Legg Mason: Inflation schafft Möglichkeiten bei der Duration

Edi Aumiller
Von Edi Aumiller, Country Head Switzerland, Legg Mason. (Foto: zvg)

Die Inflationserwartungen erregen derzeit weniger Aufmerksamkeit als die globale Handelskonflikte. Auf lange Sicht haben sie aber wohl direktere Auswirkungen auf die Bewertung von festverzinslichen Anlagen. Die Fed und die Europäische Zentralbank sind trotz Handelsdiskussionen und politischer Uneinigkeiten zu eigenen Schlüssen über den Verlauf der Inflation in den nächsten Monaten gekommen. Aber dieser wichtige Indikator ist bekanntlich schwer zu messen – und könnte sehr wohl niedriger sein als manche vermuten. Was wiederum einen Vorteil für Investitionen mit längerer Duration bedeuten könnte.

US-Inflation gemessen an vier Einheiten von 18.06.2015 bis 18.06.2018


Quelle: Bloomberg; 18. Juni 2018. Die vergangene Wertentwicklung stellt keine Garantie für zukünftige Ergebnisse dar. Indizes sind nicht aktiv gesteuert und stehen nicht für Direktinvestitionen zur Verfügung. Index-Renditen enthalten keine Gebühren oder Ausgabeaufschläge. Diese Informationen dienen nur zur Veranschaulichung und spiegeln nicht die Performance einer tatsächlichen Anlage wider.

Die vom Amt für Arbeitsmarktstatistik annualisierte und saisonbereinigte Kerninflationsrate des US-Verbraucherpreisindex (Consumer Price Index, CPI) lag im März 2018 über der bekannten 2%-Rate der Fed: Sie erreichte im Mai einen annualisierten Wert von 2,2%. Dies gibt dem Offenmarktausschuss der Fed einen statistisch-basierten Rückhalt für seine erklärte Neigung, die Zinsen im weiteren Verlauf des Jahres 2018 zweimal zu erhöhen. Dies ungeachtet des Verzerrungspotenzials infolge von Korrekturen für saisonale Faktoren und des «Roll-off»-Effekts der Monatszahlen aus den Vorjahren.

Aber der CPI ist nicht das einzige verfügbare Inflationsmass: Zwei der von der Fed favorisierten Indikatoren stimmen nicht genau überein; der Personal Consumption Expenditures (PCE) Deflator und die interne 5-Jahres Breakeven-Inflationsrate der Fed zeigen 1,80% bzw. 2,14%. Dabei kann die Breakeven-Rate als ein Indikator für die Inflationserwartungen in fünf Jahren – nicht für die heutige Wirtschaft – gelesen werden. Der PCE-Deflator, der von Janet Yellen, der früheren Vorsitzenden des Fed Offenmarktausschusses, stark gewichtet wurde, liegt immer noch unter der 2%-Richtlinie des Offenmarktausschusses.

Für Anleiheninvestoren könnte eine niedrigere Inflationsrate bedeuten, dass das aktuelle Renditeniveau, insbesondere am längeren Ende der Kurve, bessere Werte repräsentiert als viele annehmen. Dies könnte wiederum darauf hindeuten, dass die Erhöhung der Netto-Duration eine Möglichkeit bietet, die Meinungsverschiedenheiten zum Vorteil der Anleger zu nutzen.

Im Aufschwung: Handelsbasierte Unsicherheit
Die aktuellen Handelskonflikte, die sich in dieser Woche auf die USA und China konzentrieren, sind an den Aktien- und Rohstoffmärkten stärker zu spüren als an den Obligationenmärkten. Bei Aktien ist die Unsicherheit unternehmensspezifisch, da der US-Dollar-Wert der Bedrohungen auf ein Vielfaches des gesamten Handelsvolumens zwischen den beiden Ländern gestiegen ist. Bei Agrarrohstoffen, bei denen Futures-Kontrakte als Sicherungsinstrumente von Landwirten für die Planung der Ernte in der nächsten Saison eingesetzt werden, waren die Auswirkungen zumindest kurzfristig gravierend: Die November-Sojafutures wurden mit 911,5 $ pro Kontrakt gehandelt – 13,5% weniger als am 12. April.

Die sich schnell beschleunigende Debatte könnte ein weiterer Faktor dafür gewesen sein, dass die Rendite für 10-jährige US-Treasuries stabil unterhalb der aufmerksam beobachteten Grenze von 3% blieb. Dies sogar nach einem innertäglichen Abzug – offenbar angetrieben durch den Nachrichten-Zyklus – handelten die 10-Jährigen bei 2,889%. Das ist deutlich unterhalb ihrer Spitze von 3,007% am 13. Juni.

Im Abseits: Die politische Macht von Theresa May
Die Brexit-Verhandlungen sind in die britische Politik zurückgekehrt. Dies nachdem die Frage der Zustimmung des Parlaments zu den noch nicht festgelegten Bedingungen einer Vereinbarung die Lebensfähigkeit der Regierung von Premierministerin May wieder bedroht. So könnte eine Abstimmung im britischen Unterhaus einerseits zu ihrer Absetzung führen. Auf de anderen Seite könnte das Resultat die Tories auch durch eine «Remain»-freundliche Labour-Mehrheit ersetzen. Dies ist eine der wenigen Möglichkeiten, wie die Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich noch komplexer werden könnten, als sie es bereits sind. (Legg Mason/mc)

Legg Mason

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