Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ihr könnt mich richtig ausnehmen!

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ihr könnt mich richtig ausnehmen!
Buchautor und Moneycab-Kolumnist Robert Jakob.

Von Robert Jakob

Trotz Sterneintrag im Telefonbuch bekomme ich massenhaft «cold calls». Oft ausgerechnet von Finanzhaien, die mir angebliche Highflyer aus Bio- sowie Medtech und Health Care andrehen wollen. Oder von russischen Kosmetikbuden mit dem Versprechen auf ewige Jugend.

Vergeblicher könnte die Verkaufsmasche nicht sein. Erstens kann ich sehr gut DCF-Berechnungen anstellen und falle nicht auf Drückerkolonnen rein. Zweitens habe ich das Alter erreicht, wo Kosmetikprodukte an mir abzuprallen scheinen.

Im Gegenzug habe ich mich bereits früh mit einem Organspenderausweis ausgestattet und pflege entsprechend nicht die äusseren, sondern die «inneren Werte». Dort bin ich solide unterwegs. Trotz regelmässigem Bier- und Weinkonsum sind meine Leberwerte im absolut grünen Bereich, die Niere filtert am laufenden Meter, und meine Pumpe arbeitet mit bestechend niedriger Frequenz. Nur mein Hirn würde ich niemandem empfehlen, denn das könnte vielleicht Ärger geben.

Henrietta Lacks, gest. 1951 an Gebärmutterhalskrebs: Ihre entarteten Zellen werden seit 70 Jahren, weil sie gut in Laborkultur wachsen, als sogenannte HeLa-Zellen zu Forschungszwecken genutzt. Dieser Frau sind dadurch posthum über 100’000 wissenschaftliche Veröffentlichungen zu verdanken.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Ausgang der Eidgenössischen Abstimmung zum Transplantationsgesetz (60,2% mit ja). Dass neu bald die Widerspruchslösung gilt (wer keine Organverwertung will, muss das vorher ausdrücklich ablehnen), erleichtert es, Leben zu retten. Denn viele Mitbürger haben aus Bequemlichkeit keinen Spenderausweis, und die Widerspruchslösung führt zu einem grösseren potentiellen Pool an Spenderorganen. Vernünftig ist es auch, sich bis 2024 Zeit zu lassen, um die Registerarbeiten und die Logistik auf Vordermann zu bringen. Denn die Spenden gingen in den letzten Jahren zurück, weil die Spendenbereitschaft zwar da war – aber das Vertrauen fehlte. Ich würde mich auch ärgern, wenn mein Herz irgendwo beim Transport zu warm gelagert würde und vor sich hingammelt. Das wäre unökonomisch und unökologisch.

Ethisch ist die Widerspruchslösung kein Problem. Wer nicht will, kann ja nein sagen, und wer über die neue Gesetzeslage nicht Bescheid weiss, kann sich nicht rausreden: denn Unwissenheit schützt vor Entnahme nicht. Über Gesetze muss man halt Bescheid wissen. Das ist eine bekannte Holschuld.

Die Angst, dass Organspender schneller im Jenseits landen als die Spendenverweigerer, ist unbegründet. Selbst wenn Verschwörungstheoretiker bereits wieder fleissig am Schwurbeln sind. Kein Arzt in unseren Breiten würde zulassen, dass einem Organspender schneller das Lämpchen ausgeschaltet wird, als dem Verweigerer. Wir sind noch nicht in Indien! Verstirbt jemand ausserhalb des Spitals, ist eine Organspende nicht möglich.

Dass jemandem vor dem Gedanken graust, als menschliches Ersatzteillager von der Erde zu verschwinden, muss man akzeptieren. Für die Zeit nach meinem Hirntod scheint mir dieser Gedanke auch etwas befremdend. Aber er wird überstrahlt von dem Nutzen, den ich ja vielleicht noch «post mortem» gespendet hätte. Allerdings wäre ich erfreut, wenn mein Material einer netten Zeitgenossin oder einem friedfertigen Zeitgeist zur Verfügung gestellt würde.


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Das Titelbild ist eine modellierte Darstellung des Kampfes unseres Immunsystems gegen ein Virus. Immunglobuline (ypsilonförmig) und Zellsysteme attackieren den Feind.

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