Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Die Umwertung aller Werte

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Die Umwertung aller Werte
Buchautor und Moneycab-Kolumnist Robert Jakob.

Von Robert Jakob

Man fühlt sich an Nietzsche erinnert.“Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“, sagt der Apokalyptiker unter den Philosophen in seiner „Genealogie der Moral“. Wirtschaftsethiker packt bei den letzten Auftritten des amerikanischen Präsidenten das blanke Entsetzen.

Der SOTUS lobt sein Krisenmanagement, das im Verdrängen und Verpennen wirkungsvoller Schutzmassnahmen bestand und gibt gleichzeitig wie immer anderen die Schuld. Erst einem Komplott der Demokraten und jetzt sogar der WHO. Die hatte zwar die Basisreproduktionsrate des Coronavirus‘ zu Beginn unterschätzt, und ihre Kommunikation war oft nicht über alle Zweifel erhaben. So wurde der von China zunächst verheimlichte Ausbruch der Pandemie immer wieder kleingeredet. Aber Schuld daran, dass die USA voll in die Pandemie stolperten, trägt allein der Präsident.

Mit Kriegsmetaphern will der jetzt Punkte sammeln, sich wie Caesar zum obersten Alleinherrscher aufschwingen und sich unverhohlen „allumfassende Macht“ gewähren. Seine Briefings zur Coronakrise verkommen zur Fake-News-Shows, wobei er diejenigen, die einfach nur die wissenschaftliche Wahrheit ohne weitergehende Interpretation klarstellen, als Lügner beschimpft.

Der US-Zahlungsstopp an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stiess selbst in den Vereinigten Staaten auf Kritik. „Der Schritt sendet die falsche Botschaft mitten in der Pandemie“, kritisierte Amesh Adalja, ein Infektions-Experte der amerikanischen Johns Hopkins Universität. Allerdings sind die Zahlungen der Länder an die WHO freiwillig, und die USA zahlen rund zehnmal so viel wie China. Das ist sicher nicht gerecht.

Willkommen auf der schwimmenden Petrischale
Schlimmer wiegt aber, dass Trump, anstatt mit allen anderen Ländern an einem Strang zu ziehen, unverhohlen seinem Ego frönt und versucht, durch Schuldzuweisungen seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dabei macht er den Eindruck, nur seinen Kampf gegen China und die Zitterkurve des Dow Jones im Blick zu haben. Derweil verkam der nicht rechtzeitig evakuierte Flugzeugträger Theodore Roosevelt zur schwimmenden Petrischale. Wenn das der 26. Präsident der USA gewusst hätte, nachdem das Schiff benannt wurde!

Für die Aufräumarbeiten nach der Krise ist das Schlimmste zu befürchten. Es wird ein Hauen und Stechen um knappe Ressourcen geben. Schon werden kriegswichtige Industrien wie die Luftfahrt und die Öl- und Gasindustrie von Trump mit der Giesskanne subventioniert. Bereits sind einseitig Strafzölle auf Erdölimporte in die USA geplant. Der vom 45. Präsidenten losgetretene Wirtschaftskrieg droht an allen Fronten.

America first ist nichts Neues
Das Verhalten der Vereinigten Staaten wird von vielen Wirtschaftsethikern kritisiert. Im noch vor dem Börsencrash erschienenen neusten Buch des Philosophieprofessors i.R. Bernhard Taureck etwa, werden die USA zu den demokratischen Republiken gezählt, die „man fälschlich Demokratie nennt“. Getrieben sei sie von einem allumfassenden Hegemoniestreben, und das nicht erst seit Trump. Die pure Machtpolitik an allen Völkerrechtsvereinbarungen vorbei eskaliert seit Jahrzehnten in Kriegen rund um die Welt, von Korea über Vietnam bis zum Irak und Syrien. Alle diese Kriege haben niemandem genutzt. Daran hat auch Barak Obama nichts geändert und der fleissige Bibelleser Jimmy Carter noch weniger, stammt doch gerade von ihm die Doktrin, dass die USA einen „militärisch erzwingbaren Anspruch auf Erdöl“ haben (S. 142). Taureck verneint das von den Amerikanern immer wieder reklamierte Recht zum Krieg. Er meint, dass es Augenwischerei im reinen Eigeninteresse, ja eine primitive Anmassung sei. Taureck zeigt an zahlreichen historischen Beispielen, wie dem Krieg der Karthager gegen Rom, dass Krieg nicht von den Kriegern entschieden wird, sondern vom Krieg selbst, und dieser führt fast immer ins Verderben. Die Aussicht auf ruhmreiche Beute in heroischen Schlachten und Ruhm wird in der Regel nie erfüllt. Das sollten sich alle Möchtegernkrieger hinter die Ohren schreiben. Krieg, ob Wirtschaftskrieg oder der in den Schützengräben, bleibt ein Negativsummenspiel.


Ein warnendes Buch, das zutiefst beunruhigt:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.