Redwheel: Emerging- und Frontier-Markets – Rückkehr des Superzyklus

Redwheel: Emerging- und Frontier-Markets – Rückkehr des Superzyklus
John Malloy, Co-Head of Emerging & Frontier Markets, Redwheel. (Bild: Redwheel/mc)

Von John Malloy, Co-Head Emerging & Frontier Markets Team, Redwheel

2025 schnitten Schwellenländer erstmals seit 2017 wieder besser ab als die USA. Diese könnte eine neue Phase der Überperformance markieren.

Diese Outperformance könnte ähnlich der fast zehnjährigen Serie zu Beginn des neuen Jahrtausends werden, als die Schwellenmärkte jedes Jahr ausser 2008 eine Outperformance erzielten. In den 2000er Jahren wurde die Entwicklung der Schwellenmärkte durch höhere Rohstoffpreise und einen schwächeren US-Dollar beflügelt. Heute herrschen ähnliche Bedingungen, verstärkt durch sinkende Zinsen, attraktive Bewertungen, Reformdynamik und sich verändernde Kapitalflüsse.

Währungen und Bewertungen als Rückenwind
Ende der 2000er-Jahre wurden Aktien weltweit zu ähnlichen Kurs-Buchwert-Verhältnissen gehandelt. Ab 2010 jedoch begannen die Bewertungen in den USA zu steigen und liegen heute über dem Fünffachen des Buchwertes – ein Niveau, das seit dem Höhepunkt des technologiegetriebenen Bullenmarktes in den späten 1990ern nicht mehr erreicht wurde.

Während US-Aktien auf Gewinnwachstum und die Aufrechterhaltung hoher Bewertungsniveaus angewiesen sind, liegt das Renditepotenzial internationaler Aktien vor allem in einer Neubewertung zur Schliessung der Bewertungslücke gegenüber den USA – sowie in einer Aufwertung der lokalen Währungen gegenüber dem US-Dollar.

Da die Bewertungen gestiegen sind, müssen nun die Unternehmensgewinne wachsen, um die höheren Multiplikatoren zu rechtfertigen. Die Gewinne ausserhalb der USA, wenngleich volatiler, verbessern sich und entsprechen bis 2026 dem Wachstumstempo des US-Marktes.

Treiber für internationale Märkte im Jahr 2026
Es ist davon auszugehen, dass die Zinsen der wichtigste ökonomische Faktor für die Aktienmarktentwicklung 2026 sein werden – mit der US-Notenbank als Taktgeberin. Der Lockerungszyklus, der Ende 2024 begann, setzte sich Ende 2025 fort und dürfte 2026 andauern. Fed-Fund-Futures deuten darauf hin, dass die US-Notenbank ihren Leitzins bis Jahresende zweimal senken und damit auf ein Niveau von 3,00–3,25 Prozent anpassen wird.

Eine lockerere US-Geldpolitik wird es den Zentralbanken der Schwellenländer ebenfalls ermöglichen, die Zinssätze zu senken, die angesichts des schnellen Rückgangs der Inflation derzeit sehr hoch sind. Eine weniger restriktive Geldpolitik fördert nicht nur das Wachstum, sondern stützt auch die fortgesetzte Aufwärtsbewertung der Aktienmärkte.

Die Treiber der Dollar-Schwäche von 2025 dürften auch 2026 Bestand haben. Hauptursachen sind die stark gestiegenen US-Haushaltsdefizite und die hohe Staatsverschuldung ohne glaubwürdigen Konsolidierungsplan, was Moody’s 2025 zu einer Abstufung der US-Bonität veranlasste – nach Fitch 2023 und S&P 2011. Hinzu kommen Marktbedenken wegen unvorhersehbarer US-Wirtschafts- und Handelspolitik sowie Eingriffen in unabhängige Institutionen wie die Federal Reserve, die als Hüter der US-Finanzstabilität gilt. Internationale Währungen haben bereits aufgewertet, doch der US-Dollar erscheint real betrachtet weiterhin teuer.

Edel- und Industriemetalle sind ebenfalls Teil des Trends zur US-Dollar-Entwertung. Höhere Metallpreise kommen Ländern, wie etwa Südafrika, und Sektoren, wie den Rohstoffen, zugute. Neben Gold konnten vor allem Platin und Silber überdurchschnittlich stark zulegen. Auch Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium profitieren von wachsender Nachfrage durch erneuerbare Energien, Rechenzentren und eine stärkere Rüstungsnachfrage, da NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen.

Obwohl Gold und Edelmetalle 2025 stark gestiegen sind, ist ihre Preisentwicklung im historischen Vergleich aber nicht aussergewöhnlich. Zwischen 1971 und 1980 stieg der Goldpreis um das 20-Fache, von 41 auf 850 US-Dollar je Unze – eine jährliche Rendite von über 40 Prozent. Zwischen 1999 und 2011 stieg er von 253 auf 1900 US-Dollar, also fast um das Achtfache. Die seit Anfang 2024 annualisierte Steigerung von 45 Prozent liegt somit im historischen Rahmen und könnte sich – wenn auch moderater – noch fortsetzen.

Reformen schaffen Einzelchancen
Internationale Märkte sind keine homogene Anlageklasse – zahlreiche Chancen entstehen ganz unabhängig von globalen Trends, insbesondere durch Reformen und Restrukturierungen. Ziel solcher Programme ist es, die Kapitalkosten zu senken, Renditen zu erhöhen, Investitionen anzuziehen, das Wachstum zu fördern und die Aktienbewertungen zu verbessern.

Wenn solche Reform- und Restrukturierungsprogramme erfolgreich sind, führen sie oft zu überdurchschnittlichen Renditen. Dieses Muster zeigt sich auch in Frontier-Märkten: Länder wie Kenia, Nigeria, Pakistan und Sri Lanka setzten nach Krisen auf orthodoxe Wirtschaftspolitik und der MSCI Frontier Markets Index erreichte in der zweiten Jahreshälfte 2025 neue Höchststände.

Investoren erhöhen Engagement in Schwellenländern auf Kosten der USA
Wir schätzen, dass Investoren im Jahr 2025 etwa 45 Milliarden US-Dollar in passive ETFs investierten, ihre Allokationen in Schwellenmärkte jedoch nur sehr leicht erhöht haben.

Der Trend, Mittel von US-Aktien in internationale Märkte umzuschichten, dürfte sich fortsetzen – nicht nur aufgrund hoher Bewertungen, sondern auch wegen der übermässigen Gewichtung der USA in globalen Aktienindizes.

Die Korrektur dieses Ungleichgewichts zugunsten von Schwellen- und internationalen Märkten ist ein langfristiger, struktureller Prozess, der schrittweise erfolgen dürfte.

Das nächste Kapitel
Die Bedingungen, die den letzten Superzyklus der Schwellenländer angetrieben haben – günstigere Währungen, festere Rohstoffpreise und ein relatives Wachstumsplus – treten nun wieder auf. Wir erwarten, dass langfristig orientierte Investoren zunehmend über die USA hinausblicken – hin zu Märkten, die Diversifikation, niedrigere Bewertungen und eine stärkere Industriebasis mit strukturellem Wachstumspotenzial bieten. Aus unserer Sicht könnte 2026 das nächste Kapitel in einem längeren Zyklus internationaler Aktienmarktführerschaft sein. (Redwheel/mc/ps)

Redwheel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert