Intergenerika: Drohendes Referenzpreis-Szenario würde Lieferengpässe bei Medikamenten massiv verschärfen

Intergenerika: Drohendes Referenzpreis-Szenario würde Lieferengpässe bei Medikamenten massiv verschärfen

Intergenerika: Drohendes Referenzpreis-Szenario würde Lieferengpässe bei Medikamenten massiv verschärfen
Dr. Axel Müller, Geschäftsführer Intergenerika

Das Referenzpreissystem für Medikamente hat sich mittlerweile zum Dauerbrenner in der gesundheitspolitischen Debatte entwickelt. In diesem Jahr wird das neu formierte Parlament über ein Kostendämpfungspaket des Bundesrats entscheiden, welches auch das höchst umstrittene Referenzpreissystem für Medikamente enthält. Dieses System bekämpfen wir bei Intergenerika zusammen mit den Partnern in der Allianz „Nein zu Referenzpreisen bei Medikamenten“ seit Jahren aufs Schärfste – dies insbesondere angesichts der sich zuspitzenden Lieferengpässe, welche sogar in der reichen Schweiz längst zur traurigen Realität geworden sind, sich zudem dynamisch ausweiten und den Fachpersonen in den Praxen, Apotheken und Spitalapotheken tagtäglich Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Von Dr. Axel Müller, Geschäftsführer Intergenerika

„Notfall bei Arzneimitteln“
Ein Referenzpreissystem halten wir für eine völlig verfehlte Massnahme, deren negativen Folgen vor allem die sozial Schwächeren träfen. Die Argumentation des Bundesrats, damit wir die neuen sehr teuren Medikamente finanzieren können – die ja auch wichtig sind – müssen wir bei den preiswerten Medikamenten die Schraube immer weiter nach unten drehen, ist falsch. Zudem irrt der Bundesrat, wenn er glaubt, dass sich mit einer Reduktion der Generikapreise um die Hälfte nichts verändern würde. Es würde sich sehr vieles verändern. Erfahrungen aus dem Ausland sind ein Warnsignal: Viele weitere Arzneimittel – schon heute fehlen uns über 600 Medikamente – würden verschwinden und einige Anbieter gleich mit. Angesichts dieser alarmierenden Entwicklung spricht „Der Tagesanzeiger“ denn auch von einem „Notfall bei Medikamenten“.

Spareffekt würde verpuffen, Medikamentenkosten steigen
Bei einer weiteren Verschärfung der Situation ist mit fatalen Konsequenzen zu rechnen: Die Menschen sterben zwar dann nicht an Bluthochdruck oder anderen banalen Krankheiten, die man heute eigentlich heute alle mit Generika therapieren kann, sondern sie müssen auf teure Originalpräparate umgestellt werden, was die Medikamentenkosten wieder in die Höhe treibt. Deshalb warnen wir wiederholt davor, am falschen Ort zu sparen. Dass der Bundesrat in seinem Sparprogramm mit einem Referenzpreissystem für Generika am völlig falschen Hebel ansetzt, verdeutlichen die folgenden Zahlen. Schon
heute sind 10 Prozent der Medikamente neue, teure Medikamente, die 50 Prozent der Kosten verursachen. Die restlichen 90 sind patentabgelaufene, preiswerte Medikament, die ebenfalls 50 Prozent der Kosten ausmachen. Zudem gilt festzuhalten, dass der Generika-Umsatz hierzulande von gut einer Milliarde Franken zu Publikumspreisen gerade mal 1,3 Prozent der gesamten Gesundheitskosten ausmachen.

Patienten als Leidtragende
Ärzte und Apotheker warnen vor den fatalen Folgen eines Referenzpreissystems für Patienten. Neben der sich verschärfenden Versorgungssituation sehen sie die Patientensicherheit gefährdet, wenn es aufgrund von preisinduzierten Medikamentenwechseln zu Fehleinnahme von Medikamenten kommt, was teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge hätte. Schon heute erkennt Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, eine massive Belastung für die Patienten, wie sie es anlässlich eines von kmuRUNDSCHAU veranstalteten Experten-Roundtables bemerkte: „Die gefährdete Versorgungssicherheit und häufige Medikamentenwechsel belasten Patienten. Das macht sich im Alltag bemerkbar, wenn man nicht mehr zwischen unterschiedlichen Darreichungsformen und Umfang wählen kann, sondern seine Tabletten selber halbieren bzw. vierteln muss. Da stösst man bei Patienten, die dazu nicht in der Lage sind, an Grenzen. Daher ist auch die Verunsicherung bei dieser Zielgruppe gross.“ Die Konsumentenvertreterin legt den Politikern folgenden Rat ans Herzen: „Am besten versetzen sich die Schweizer Parlamentarier in die Situation der Patientinnen und Patienten hinein. Wir als Konsumentenschützer setzen genau auf diese Strategie. Wir weisen die Parlamentarier sehr konkret auf Konsequenzen der Referenzpreisstrategie hin und sagen zu diesem bislang eingeschlagenen Weg ein klares Nein.“

Gegenvorschlag: System beibehalten, Anreizsysteme ändern
Noch lässt sich die Einführung eines Referenzpreissystems, was – wie dargelegt – fatale Konsequenzen nach sich zöge, abwenden. Intergenerika wie auch die Allianz der Referenzpreisgegner reichen der Politik die Hand und unterstützen die Sparanstrengungen. Mit Jahr für Jahr sinkenden Preisen leisten Generika und Biosimilars einen wachsenden Sparbeitrag. Als Alternativvorschlag zu einem Referenzpreissystem empfehlen wir, die Durchdringung von Generika zu fördern. Während in Deutschland oder den Niederlanden die Zahlen der abgegebenen Generikamedikamente bei über 80 Prozent liegen, fristet die Schweiz mit einem Marktanteil bei knapp 30 Prozent ein Stiefmütterchendasein. Statt „bei den Generika sparen“ muss die Devise vielmehr lauten „mit Generika sparen“. Es ist deshalb viel sinnvoller, bevor man über Referenzpreise spricht, über Fehlanreize zu sprechen. Solange Arzt und Apotheker mit der Abgabe eines Originalpräparates mehr verdienen als mit einem Generikum, wird sich bei der Generikadurchdringung in der Schweiz auch in Zukunft nicht viel tun. In 2020 ist die Politik gefordert, im Sinne des Wohles des Volkes zu handeln.

Wenn die Gesundheitskommission des Parlaments über den Vorschlag des Bundesrats entscheidet, sollten die massiven Bedenken führender Gesundheitsexperten des Landes als klare Warnung zu verstehen sein. (Intergenerika/mc/ps)

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