Frauen in der Schweiz in Wissenschaft und Technologie nach wie vor wenig vertreten

Labor

Neuenburg – Gemäss den Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) sind Frauen auf der höchsten Stufe der wissenschaftlichen Forschung schwach vertreten. An den Hochschulen machen sie gerade einmal 26 Prozent der Forschung betreibenden Professorenschaft aus. Die Zahl der Forscherinnen wächst jedoch schneller als jene der Forscher.

Alle drei Jahre präsentiert der Bericht «She Figures» die wichtigsten europäischen Statistiken zur Beteiligung der Frauen an der Forschung. Herausgeberin dieses Berichts ist die Europäische Union (EU). Die Publikation behandelt die gesamte berufliche Laufbahn der Frauen, von der höheren Bildung bis zum Arbeitsmarkt. «She Figures 2012» zeigt die jüngsten Daten in diesem Bereich für die 27 Länder der Europäischen Union sowie Kroatien, Island, Israel, Norwegen, die Schweiz und die Türkei.

Akademische Laufbahn mit Unterbrüchen
Eines der Merkmale des europäischen Arbeitsmarktes der letzten zehn Jahre war der steigende Frauenanteil im tertiären Bildungsbereich. Im Jahr 2010 waren in der Schweiz etwa gleich viele Frauen wie Männer an einer Hochschule immatrikuliert. Auf europäischer Ebene betrug der Frauenanteil 55 Prozent. Bei den Studierenden, die ihren Bachelor- oder Masterabschluss 2010 erworben haben, waren die Frauen in der Schweiz mit 52 Prozent sogar in der Überzahl (europäischer Durchschnitt: 59%).

In der Schweiz und in den meisten anderen europäischen Ländern wird die akademische Laufbahn bei den Frauen von zwei Merkmalen geprägt:

  • je höher die Hierarchiestufe, desto tiefer der Frauenanteil;
  • der Frauenanteil variiert stark je nach Wirtschaftssektor und Fachbereich.

Diese Merkmale manifestieren sich bereits auf Doktoratsstufe. In Europa belief sich der Anteil der Frauen, die ihren Doktortitel im Jahr 2010 erworben haben, – mit Ausnahme von neun Ländern – auf unter 50 Prozent. Die Schweiz lag hier mit einem Anteil von 42 Prozent europaweit auf den hinteren Rängen (europäischer Durchschnitt: 46%). Dieser Anteil sinkt sogar noch weiter, je höher man die Stufen der wissenschaftlichen Karriereleiter aufsteigt. An den Schweizer Hochschulen betrug der Frauenanteil bei der Professorenschaft, die einer Forschungstätigkeit nachgeht (Stufe A), im Jahr 2010 rund ein Viertel (26%). Der europäische Durchschnitt lag bei 20 Prozent.

Zahl der Forscherinnen wächst schneller als jene der Forscher
Gesamtschweizerisch waren 30 Prozent der Forschenden Frauen (europäischer Durchschnitt: 33%). Im Zeitraum 2004 bis 2008 lag die jährliche Zuwachsrate bei den Forscherinnen (+4,6%) deutlich höher als bei den Forschern (+0,3%). Ein Geschlechtergleichgewicht wird trotz dieser Zunahme erst in vielen Jahren erreicht werden können.

Kaum Frauen an der Spitze von Forschungsinstitutionen
In der Schweiz werden Institutionen, die im Wissenschaftsbereich tätig sind, hauptsächlich von Männern geleitet. Im Jahr 2010 waren 21 Prozent der Mitglieder von Forschungsräten Frauen. Im Sektor Hochschulen wurden 16 Prozent der Institutionen von Frauen geführt (europäischer Durchschnitt: 36% bzw. 15,5%).

Es ist auch festzustellen, dass die von den Förderagenturen vergebenen Forschungsmittel verhältnismässig häufiger Männern zugesprochen werden als Frauen. Wenn man die Ergebnisse von 2002 und 2010 miteinander vergleicht, wird ersichtlich, dass sich diese Kluft sogar vertieft: Während der Unterschied im Jahr 2002 noch 6,7 Prozent zugunsten der Männer betrug, waren es acht Jahre später 7,8 Prozent.

Grosse Unterschiede je nach Fachbereich und Wirtschaftssektor
Der Frauenanteil variiert auf jeder Stufe der wissenschaftlichen Karriereleiter je nach Fachbereich oder Wirtschaftssektor stark. In der Schweiz waren 63 Prozent der Personen, die ihren Doktortitel im Jahr 2010 in den Erziehungswissenschaften erworben haben, Frauen, während sie in den Bereichen Mathematik und Informatik 35 Prozent und in den technischen Wissenschaften 23 Prozent ausmachten.
Der Anteil an Forscherinnen hängt stark vom Wirtschaftssektor ab: 2008 belief sich der Forscherinnenanteil – unabhängig von der Stufe – an Hochschulen auf 34 Prozent, in der Bundesverwaltung auf 33 Prozent und in Unternehmen auf 19 Prozent. (BFS/mc/ps)

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