Jeder möchte ein Stück vom Krypto-Kuchen

Sascha Bém,
Sascha Bém, Chefredakteur des Online-Portals www.krypto-monitor.com. (Foto: zvg)

Handyhersteller, die ihre neuen Geräte mit Krypto-Wallets ausstatten, Online-Versandhäuser, die Kryptowährungen akzeptieren und Bankomaten, die Digital Assets ausspucken – immer mehr drängt die neue Form des Geldes in unser Leben. Aber inwieweit sind Bitcoin und Co. tatsächlich schon in unserem Alltag angekommen und wie schmal ist der Grad zwischen dem Krypto-Boom und einer möglichen staatlichen Regulierung?

Vorab: die Basics
Eine Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, den sogenannten Blöcken, die mittels kryptografischer Verfahren miteinander verkettet sind. Die „Blockkette“ ist eine Alternative zu anderen Buchführungssystemen – und hat zwei entscheidende Charakteristika: Sie funktioniert dezentral und bedarf keiner kontrollierenden Autorität. Und: Da jeder neue Block auf den bisherigen Datensätzen aufbaut, können diese im Nachhinein nicht verändert werden. Die Blockchain ist daher fälschungssicher.

Kein Wunder, dass Riesen wie VW sich der Technologie bei Themen wie Wartung sowie Logistik bedienen und sogar Whiskyhersteller wie William Grant & Sons ihre Spirituosen mittels Blockchain tracken lassen, um Fälschungen auszuschliessen.

Kryptowährungen basieren auf der Blockchain und haben entsprechende Vorteile. Seit längerem werden Stimmen laut, die die Abschaffung von Fiatgeld prophezeien und den digitalen Coins die Eroberung des Massenmarktes vorhersagen: Der US-amerikanische Risikoinvestor Tim Draper verkündete jüngst, dass er die Zukunft von Bitcoin in unseren Geldbörsen bald sehe. Es ist niemand in der Lage, so Draper, BTC zu hacken oder zu manipulieren – somit sind Bitcoin und Konsorten wesentlich sicherer und stellen eine überlegenere Form von Geld dar.

Aktuell: das kryptische Feuerwerk
Nach der Ebbe kommt die Flut: Nach schweren Zeiten für Investoren feiern dieser Tage Digital Assets mit spektakulären Kursentwicklungen ein Comeback an den Exchanges (hier ein Vergleich aktueller Kryptobörsen). Ganz besonders jene, die mittlerweile wirklich jeder kennt – der Bitcoin. Ein Plus von über 10 Prozent innerhalb weniger Tage Anfang April hat BTC auf der Kryptobörse Kraken zugelegt und pendelt sich derweil bei der 5000 Dollar Marke ein – letztmalig hat die Coin das im November 2018 geschafft. Auch andere Altcoins wie Litecoin ziehen mit und zeigen, wie viel Flut in ihnen steckt.

Der aufstrebenden Trend und die wachsende Verbreitung rufen Regierungen auf den Plan, und sie fühlen sich immer mehr bemüssigt, regulierend entgegenzuwirken. Durch ihre Anonymität seien Kryptowährungen vor allem für kriminelle Vorhaben geeignet. Ausserdem würden der Geldwäsche Tür und Tor geöffnet werden und man könne Geld an der Steuer vorbeischmuggeln.

Frankreich und Deutschland auf der Bremse
Als erstes Land hat Frankreich begonnen, sich mit der Regulierung von Kryptowährungen auseinanderzusetzen: Au Revoir dezentral? Die Nationalversammlung gab bekannt, alle privaten Kryptowährungen – bei denen hochverschlüsselte und anonyme Zahlungstransaktionen möglich sind – verbieten zu lassen. Und während in Österreich ein Bitcoin ATM nach dem anderen aus dem Boden spriesst, stellen die Deutschen sich quer. Ein Regulierungs-Papier des Bundesministeriums für Finanzen fordert einen rechtlichen Rahmen für die „Kryptoökonomie“, bis dahin gelten Kryptowährungen als Rechnungseinheit und unterliegen somit den strengen gesetzlichen Bestimmungen der Finanzwirtschaft.

Staatliche Regelungen werden unter dem Deckmantel des Anlegerschutzes, Kriminalitätsbekämpfung und dem Einschreiten gegen Geldwäsche kommuniziert, aber steht wirklich das Allgemeinwohl im Mittelpunkt? Oder geht es vielleicht doch darum, dieses Milliardengeschäft nicht an sich vorbeiziehen zu lassen – und vielleicht doch eines Tages auch ein Stück vom Krypto-Kuchen mitnaschen zu können?

Der Autor:
Sascha Bém, Chefredakteur des Online-Portals www.krypto-monitor.com

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