Schweiz kann mit strategischen Investitionen führende Rolle in Quantentechnologien einnehmen
Bern – Wie die Schweiz ihre starke Position in der Quantenforschung halten und in der Entwicklung und Vermarktung von Technologien international eine führende Rolle einnehmen kann, zeigt die am Mittwoch veröffentlichte Swiss Quantum Strategy. Dazu brauche es koordiniertes Handeln und strategische Impulse an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die Expert:innen der Swiss Quantum Commission der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz haben im Rahmen der Swiss Quantum Initiative die Strategie im Auftrag des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation verfasst.
Weltweit haben Staaten und Firmen hohe Erwartungen an künftige Quantentechnologien und investieren stark. Mit aktuell über 200 Forschungsgruppen ist die Schweiz in der Erforschung von Quantenphänomenen und der Entwicklung von Technologieansätzen sehr gut aufgestellt. Demgegenüber gibt es aktuell erst einzelne Startup-Firmen. Möchte die Schweiz auch bei der Entwicklung und Vermarktung von Quantentechnologien eine führende Rolle einnehmen, brauche es Impulse und Investitionen über die akademische Welt hinaus, sagen die Autoren der Strategie.
Öffentlicher und privater Sektor entwickeln Quantenagenda gemeinsam
Die Swiss Quantum Strategy empfiehlt Handlungsachsen, die von der öffentlichen Hand und Privaten in enger Abstimmung entwickelt und getragen werden. So soll ein internationaler Quantum-Hub in der Schweiz entstehen mit Massnahmen, um Talente, Menschen wie Firmen, anzuziehen. Zentral sind zudem fachspezifische Infrastrukturen und Plattformen für Forschende und Firmen. Dazu gehören spezialisierte Reinräume und Testeinrichtungen, Kompetenzzentren für Quantensensorik und -kommunikation oder eine nationale Einrichtung für Quantensimulationen. Die Expert:innen gehen derzeit von einem Investitionsbedarf zwischen 200 und 300 Millionen aus.
Wissenschaftliche Durchbrüche konsequenter in marktfähige Lösungen überführen
Um das Wachstum junger Unternehmen und private Investitionen in marktfähige Technologien zu fördern, empfehlen die Expertinnen gezielte Förderinstrumente für junge Unternehmen und das Risiko von langfristigen privaten Investitionen mit öffentlichen Mitteln und geeigneten Rahmenbedingungen zu senken. Zudem empfehlen sie einen staatlich unterstützten Deep-TechFonds, um langfristige Tech-Entwicklungen zu ermöglichen, auch im Quantenbereich. Wichtig ist auch die Fortführung eines Dialogs zu Chancen und Risiken von Quantentechnologien, um deren gesellschaftlichen Nutzen sicherzustellen.
Wissenschaftliche Exzellenz bleibt Basis für Quantentechnologien
Die Schweiz ist in allen wesentlichen Gebieten der Quantenforschung aktiv. Neben Grundlagenforschung wird an Technologien wie Quantensimulationen, -sensorik, -kommunikation oder – computer gearbeitet. Die Gebiete sind unterschiedlich weit entwickelt: während es in der Quantenkryptographie oder bei hochsensiblen Messungen bereits Produkte gibt, so sind einige ungelöste Herausforderungen bezüglich leistungsstarker Quantencomputer nach wie vor gross. «Das Gebiet der Quantenforschung und -technologien ist immer noch an einem Punkt, wo das Erforschen diverser Ansätze zu bahnbrechenden Durchbrüchen führen kann. Interdisziplinäre Grundlagen- und angewandte Forschung bleiben deshalb entscheidend», betonen die Expertinnen.
Die Swiss Quantum Initiative
Die Swiss Quantum Initiative (SQI) hat zum Ziel, die Spitzenposition der Schweiz in der Quantenforschung und -technologie weiter zu stärken. Sie trägt zur internationalen Konkurrenz- und Anschlussfähigkeit der Schweiz bei und sichert eine gute Ausgangslage für internationale Kooperationen. Fachlich koordiniert und geleitet wird die SQI von der Swiss Quantum Commission, einer Gruppe führender Expert:innen auf diesem Gebiet. Die Umsetzung der SQI erfolgt im Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft und in enger Partnerschaft mit dem Schweizerischen Nationalfonds und Innosuisse. (pd/mc/pg)