Richard David Precht über Tierhaltung: «Das Verbrechen ist grösser denn je»

Richard David Precht

Richard David Precht, Philosoph und Publizist.

München – „Billiglohnfleisch“ aus Deutschlands Schlachthöfen, Sklaverei, Dumpinglöhne und unwürdige Unterkünfte. Nicht nur die Schlagzeilen in dieser Woche zeigen: Was auf unseren Teller kommt, ist politischer denn je zuvor. Die aktuelle forum Nachhaltig Wirtschaften rückt in der Juliausgabe unsere Ernährung und die Food-Industrie in den Fokus. Ökologisch, fett, transgen, zuckersüss, tödlich: Wie verführbar is(s)t die Welt?

„Wir haben das Töten von Tieren, was früher Alltagskultur in Bauernfamilien war, hinter die Kulissen verschoben“, sagt der Philosoph Richard David Precht in der aktuellen forum Nachhaltig Wirtschaften. „Das Elend hat aber rein quantitativ ein Ausmass erreicht, das als Verbrechen grösser ist, als je zuvor“. Die biologische Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier sei den alten Griechen bewusst gewesen. Aber Christentum und Rationalismus hätten einen künstlichen Graben geschaffen, der die Verwandtschaft ausblende und diesen seither „sorgsam gehütet“. Precht fordert daher im Interview „einen ökologischen und tiergerechten Umbau in der Gesellschaft“. Das Verbot von Tierfabriken sei ein erster Schritt.

Nur Tiere essen, die man auch selbst töten würde
Der Philosoph, der selbst „gelegentlich Fleisch“ isst, hält die vegetarische Lebensweise für besser und schlägt vor, nur Tiere zu essen, die man auch selbst töten würde. Über einen Bewusstseinswandel sagt er: „Die Abschaffung der Sklaverei ist einen ähnlichen Weg gegangen. Irgendwann war es durch die Entwicklung der Gesellschaft ein Widerspruch, der nicht mehr zu ertragen war.“

Mit Mittelmässigkeit kann Adobe-Chefstratege Marc Randall nichts anfangen. Er ist nur mit Quantensprüngen zufrieden, weshalb an den Lippen der Innovationskoryphäe ganze Vorstandsetagen hängen. Sein Kreativitätsprogramm „Kickstart“ ist so erfolgreich, dass es nun auch in China und Indien aus Mitarbeitern Erfinder macht. „Schaff‘ das richtige Produkt und der Kunde wird das Geld dafür finden“, so der Serial Entrepreneur im forum-Interview. „Ich will Erstaunen auslösen. Die Leute sollen wie beim Zauberer gespannt darauf warten, wie das nächste Produkt aussieht“.

Ausserdem in forum und jetzt auch als E-Paper:

  • Interview mit Doug Tompkins: Warum der ESPRIT-Gründer seine Millionen in ökologischen Landbau steckt.
  • Im Schlachthaus: Auch Tiere von Öko-Höfen müssen sterben. Wie werden aus Schweinen Koteletts?
  • Süsser Tod: Zucker hat seinen Charakter geändert. Jetzt kämpft die Welt gegen seine Zerstörungskraft.
  • Nach dem Einsturz des Rana Plaza: Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus fordert Reformen für die Textilbranche.
  • Ein Blick auf die Lieferkette: Die kuriose Geburt von Jeans, Tablet-PCs und Zahnpasta.
  • „Schlimmster Führungsfehler? Nicht tun, was man sagt“: Der HP-Aufsichtsratsvorsitzende Menno Harms im Interview.

(forum Nachhaltig Wirtschaften/mc/ps)

Informationen
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