Saxo Bank: «Die Ruhe am Währungsmarkt ist trügerisch»

John J. Hardy
John J. Hardy, Währungsexperte bei der Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

John J. Hardy, Head of FX Strategy, Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

Die Wechselkurse haben sich in den letzten Tagen und sogar Wochen äusserst ruhig verhalten, da die Investoren nicht wissen, wo sie die nächste Hauptantriebskraft an diesem Markt finden sollen. Die Geschichte der Geldpolitikdivergenz – die US-Notenbank hebt die Zinssätze an, während die meisten anderen Zentralbanken weiter zur Entspannung tendieren – scheint nunmehr endgültig der Vergangenheit anzugehören, nachdem die Fed beim FOMC-Meeting im März eine eindeutig gemässigte Ausrichtung heraus posaunt hat.

Seit Jahresbeginn sind risikobehaftete Anlagen ins Bodenlose gestürzt und haben sich dann nach der Erleichterung angesichts der neuen gemässigten Linie der Fed wieder auf den Rand desselben Abgrunds zurückgerettet. Das Drama an den Währungsmärkten war etwas weniger stark ausgeprägt, weil der US-Dollar leicht schwächer gehandelt wurde und stärker risikobehaftete Währungen eine solide Erholung auf die Bühne gebracht haben (wenn auch in den letzten Wochen nur eingeschränkt).

Der vielleicht wichtigste Auslöser für die aktuelle Ruhe am Markt ist China, wo der USD-Renminbi-Wechselkurs wochenlang grösstenteils flach verlief, nachdem China mit seinen Massnahmen zur Umformung des Wechselkurssystems und zum Schwächen der eigenen Währung die Weltmärkte in den letzten zwölf Monaten zweimal nahezu gesprengt hatte. Und trotzdem hat China eine heimliche Entwertung gegenüber Nicht-USD-Handelspartnern eingeführt.

Aber lassen Sie uns nicht auf die Ruhe hereinfallen – die kommenden sechs bis sieben Monate werden neue, starke Antriebskräfte für Bewegungen bei den Wechselkursen mit sich bringen. Am 23. Juni wird die britische Abstimmung über den Brexit zur historischen Bewährungsprobe für Grossbritannien und Europa. Diese Abstimmung wird nicht nur die europäischen Märkte, sondern auch die Weltmärkte trüben, wenn sich die Briten tatsächlich für den Ausstieg entscheiden. Als Folge der Abstimmung über den britischen Ausstieg findet sich der Euro plötzlich auf dem „heissen Stuhl“ wieder, und die Europäische Zentralbank muss sich mächtig anstrengen, um den Vorsprung vor den Marktkräften und den politischen Kräften zu wahren, wenn der Markt über das Überleben des EU-Projekts grübelt. Wenn die Briten sich zum Bleiben entschliessen, wird das Pfund Sterling einige bemerkenswerte Tage auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Inzwischen hält sich der japanische Yen weiterhin am starken Ende der Handelsspanne, während eine verzweifelte japanische Zentralbank beim Meeting in der kommenden Woche mit grosser Wahrscheinlichkeit zu verstehen geben wird, dass sie eine Yen-Stärke als nicht tragbar empfindet. Wenn die japanische Zentralbank an der politischen Front kräftig an Fahrt gewinnen will, würde sie sich nicht um weitere Vorstösse in den Negativzinsbereich oder um mehr Wertpapierkäufe scheren, sondern auf eine „schöne neue Welt“ der Politik verweisen, vielleicht sogar auf Hubschrauber-Geld – auch wenn das eventuell noch bis zum Sommer auf sich warten lassen muss. Der interessanteste Aspekt im Vorfeld des nächsten Meetings der japanischen Zentralbank ist allerdings, dass Spekulanten noch nie so Long mit dem japanischen Yen gegangen sind.

Der Euro und der Yen sind jedoch nur Nebenattraktionen für die beiden weltweit wichtigsten Währungen: den US-Dollar und den chinesischen Renminbi. Letzterer steht nach wie vor unter Entwertungsdruck, obwohl China noch reichlich Feuerkraft besitzt und die Front noch länger wird halten können, selbst wenn damit die Kosten für seine schlussendliche Aufgabe in die Höhe schnellen. Und was den Dollar angeht – entweder setzt sich die US-amerikanische Erholung fort, und die US-Notenbank muss letztlich dem Anschluss hinterherjagen, oder die Aussichten verschlechtern sich, und die USA reissen den Rest der Welt mit sich herunter. Beide Szenarien deuten auf einen stärkeren US-Dollar hin. Das aktuelle Goldlöckchen-Szenario einer US-Erholung im Zeitlupentempo, in der es keinen Inflationsdruck gibt und die US-Notenbank die Zinssätze gemäss der Marktpreisgestaltung einmal jährlich anhebt, ist schlichtweg eine Fata Morgana. Ach ja, und im November sind die Wahlen in den USA, bei denen ein Sozialist Sanders gegen einen populistischen Demagogen Trump antreten könnte. Was kann da schon schiefgehen?

John J. Hardy, Head of FX Strategy, Saxo Bank

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