Fisch Asset Management: Höhepunkt der Inflationsdynamik erreicht

Beat Thoma
Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich. (Foto: zvg)

„Die Inflation blieb länger als erwartet auf sehr hohem Niveau, was insbesondere auf den starken Anstieg der Energiepreise zurückzuführen ist. Der Höhepunkt dieser Dynamik wurde voraussichtlich im März erreicht und wir rechnen ab April mit einem deutlichen Rückgang. Nicht zuletzt aufgrund der Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell, der jüngst überraschend einen deutlich restriktiveren geldpolitischen Kurs als bisher kommuniziert in Aussicht gestellt hat, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Eine Abkühlung der Konjunktur werde dabei in Kauf genommen, da die Rezessionsgefahr aktuell sehr klein sei. Die Ukraine-Krise erhöht gemäss der Fed zwar die Unsicherheiten, ist aber offenbar kein Grund, auf eine Straffung der Geldpolitik zu verzichten.

von Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management

Die Finanzmärkte reagierten insgesamt sowohl auf diese monetären Änderungen als auch auf die anhaltenden geopolitischen Spannungen erstaunlich gelassen. Die Aktienmärkte konnten teilweise sogar zulegen. Wir interpretieren dies als Zeichen einer hohen markttechnischen Stärke. Bei den langfristigen Zinsen in den USA und in Europa kam es zu einem weiteren Anstieg, der allerdings geordnet und im Rahmen der Erwartungen verlief. Die gleichzeitig weitere Abflachung der Zinskurven ist zudem ein Signal, dass die Inflationserwartungen moderat bleiben, die Konjunktur abkühlt, aber keine Rezession zu erwarten ist und die Notenbanken damit die Lage unter Kontrolle haben.

An den Finanzmärkten ist aktuell viel Negatives eingepreist, darunter höhere Zinsen und ein verzögerter Inflationsabbau. In diesem Umfeld sind kurzfristig sogar positive Überraschungen möglich. Allerdings ist eine mögliche Rezession in der zweiten Jahreshälfte noch nicht in den Kursen enthalten. Hier müssen potenzielle Warnsignale genau beobachtet werden. Ein Warnsignal ist die starke Abflachung der US-Zinskurve im Bereich zwischen zwei und zehn Jahren. Allerdings nehmen die aktuell sehr hohen 2-Jahreszinsen die bereits jetzt praktisch sichere Anhebung der Fed Funds auf zwei Prozent bis Jahresende vorweg. Deshalb ist der kleine Unterschied zu den 10-Jahreszinsen nicht unbedingt ein Zeichen einer bevorstehenden Rezession, sondern eine arbitragebedingte Reaktion auf die Kommunikation der Fed.

Historisch betrachtet hatten geopolitische Krisen kaum langfristige Auswirkungen auf die globale Konjunktur und die Finanzmärkte. Zudem wirken weiterhin eine Reihe von Faktoren strukturell positiv: hohe Bargeldbestände der privaten Haushalte, hohe Auftragseingänge in der Industrie, global abnehmende Lieferkettenprobleme, tiefe Lagerbestände, wieder steigende US-Erwerbsquoten und starke Kreditimpulse im privaten Bankensystem. Auch reagieren die Finanz- und Devisenmärkte bisher nur moderat auf die abkühlende Konjunktur und die restriktivere Geldpolitik in den USA und Europa. So bleibt das globale Finanzsystem aktuell noch im Gleichgewicht und trotz volatiler Märkte grundsätzlich stabil.“ (FAM/mc)

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