Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ihre Peinlichkeit
Von Robert Jakob
Greifen Sie sich an den Kopf! Nein, das ist kein Witz. Trump will wieder neue Zölle. Diesmal wegen der Zwangsarbeit, von der die Schweiz und andere knapp sechzig Volkswirtschaften ungerechtfertigterweise im Handel gegenüber den USA profitieren würden.
Und natürlich soll es die Schweiz stärker als die bösen Unterstützer der Sklavenarbeit aus der EU treffen. (für die ist nur der für Diktatoren von alters her reservierten Zehnte vorgesehen). Die Zollerpressungsorgien der USA gehen also in die nächste Runde, und den Eidgenossen drohen die Kilogrammgoldbarren auszugehen. Statt mit gleichen Spiessen entgegenzuhalten, glaubt man in der Schweiz immer noch an das Wort einer Mafia-Organisation und an den x-ten Deal mit zunehmend schwindender Halbwertszeit. Bis Anfang Juli wird die Drohkulisse wieder in Prozentgeschachere umgemünzt werden, deren Rechnung unsere Kinder bezahlen. Bereits beim letzten Vierjahreszirkus der roten Tanztruppe um Trump hat meine fünfköpfige Familie konstant alle US-Produkte boykottiert. Menschenverachtendes Gehabe soll sich nicht lohnen.
Zahlen sprechen eine peinlich klare Sprache
Die Vereinigten Staaten sind eine extrem konsumgetriebene Gesellschaft. 68% ihres Geldes verprassen sie – die Schweiz und Deutschland nur knapp über die Hälfte. Ein grosser Teil des verfügbaren Einkommens fliesst bei uns direkt in Ersparnisse oder Investitionen, anstatt gleich verballert zu werden. Da die Konsumausgaben einen Multiplikatoreffekt haben, profitiert die Binnenwirtschaft der USA exponentiell von der heimatlichen Konsumorgie. Umgekehrt führt die hohe Sparquote der Europäer zu niedrigeren Zinsen. Das kommt den Unternehmern und Häuslebauern zugute.
Der Hyperkonsumismus der Amerikaner hat leider auch direkte Folgen auf die Gesundheit. Meine zahlreichen über die Jahre verteilten beruflichen Aufenthalte in den USA haben mir das plastisch und quasi per Zeitraffer vor Augen geführt. Der Body Mass Index stieg zwar nicht so raketenhaft wie der Dow Jones, aber ebenfalls unaufhörlich. Mittlerweile sind drei Viertel aller Amis übergewichtig. Zur Einordnung: Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht und ab 35 von Fettleibigkeit. Zum Vergleich: 73% aller amerikanischen Staatbürger bringen ungesund viel Lebendgewicht auf die Waage, 42% von allen sind genau gesehen fettleibig. In der Schweiz sind gut 42% übergewichtig, aber nur 12% krankhaft adipös. Das hat unmittelbare Folgen für die Gesundheitskosten. Die USA leisten sich mit 18% Anteil am Bruttoinlandsprodukt das teuerste (und eines der weniger effizienten) Gesundheitswesen der Welt. Die Schweiz mit 11,5% des BIP eines der besten.
«Kriminelle verkleidet als Regierung»
Die Amerikaner, inklusive meiner eigenen zahlreichen dortigen Verwandten, finden es super, wenn wir die Verbrauchsorgie drüben durch unsere Zölle weiter befeuern. Zwar haben wir keine russischen Verhältnisse, wo rund drei Viertel der Bevölkerung mit dem Angriffskrieg einverstanden sind, aber rund die Hälfte sind mit der vom SOTUS errichteten Pseudodemokratie (wie sie der kritische Philosoph Peter Sloterdijk nennt) einverstanden. Das sollten wir hierzukontinent aber nicht sein. Vor allem nämlich, weil die Zukunft unserer Kinder auf dem Spiel steht. Sandra Navidi, die brillante deutschstämmige New Yorker Rechtsanwältin sowie Gründerin und CEO von BeyondGlobal LLC, hat schon vor vielen Monaten gewusst, wo die Reise hingeht. Für sie handeln in den USA «criminals disguised as government».
Und mit Kriminellen kann man keine Geschäfte machen. Was also sind die Alternativen? Für viele US-Produkte gibt es Gutes zuhauf zuhause. Beispielsweise Digitec statt Amazon, nur als eines von vielen Beispielen. Europäische Konsumenten sollten sich überlegen, bei wem sie einkaufen. Bei obigem Beispiel wäre der Klick bei der Migros-Tochter eine klare Abstimmung mit den Füssen gegen die Schleimerei von Jeff Bezos bei Don Donald. Der Amazon-CEO hat den peinlichen Biopic über «Melania», des SOTUS` bessere Hälfte, durch Reklamespots und Ticketkäufe quasi im Alleingang gesponsort. Die erhofften Kickbacks soll er sich nicht auch noch von uns holen.
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