Grossproteste für das Klima starten in Australien

Klimastreik
(fridaysforfuture.org)

Sydney – Zum Auftakt erneuter weltweiter Klimastreiks demonstrierten am Freitag in Australien Tausende Schüler und Studenten. Sie folgten dem Aufruf der Bewegung Fridays for Future, die bereits mehrere Massenproteste für einen besseren Klimaschutz organisiert hat.

Nach den Grossprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September starten die Aktivisten die vierte Auflage ihres weltweit koordinierten Protests. International sind nach Angaben des Netzwerks über 2400 Städte in 157 Ländern dabei.

In Sydney und anderen australischen Städten forderten die Demonstranten die Politik auf, mehr zur Bekämpfung der Erderwärmung zu unternehmen. Ihrer Regierung warfen sie Untätigkeit vor. Sie trage daher mit Schuld an den Buschbränden, die seit Wochen in Australien wüten.

Demo statt Shopping?
In der Schweiz hat die „Klimastreik“-Bewegung Veranstaltungen in zahlreichen Städten und Orten angemeldet. Sie fordert ihre Anhänger auf, an dem Ausverkaufs-Freitag nichts zu kaufen und statt dessen zu demonstrieren.

Der deutsche Ableger der Klimabewegung Fridays for Future kündigte vorab Demonstrationen in mehr als 500 Städten an. Allein in Berlin sollen 50 000 Menschen an einer Demonstration teilnehmen.

Für Deutschland fordert Fridays For Future unter anderem, unverzüglich alle Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu streichen sowie ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten. Zudem müsse Deutschland bis 2035 auf eine komplett erneuerbare Energieversorgung umschwenken.

EU ruft „Klimanotstand“ aus
Das Thema Erderhitzung treibt derzeit auch die EU um. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat starke Anstrengungen gegen den Klimawandel versprochen. Und das EU-Parlament hatte am Donnerstag den „Klimanotstand“ für Europa ausgerufen.

Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, als erster ganzer Kontinent überhaupt einen solchen Notstand zu erklären. Das soll nach Wunsch der Abgeordneten die Dringlichkeit des Themas zeigen – konkrete Folgen hat der Schritt aber vorerst nicht.

Fridays for Future reicht das nicht. „Dass die EU den Klimanotstand ausruft, ohne zu handeln, ist wie wenn die Feuerwehr im Einsatz nur noch „Es brennt!“ schreit, statt zu löschen“, schrieb die Gruppe auf dem deutschen Twitter-Account.

Thunberg segelt über den Atlantik
Die Klimaproteste gehen auf einen Protest der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zurück, die sich viele Menschen in aller Welt im Kampf gegen die Klimakrise zum Vorbild genommen haben.

Thunberg selbst wird den Protesttag an einem ungewohnten Ort verbringen: Die 16-Jährige segelt gerade auf einem Katamaran über den Atlantik zurück, um an der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz sowie an einem grossen Protest in Madrid am kommenden Freitag teilnehmen zu können. Ob sie es zeitlich schafft, ist unklar. Bis zum Donnerstag hatte sie etwas mehr als zwei Drittel der Strecke geschafft.

Thunberg warb am Donnerstag via Twitter für den Protesttag: „Im September sind 7,5 Millionen Menschen rund um den Globus auf die Strasse gegangen. Morgen machen wir das nochmal.“ Jeder werde gebraucht, jeder sei willkommen.

Erde hat sich bereits um 1 Grad aufgeheizt
Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Zu den fatalen Folge zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch verheerende Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Zwei aktuelle Untersuchungen weisen auf die Dringlichkeit eines entschiedeneren Vorgehens gegen die drohende Klimakatastrophe hin. So warnte das Uno-Umweltprogramm Unep am Dienstag, alle Länder müssten ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollten.

Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie derzeit, drohe die Temperatur bis 2100 um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen.

Ein neuer Monitoringbericht der deutschen Regierung zeigte zudem, dass die Folgen der Erwärmung auch in Deutschland spürbarer werden und sich immer besser belegen lassen. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur dort von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. (awp/mc/pg)

Fridays for Future

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