Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Infantino muss jetzt ganz schön blattern
Von Robert Jakob
So schnell kann’s gehen: Gestern noch fest im Sattel dank der grössten und finanziell erfolgreichsten WM aller Zeiten, darf der Präsident des Weltfussballverbands jetzt um seinen Job zittern.
Genauso wie sein Vorgänger Sepp Blatter träumte Gianni Infantino nicht nur vom schnöden Mammon, sondern auch vom Friedensnobelpreis. Sein Vorgänger sah im runden Leder den heiligen Gral der Völkerverständigung. Das war natürlich gleich doppelt Marketing in eigener Sache. Die Verbrämung des Fussballs zum Kultobjekt half einerseits beim Verkauf, und andererseits schweisste es die FIFA zusammen. Blatter verteilte grosszügig Gelder an Fussballentwicklungsländer. Im Gegenzug stimmten diese stets für seine Wiederwahl.
Blatter stürzte vor gut zehn Jahren über sein eigenes korruptes System. Nachdem mehrere hochrangige FIFA-Funktionäre wegen Korruption festgenommen wurden, sah er sich nach massivem öffentlichem Druck (auch aus der Schweiz) zum Rücktritt gezwungen.
Dass es ausgerechnet die von Blatter ins Leben gerufene Ethikkommission war, die ihn im Oktober 2015 wegen einer ominösen Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an seinen designierten Nachfolger Michel Platini suspendierte, war eine Ironie des Schicksals. Das gleiche gilt für die Wahl des Ersatzkandidaten für den charismatischen, ehemaligen französischen Fussballeuropameister. Nach Platinis Ausfall schickte ausgerechnet die UEFA, die schon öfter das Heu mit der FIFA nicht auf derselben Bühne hatte, ihren damaligen Generalsekretär Gianni Infantino ins Rennen. Dieser setzte sich erst im zweiten Wahlgang gegen Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa durch, mittlerweile einer seiner grossen Kritiker.
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing
Infantino, ganz im Schwung seiner Aufsteigerkarriere, lernte von Blatters Fehlern und setzte durch, dass der von ihm geführte «FIFA-Rat» die Mitglieder der sog. «unabhängigen» Gremien» – das waren neben der Ethik- auch die Audit- und Compliance-Kommission – direkt ernennen und vor allem auch abberufen konnte. Blatters Ethik-Code wurde überarbeitet: Dabei wurden Bestimmungen gegen Korruption gelockert und Verjährungsfristen eingeführt. Der Stimmenkauf durch finanzielle Bindung der Mitgliederverbände, ein Hebel, der bereits Blatter im Amt gehalten hatte, wurde perfektioniert. Die Fördergelder an die Mitgliedsverbände nahmen den Aufzug.
Da jeder Verband bei Wahlen ganz genau eine Stimme hat, verringerte das die Macht der traditionellen europäischen UEFA-Verbände (UEFA). Daher war die Monster-WM 2026 nicht nur ein Geld-, sondern auch ein Korrumpierungsspektakel.
Divide et impera
Die Erweiterung der Weltmeisterschaft auf 48 Teams schaffte mehr Startplätze für Afrika, Asien und Amerika, was Infantinos Rückhalt in diesen Regionen festigte. Besonders frech: Die FIFA-Statuten begrenzten die Präsidentschaft eigentlich auf maximal dreimal vier Jahre. Infantino erwirkte jedoch, dass seine erste dreijährige Amtszeit (2016–2019) als pure Komplettierung der verbleibenden Blatter-Amtszeit gewertet wurde und somit nicht mehr als schnöde reguläre Amtszeit zählt. In seinem jetzigen Dezenat hat der FIFA-Präsident wichtige Finanz- und Strategieentscheidungen in kleinere Präsidialausschüsse und ins Generalsekretariat verlagert. Dadurch konnte er jeden Widerstand gegen seine Politik rasch neutralisieren. Auch jetzt, scheint die Taktik aufzugehen. Die FIFA gehorcht im aufs Wort.
Dreistigkeit siegt, bis sie fliegt?
Nun soll Infantino in seiner Zeit von 2009 bis 2016 als UEFA-Generalsekretär eine hohe Abfindung für eine enge Mitarbeiterin herausgehandelt haben. Das berichtete der Telegraph. Der britischen Tageszeitung zufolge soll die Frau seine „Geliebte“ gewesen sein. Die UEFA bestätigte «eine Zahlung». Nun ja. Fremdgehen ist in Machtzentren seit Jahrhunderten ein Kavaliersdelikt, wie Donald I unter Beweis stellte, und so wird dieser wahre oder eingebildete neuerliche Skandal erst einmal ein Sturm im Wasserglas bleiben. Dazu hätte es auch die am Wochenende von der FIFA aufgebaute Drohkulisse gegen die Boulevardpresse nicht gebraucht. Das Verhältnis zwischen Gianni Infantino (mittlerweile der «big spender» bei der FIFA) und der UEFA ist zerrüttet, da Infantino versucht, die Dominanz des europäischen Fussballs zugunsten globaler FIFA-Projekte aufzubrechen, wie etwa durch die im vergangenen Jahr durchgeboxte XXL-Klub-WM, deren Auswahlkriterien komplett absurd sind, es sei denn man glaube an die sportliche Heilwirkung des Geldes. Die Veranstaltung steht allerdings, und das nervt die UEFA, in direkter Konkurrenz zur Champions League um globale Sponsoren und Fernsehgelder. Aber der Tag der wirklichen Wahrheit, ist für Infantino eigentlich der 18. März 2027 in Rabat (Marokko). Am 77. FIFA-Kongress will er sich dort für weitere vier Jahre als Präsident bestätigen lassen. Die Nationalverbände von England, Schweden, Wales und Serbien haben dem umstrittenen Funktionär offen ihre Unterstützung entzogen. Seine Macht stütze sich aber nicht auf Europa, sondern auf die Hilfe zahlreicher Verbände in Afrika, Asien, Mittelamerikas und verstreuter Inselstaaten. Als FIFA-Präsident Infantino seine umstrittenen Investorenpläne (Kunstvoller Name war FIFA Forward Enterprise/FFE) vorantreiben wollte, stellte sich der von Scheich Salman geführte asiatische Verband (AFC) offen an die Seite der europäischen UEFA und der nordamerikanischen CONCACAF und lehnte die Vorschläge ab. Das war ein Warnschuss, dem am gestrigen Tag noch als grössere Salve ein Brandbrief folgte. Darin werfen die drei Verbände Infantino Egomanie vor.
Infantino wird jetzt vorsichtiger agieren. Wenn er es übertreibt, könnte eine Allianz seiner Gegner einen Gegenkandidaten aufbauen. Das ist im Moment noch unwahrscheinlich. Bis Ende März wird Infantino jedenfalls viel unterwegs sein, um die ärmeren Länder, die auf das FIFA-Manna angewiesen sind, wie ein Schäfer seine Herde um sich zu scharen. Das hat schon Blatter so gemacht.
ACHTUNG SATIRE:
Die Hundertundeins besten Cabaret-Stücke von Robert Jakob können jetzt zum Aktionspreis von 12 Euro (9,98 Euro plus Porto) nur in Deutschland oder 12 CHF (9,99 CHF plus Porto) nur für die Schweiz gegen Vorauskasse bestellt werden:
- Eurokonto: CH3309000000161285817 Swiftcode: POFICHBEXXX
- Frankenkonto: CH8480808007603353098 Swiftcode: RAIFCH22XXX
Einfach die Zieladresse angeben.
