Greenpeace: Fukushima – alles andere als vorbei

Greenpeace: Fukushima – alles andere als vorbei

Verlassener Bärenplatz in Bern nach einem Super Gau in Mühleberg. (© Fotomontage / Greenpeace)

Zürich/Bern – Greenpeace hat in Bern eine Fotoausstellung eröffnet, die Einblicke gibt in die gespenstische Verlassenheit der Sperrzone von Fukushima.  Auch „ein Jahr danach“ ist die Atomkatastrophe nicht ausgestanden. Ein Vergleich zeigt, dass ein ähnlicher GAU in der Schweiz verheerend wäre. Damit es niemals dazu kommt, fordert Greenpeace die sofortige Abschaltung des unsicheren AKW Mühleberg.

Die Bilder des Genfer Fotografen Guillaume Briquet wirken durch eine beklemmende Gemeinsamkeit: Das Fehlen jeglichen menschlichen Lebens. Wo einst rege Betriebsamkeit  herrschte, Kinder spielten, ordnende Hände Gärten pflegten holt sich heute die Natur ihren Raum zurück. Winzige Details und eine alle Bilder durchdringende Grundstimmung lassen das Leid der Menschen erahnen, die durch die Atomkatastrophe vom 11. März 2011 vertrieben wurden, ihre Heimat, ihr Hab und Gut von einem Tag auf den anderen zurücklassen  mussten.

Langzeitfolgen noch nicht abzuschätzen

Noch ist es zu früh, anhand der bisher erhobenen Daten die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Strahlung für die Bevölkerung und die AKW-Arbeiter abzuschätzen. «Ein Vergleich mit Kennzahlen aus der Schweiz macht die Dimension des Unglücks jedoch etwas fassbarer», sagt Florian Kasser, Atom Campaigner bei Greenpeace: Die 13’000 Quadratkilometer Land, die in Japan wegen radioaktiver Verseuchung dekontaminiert werden müssen, entsprechen der Fläche des Kantons Bern. In der 20 Kilometer-Zone, die sofort nach dem Unglück evakuiert wurde und auf unabsehbare Zeit nicht mehr bewohnbar sein wird, lebten nahezu 100’000 Menschen. Demgegenüber haben im Umkreis des AKW Mühleberg 440’000 Menschen ihr Zuhause, weitere 160’000, die sich in der Region aufhalten oder dort arbeiten müssten ebenfalls evakuiert werden – ein offizielles Konzept hierfür fehlt.

«Mühleberg sofort vom Netz»
«Fakten wie diese zeigen: Niemals darf es in der kleinräumigen, dicht besiedelten Schweiz zu einer Katastrophe solchen Ausmasses kommen», so Florian Kasser. «Ein altes, unsicheres Werk wie das AKW Mühleberg muss daher sofort vom Netz genommen werden, der restliche, ebenfalls veraltete Schweizer AKW-Park der Schweiz bis spätestens 2025». Das AKW Mühleberg gehört zu den ältesten Atomkraftwerken der Welt und weist zudem gravierende Sicherheitsmänge l auf: Risse im Kernmantel, Notsysteme, die ungenügend gegen Erdbeben gesichert sind, eine Gebäudehülle, die einem Flugzeugabsturz nicht standhalten würde.

Morgen Samstag werden alle Bernerinnen und Berner Informationen zu den Sicherheitsmängeln des AKW Mühleberg in ihren Briefkästen haben. «In Fukushima ist der gleiche Reaktortyp explodiert wie jener von Mühleberg und das Berner AKW ist unsicher. Es ist höchste Zeit, dass alle Bernerinnen und Berner dies wissen und sich für die Stilllegung des maroden Meilers einsetzen», sagt Florian Kasser, «Eine erste Gelegenheit dazu bietet sich am ersten Jahrestag der Katastrophe: mit der Teilnahme am Menschenstrom nach Mühleberg.» (Greenepace/mc/ps)

Weitere Informationen
Hintergrundpapier „Fukushima: Die Dimensionen einer Atomkatastrophe“
„Lessons from Fukushima“, Bericht im Auftrag von Greenpeace, Februar 2012
Zusammenfassung des Berichts auf deutsch

Daten der Fotoausstellung in Bern
«Zone Interdite – zu Fuss durch Fukushimas Sperrzone», Fotoreportage von Guillaume Briquet
3. bis 17. März 2012 auf dem Waisenhausplatz beim Oppenheim-Brunnen, Vernissage: 2. März 2012, um 16 Uhr im PROGR, Waisenhausplatz 30, Bern

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