Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ist das noch Fussball, oder kann das weg?

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ist das noch Fussball, oder kann das weg?
Trotz zahlreicher Nebengeräusche vor, während und wohl auch noch nach der WM ist Spanien fraglos ein verdienter Fussball-Weltmeister 2026.

Von Robert Jakob

«Das grösste menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt hat», so der Präsident des organisierenden Verbandes, hinterlässt sportlich und wirtschaftlich einen zwiespältigen Eindruck.

Die Vorrunde des Mammutereignisses war langweilig. Das kommt dabei heraus, wenn man von 48 Mannschaften nur 16 absägt. Ab der K.o.-Phase war die Mehrzahl der Spiele spannend. Allerdings lag das an den in der Regel knappen Resultaten. Taktisch fuhren alle Equipen mit einer Doppelkette. So erinnert das Spiel mit dem Fuss im Aufbau die meiste Zeit an Handball, nur mit dem Unterschied, dass beim Fussball weniger Tore fallen. Besonders denkwürdig war das Halbfinale Argentiniens gegen England, bei dem es in der ersten Halbzeit keine einzige nennenswerte Torchance gab, dafür aber zu Beginn jede Menge Bodychecks wie im Eishockey.

Das Setzen von Kampfmarken sollte im Sinne eines fairen Spiels vom Schiedsrichter früher geahndet werden, aber einige Referees waren mit den zahlreichen neuen Regeln und Verordnungen überfordert. Ganze Spiele wurden jedoch nicht verpfiffen. Nur, dass der Preis dafür jetzt eine grosse Zahl von Unterbrechungen ist. Da ist einmal der VAR und sein Team, und da ist zum anderen der sogenannte Hydration Break, was in Wahrheit nicht der Gesundheit der Spieler dient, sondern der Werbung. Eine Unterbrechung des Spielflusses wurde schon des Öfteren beklagt. Ein WM-Match hat jetzt vier Viertel plus 5 bis 10 Minuten «natürliche Verlängerung».

Die Zahlmeister wird es freuen. Das gilt auch für die Tickets. Die soziale Schichtung der Fussballfans in den Stadien ist klar zweigeteilt. Die armen Schlucker können sich die wenigen zweistelligen Tickets in den eher langweiligen Vorrundenspielen leisten und so immerhin einmal WM live erleben. Die oberen 500’000 zieht es in die vierstelligen Dollarplätze. Die FIFA sichert sich auf ihrer Wiederverkaufsplattform sowohl vom Verkäufer, der den Preis beliebig festlegen kann, als auch vom Käufer je 15 Prozent Gebühren. Kritiker sprechen zu Recht von einem legalisierten Schwarzmarkt. Gleichzeitig macht die FIFA in ihrer Funktion als Geldmaschine vor keinerleiem Merchandising Hype Halt. Neu gibt es Sieger-Ringe in limitierter Auflage von 2026, 30 für die Spieler des Weltmeisters, und die restlichen 1996 werden an kräftig zahlende Fans vertickt. Schon jetzt ist klar, dass in der Endabrechnung die Mammut-WM der FIFA mehr als das doppelte an Profit abwerfen wird im Vergleich zur Auflage von Katar 2022. Schon ist eine Bewerbung der USA für die WM 2038 mit 64 Teams ins Spiel gebracht, da sind sich die Buddies Trump und Infantino einig. Dem sportlichen Wert des Turniers wird die weitere Verwässerung nicht guttun.

In Tat und Wahrheit ist alles manipulierbar
In unguter Erinnerung wird der grösste Skandal WM-Skandal aller Zeiten bleiben: Die völlig gerechtfertigten Rotsperre des US-Goalgetters Florian Balogun wurde durch Marschbefehl von FIFA-Chef Infantino auf Geheiss von Donald Trump aufgehoben. Die Botschaft, die solch ein Verhalten aussendet, ist klar: Macht steht über allen Regeln. Das spricht jedem Sportsgeist Hohn.

Leider war auch die rote Karte für Breel Embolo im Viertelfinal der Schweiz gegen Argentinien gerechtfertigt. Da konnte sich Sportmoderator Sascha Ruefer noch so aufregen. Ägypten, die Schweiz und England hatten dem Gaucho-Kampfgeist in den Schlussminuten aus unterschiedlichen Gründen nichts mehr entgegenzusetzen. Drei Schiedsrichterentscheidungen in der dramatischen Schlussphase hätten wohl auch zugunsten von Ägypten ausfallen können. Nicht wenige Sportjournalisten sprachen in diesem Zusammenhang von einem Messi-Bonus. Bei England war es neben einer überlangen Premier League-Saison, was an die Substanz ging, ein taktischer Einwechselfehler des deutschen Trainers Thomas Tuchel, der zum Aus führte. Ein frischer Stürmer hätte für Entlastung gesorgt. Der schmerzlich vermisste Bukayo Saka bewies das ausgerechnet im Spiel der Halbfinal-Verlierer gegeneinander: Der Three Lions-Wirbelwind sorgte als Dreifachtorschütze im wirrsten, aber auch schönsten Spiel der WM, dem 6:4-Sieg der Engländer über Frankreich, für die verdiente Bronzemedaille als Trostpreis.

Verdient dann auch der letzte Tango der Argentinier. Von den Spaniern technisch dominiert kamen sie im Finale nur zu drei Torchancen, davon zwei in der Verlängerung, notabene wieder einmal, als sie mit dem Rücken zur Wand standen. Der Platzverweis, der ihnen zum Verhängnis wurde, war die logische Folge zahlreicher versteckter Unsportlichkeiten. Bezeichnenderweise konnte Nico Williams seinem Mannschaftskollegen Ferran Torres den Ball in der 106.Minute per Kopf mundgerecht vorlegen, obwohl er dabei von seinem argentinischen Gegenspieler gefoult wurde. Davor hatte Spanien rund zwanzigmal vergeblich aufs Tor geschossen. Das Endspiel wurde so zu einer Kopie des letzten spanischen WM-Triumphes 2010, als La Furia Roja in ähnlich zähem Spiel die Niederlande niederrang. Schönste Szene des Ausklangs im Stadion von New Jersey war dann die Szene, als der siegreiche Teenager Lamine Yamal (19) seinen einstigen «Bademeister» Lionel Messi (39) tröstete.

One thought on “Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ist das noch Fussball, oder kann das weg?

  1. FIFA mit ihrer WM ist Organisiertes Verbrechen 3.0, in Kooperation mit Organisiertem Verbrechen 2.0 (= aktuelle US-Regierung unter DT).

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