Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Julian Assange, Edward Snowden und Li Wenliang für den Nobelpreis?

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Julian Assange, Edward Snowden und Li Wenliang für den Nobelpreis?
Buchautor und Moneycab-Kolumnist Robert Jakob.

Von Robert Jakob

Hätten die chinesischen Provinzfürsten nicht versucht, die Warnungen des Augenarztes Li Wenliang zu unterdrücken, wäre die Coronavirus-Pandemie wohl nicht zu verhindern, ihr Ausmass aber deutlich zu bremsen gewesen. Am 30. Dezember 2019 hatte Li in einer WeChat-Gruppe seine Arztkollegen über sieben Patienten informiert, welche mit Verdacht auf Infektion mit dem SARS-Virus im Zentralkrankenhaus Wuhan behandelt wurden. Am 1. Januar 2020 berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, dass acht Personen in Wuhan strafrechtlich belangt würden, weil sie angeblich Falschinformationen im Internet verbreitet hätten. Vier Tage nach seinem mutigen Online-Posting wurde Li in das Sicherheitsbüro der Stadt bestellt und genötigt, eine Erklärung zu unterschreiben, „unwahre Behauptungen gemacht“ und damit die gesellschaftliche Ordnung gestört zu haben. Mittlerweile ist Dr. Wenliang an der vom Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Posthum wurde er von den Behörden rehabilitiert.

Whistleblower braucht die Welt
Whistleblower haben es nicht leicht. In einer Kultur, die weltweit eher Duckmäuser statt aufrechte Menschen belohnt, bekommen sie allzu oft die rote Karte. Dabei hätten diejenigen, die sich für unsere Gesundheit oder unsere Freiheit oder für ethisch korrektes Verhalten einsetzen, Besseres verdient. Es muss ja nicht gleich der Nobelpreis sein. Aber einer gerechten Würdigung steht pures Machtkalkül entgegen:

Wie viel Hohn spricht da aus den Nominierungen Donald Trumps als Nobelpreiskandidat. Oder gar aus seinem Eigenlob für das Krisenmanagement der USA im Falle des Coronavirus‘. Dass er statt eines Epidemiologen oder Infektiologen seinen Vize Mike Pence zum Corona-Beauftragten machte, ist wie immer ein Witz der schlechteren Sorte. Die einzige Qualifikation von Pence ist, treuer Gefolgsmann von Trump zu sein. In einer Pressekonferenz Ende Februar ist er noch nicht einmal in der Lage, seinem Chef zu widersprechen, wenn dieser das Sinken der Anzahl von infizierten US-Bürgern von fünf auf nur noch ein bis zwei Patienten im ganzen Land in nur wenigen Tagen ankündigt.

Amerika steht am Beginn des Monats März gerade vor seiner eigenen Epidemie. Es wird sich, was die Fallzahlen anbelangt, weit oben in der Liste der betroffenen Länder einreihen. Statt 1-2 Patienten werden es Abertausende sein. Dafür spricht allein das nationale Gesundheitssystem, das sich in etwa auf dem Niveau Italiens bewegt, also nicht vergleichbar ist mit der Schweiz oder mit Deutschland. Es gibt keinen Plan, und es gibt nicht genug Tests, um Infizierte dingfest zu machen, noch Finanzmittel, noch genug qualifiziertes Personal. Aber es gibt hohle Phrasen von „geringem Risiko“ und Patienten, „denen es immer besser geht“. Die Realität sieht anders aus. Einziger Vorteil der Amerikaner: Sie wohnen nicht wie die Chinesen so dicht aufeinander.

Mit den rasant sinkenden Indexständen an den US-Börsen sieht Trump zum ersten Mal seine Felle davonschwimmen. Denn sollten sich die Kurse nach dem Crash nicht bis November erholen, droht die Abwahl. Einziger Vorteil des Sturms, der über unseren Köpfen hinwegrauscht, mag sein, dass die Menschheit bald von einer Pest erlöst ist.


Robert Jakobs neuestes Buch:

„Einmal lieben und gehen“
geht es um die Frage, wer Gott wirklich ist, und was das für Folgen haben kann. Gleichzeitig ist es eine abenteuerliche Reise durch die Menschheitsgeschichte.

„Einmal lieben und gehen“ neu im Landtwing Verlag (ISBN: 978-3-03808-033-6)

Bestellungen unter: Einmal lieben und gehen
Webseite des Verlags: www.landtwingverlag.ch

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