Liontrust: Globaler Aktienausblick von Mark Hawtin
In der neuesten Ausgabe des vierteljährlichen Newsletters „The Future Strategist“ geben Mark Hawtin und das Liontrust Global Equities-Team einen Ausblick auf die Marktentwicklung im kommenden Quartal und äussern sich zu einer Reihe aktueller Themen.
Weitere Artikel im Newsletter – der in Englisch als PDF in voller Länge zum Download bereit steht – sind unter anderem:
- Q1 2026 – Barrels over bytes
- KI: Umsatzzahlen, Preisdynamik und Ausblick
- Hat der Krieg im Iran die Aussichten für Schwellenländer verändert?
- KI-Washing: Substanz von Storytelling trennen
- Warum KI eher Arbeitsplätze schafft als vernichtet
- Digitalisierung und KI in der Radiologie
Mark Hawtin, Head of the Liontrust Global Equities team
Das erste Quartal 2026 hat zwei wesentliche Faktoren hervorgebracht, die den Ausblick und unsere Sichtweise auf die künftige Anlagepositionierung deutlich beeinflussen:
Der erste Faktor ist die Auswirkung des Iran-Kriegs, der die Energiepreise und damit die potenziellen Inflationszahlen in die Höhe getrieben hat. Dies wiederum hat die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen im zu Jahresbeginn prognostizierten Umfang verringert. Dies wirkt sich dämpfend auf das Wachstum und insbesondere auf die Bewertungsniveaus von Wachstumsaktien aus.
Der zweite Faktor ist der dynamische Wandel in der Wahrnehmung von Gewinnern und Verlierern im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie die Auswirkungen auf den Softwaresektor, die im ersten Quartal zu beobachten waren. Betrachtet man die thematischen Portfolios von Goldman Sachs, so fiel der Bereich „Expensive Software“ im ersten Quartal um 22 %, während die „Capex Beneficiaries“ um 16 % zulegten. Das Mega-Cap-Portfolio gab um 10 % nach, was verdeutlicht, dass die Rotation im Vergleich zu früheren Perioden besonders stark ausgefallen ist. Kurz gesagt: Es war schwierig, bei Aktien Erfolge zu erzielen, ohne Titel aus den Bereichen Hardware und KI-bezogene Investitionen zu halten.
Dieser Trend dürfte sich im zweiten Quartal fortsetzen, und die Einnahmen aus all diesen Investitionsausgaben beginnen, bedeutende Umsätze zu generieren. Wir sehen dies als Chance, den Horizont der Titel, die direkt von den Ausgaben profitieren werden, zu erweitern und insbesondere die wichtigsten Hyperscaler wie Amazon und Google einzubeziehen.
Darüber hinaus bleiben wir positiv gegenüber Titeln aus Bereichen mit Lieferengpässen wie Speicher und Festplatten, während wir die am stärksten überbewerteten Teile, wie etwa optische Netzwerke, meiden. Wenn es einen Bereich gibt, der gewisse Ähnlichkeiten mit dem Jahr 2000 aufweist, dann ist es wahrscheinlich dieser. Cienna war bereits während des Dotcom-Booms und -Crashs am Markt. Die Aktie notierte 1998 bei 37 USD, erreichte im Jahr 2000 einen Höchststand von über 1’000 USD und wurde im Oktober desselben Jahres bei rund 20 USD gehandelt! In den folgenden 25 Jahren bewegte sich der Kurs kaum, doch nun hat ein neuer Aufschwung eingesetzt. Von einem Aktienkurs von rund 50 USD im Jahr 2025 ist der Kurs um das Zehnfache gestiegen und notiert nun bei fast 500 $. Wie stehen die Chancen auf ein weiteres Jahr wie 2000 in diesem Teilsegment des Marktes?
Software bleibt ein schwieriger Bereich für Investitionen, da unser firmeneigenes technisches System die meisten Titel als „verkaufen“ oder „meiden“ einstuft. Die Debatte über den disruptiven Charakter der KI für die traditionelle Softwareindustrie wird noch lange toben. Es ist wahrscheinlich, dass das endgültige Ergebnis irgendwo zwischen denjenigen liegen wird, die sagen, dies sei „Software 2.0“ und nichts aus der SaaS-Ära (Software as a Service) werde überleben, und jenen, die der Meinung sind, dass die heute bestehenden Wettbewerbsvorteile ausreichen, um grosse Softwareunternehmen zu schützen. Die richtige Anlagestrategie in diesem Sektor sowie bei verwandten Titeln, die aggressiv verkauft wurden, wird im Laufe des Jahres entscheidend sein.
Ausserhalb des Technologiesektors setzen wir weiterhin auf Diversifizierung. Der strukturelle Trend für den US-Dollar dürfte nach unten zeigen, was den Schwellenländern zugutekommt.
Dies begünstigt auch Anleger, die nicht in US-Dollar investieren und von den zu erwartenden Währungsvorteilen ausserhalb der USA profitieren können.
Wir glauben nicht, dass der Goldhandel bereits vorbei ist. Weltweit herrscht nach wie vor grosse Unsicherheit, und diese Anlageklasse bietet eine gute Diversifizierung. Insbesondere Gold-minenunternehmen werden weiterhin mit erheblichen Abschlägen gegenüber dem Goldpreis selbst gehandelt, und wir schätzen diese Titel nach wie vor als Mittel zur Portfoliodiversifizierung.
Die weltweiten Konjunkturdaten sind vorerst robust geblieben, was den Aktienmarkt stützt. Der globale Wave-Indikator der Bank of America hat ins Positive gedreht, was die Stärkung der Konjunktur widerspiegelt, und traditionell ist dies ein guter Frühindikator für die Aktienperformance.
Nach früheren Tiefpunktsignalen in der Kursentwicklung lag die mittlere Performance des MSCI World Index in den folgenden 12 Monaten bei +16,5 %, wobei aus geografischer Sicht die Schwellenländer und Europa die Nase vorn hatten, was wiederum unserer Auffassung von Diversifizierung entspricht. Zudem stehen offensichtlich erhebliche Liquiditätsreserven bereit, um bei Kursrückgängen zu kaufen. Wir bleiben insgesamt optimistisch, betrachten jedoch Diversifizierung als unverzichtbaren Preis für ein effektives Risikomanagement. (Liontrust/mc/ps)