dieser Gruppe nur Russland ausreichend Währungsreserven.“

Russland: Grimms Märchen „Der Fuchs und die Katze“
Es war einmal… eine wachsende russische Wirtschaft. Der dort anhaltende Konflikt führt zu einer starken Rezession von -5,5%. Auch für 2016 rechnet der Kreditversicherer mit einem weiteren Minus von -4,0%. Euler Hermes hat zudem die Insolvenzprognose für Russland auf +30% korrigiert (auf rund 12‘000 Fälle in 2015) – das ist der höchste erwartete Anstieg weltweit. Im November 2014, vor dem verschärften Rubel- und Ölpreisverfall, waren die Ökonomen noch von einem Zuwachs bei den Insolvenzen von +10% ausgegangen.

„Der Dreijahresplan der Russischen Zentralbank lässt den Rückschluss zu, dass Russland selbst damit rechnet, dass die Sanktionen bis mindestens Ende 2017 Bestand haben“, sagt Subran. „Die russischen Währungsreserven  sind derzeit noch komfortabel und wesentlich höher als noch 1998. Ein Staatsbankrott ist für 2015 also nicht in Sicht. Im schlimmsten Fall, bei einer weiteren erheblichen Eskalation der Sanktionen, beispielsweise durch die Ausweitung auf Swift-Zahlungen oder noch wesentlich weitreichenderen Kapitalkontrollen, käme es zu einem wirtschaftlichen Kollaps in Russland mit -15% beim Bruttoinlandsprodukt. Ein Staatsbankrott wäre dann theoretisch im Laufe von 2016 möglich – die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering.“ (Euler Hermes/mc/ps)

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