Intergenerika: Versorgungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten

Intergenerika: Versorgungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten
Die Generika-Industrie erfüllt eine zentrale Rolle in der medizinischen Versorgung der Schweiz – und Versorgungssicherheit und Einsparungen sind ohne exzessive staatliche Regulierungen möglich.

Liestal – Die Corona-Pandemie hat uns deutlich aufgezeigt, wie zentral eine garantierte Versorgungssicherheit für das Schweizer Gesundheitssystem ist. Dies gilt insbesondere für Arzneimittel, Wirkstoffe und Therapien, die seit langem bekannt sind, die seit Jahren eingesetzt werden und sich bewährt haben. Den Medikamenten und Wirkstoffen, deren Patentschutz abgelaufen ist, kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu, weil die Generika nicht nur von einer Firma allein hergestellt werden, sondern von mehreren Anbietern gleichzeitig, breit und vor allem günstig produziert werden. Bereits heute wird durch Generika ein Grossteil des Arzneimittelbedarfs der Schweiz abgedeckt, der bei den gesamten Medikamentenkosten aber nur einen Bruchteil ausmacht. Referenzpreise würden die Stellung der Schweizer Generika-Industrie jedoch massiv schwächen und so die Versorgungssicherheit torpedieren.

Erfolgreicher Stresstest in Corona-Pandemie
Umso wichtiger ist es für die Bevölkerung, eine funktionierende Generika-Industrie mit gesicherter Produktions- und Lieferkette im Land zu haben. Im Zuge der aktuellen Corona-Pandemie nimmt die breite Öffentlichkeit wahr, dass die Produktion patentabgelaufener pharmazeutischer Wirkstoffe (API) aufgrund des enormen Preisdrucks in einem globalisierten Markt mehr und mehr von Indien und China übernommen wird und nur noch wenige Anbieter diese Wirkstoffe in der Schweiz beziehungsweise in Europa herstellen. Die internationalen Verflechtungen und Abhängigkeiten sind offensichtlich und können in Krisenzeiten verheerende Auswirkungen haben.

Die Schweiz hat eine funktionierende und leistungsfähige Generika-Industrie. Insbesondere in den letzten beiden Märzwochen 2020 konnte dies belegt werden: Obschon die Nachfrage nach Medikamenten für die Covid 19-Therapie und aufgrund von Hamster-Käufen massiv angestiegen ist (März 2020 Generika-Markt +41.2 Prozent), haben die Generika-Hersteller ihre Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit bewiesen, indem sie den sprunghaften Nachfrageanstieg sichergestellt und damit einen erheblichen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet haben.

Aufrechterhaltung und Steigerung der Versorgungssicherheit
Die kleine, hoch regulierte Schweiz konnte ihre Versorgungssicherheit aufrechterhalten, weil sie im Vergleich zum Ausland über eine relativ grosse Lagerhaltung, stark ausgebaute Beschaffungsteams verfügt und auf den internationalen Märkten aufgrund wirtschaftlich vernünftiger Preise ein bevorzugter Kunde von Lieferanten ist. Nur deshalb kann der inländische Markt im Wettbewerb um weltweit eingeschränkt verfügbare Wirkstoffe seine erheblichen Nachteile – kleine Volumina, niedrige Generika-Penetration, zahlreiche spezifische regulatorische Anforderungen und ergo keine Skaleneffekte – wieder wettmachen.
Einen hohen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten die Generika-Hersteller nicht nur dank einer im europäischen Vergleich enormen Lieferqualität, sondern auch durch hohe Flexibilität und den grosszügigen Einsatz eigener Ressourcen. So kann sichergestellt werden, dass auch seltene, aber lebenswichtige Medikamente verfügbar sind. Diese Leistungsgarantie ist mittel- und langfristig nicht einfach gegeben: Die Schweiz und Europa sind keine autarken Wirkstoffproduktionsstandorte mehr; es ist auch unrealistisch, dass sie es je wieder vollumfänglich sein werden.

Reduktion internationaler Abhängigkeiten
Um die Versorgungssicherheit mit Medikamenten auch in Zukunft und unter angespannten Bedingungen aufrechterhalten zu können, kann auch eine Reduktion der internationalen Abhängigkeiten durch eine Stärkung der Produktion bestimmter essentieller Wirkstoffe in Europa eine mittelfristige Massnahme sein. Die Generika-Industrie unterstützt deshalb staatliche und europäische Bemühungen in diese Richtung – wohlwissend, dass die Repatriierung der Arzneimittelwirkstoffproduktion nicht im nationalen Alleingang, sondern nur im Schulterschluss mit europäischen Nachbarländern und nur mit staatlicher Unterstützung zu bewerkstelligen ist.

Wirkungsvoller Massnahmen-Mix
Weiter setzt sich die Generika-Industrie für Massnahmen ein, welche die in Zukunft für die Versorgungssicherheit entscheidenden Faktoren kräftigen, wie beispielsweise erhöhte Volumina bei Generika und Biosimilars und eine erhöhte Lagerhaltung ein. Ein verstärkter Einsatz von Generika und Biosimilars würde Einsparungen in dreistelligem Millionenbetrag bringen. Eine zu diskutierende Erhöhung der Lager-Reichweite bei Generika, die heute im Durchschnitt bei rund vier Monaten liegt, kann die Versorgungssicherheit effizient und effektiv verbessern, wäre aber auch mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden.

Negative Folgen einer Tiefpreispolitik und eines Referenzpreissystems
Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt: Damit die Schweizer Generikaunternehmen schnell und flexibel ausreichende Mengen kritischer Medikamente bereitstellen können, müssen sie höhere Preise für Wirkstoffe auf einem globalisierten Beschaffungsmarkt bezahlen, um das Defizit niedriger und damit produktionstechnisch unattraktiver Volumina ausgleichen zu können. In europäischen Nachbarländern wie Deutschland oder den Niederlanden haben Referenzpreise oder Rabattverträge teilweise zu einem regelrechten Marktversagen geführt. Welche fatalen Konsequenzen eine Tiefpreispolitik auch in der Schweiz bereits haben, zeigen Recherchen des unabhängigen Medikamentenlexikons der Schweiz „PharmaWiki“ zum Malaria-Medikament Hydroxychloroquin, das nach dem Ausbruch der Covid 19-Erkrankungen an Patienten getestet und auf Intensivstationen verstärkt nachgefragt worden war. Mepha Pharma AG verzichtete in der Schweiz nach schon erteilter Zulassung für ein Hydroxychloroquin-Generikum vorerst auf die Markteinführung. Der vom BAG verfügte Preis war so tief, dass eine Vermarktung für das Unternehmen nicht mehr möglich war. Stattdessen hatten die Generikafirmen Mepha und Sandoz im Gegenzug das Präparat aus dem Ausland besorgt und den Hospitälern unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Fazit
Die Generika-Industrie erfüllt eine zentrale Rolle in der medizinischen Versorgung der Schweiz – und Versorgungssicherheit und Einsparungen sind ohne exzessive staatliche Regulierungen möglich. Sollten die Preise aufgrund des anhaltenden Preisdrucks oder aufgrund eines Referenzpreissystems hierzulande jedoch weiter erodieren, würde das auch die Position der Schweiz und damit die Medikamentenversorgung und Medikamentenvielfalt im Inland empfindlich und nachhaltig verschlechtern. Aus diesem Grund beziehen wir gemeinsam mit den Partnern in der Allianz „Nein zu Referenzpreisen bei Medikamenten“ unvermindert klar Stellung gegen ein Referenzpreissystem. (Intergenerika/mc/ps)

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