«Schweizer Nobelpreis» an Pionier der Online-Psychotherapie und an Krebsforscher

«Schweizer Nobelpreis» an Pionier der Online-Psychotherapie und an Krebsforscher
Thomas Berger. (Copyright: Daniel Rihs)

Bern – Thomas Berger von der Universität Bern wird für seine innovativen Beiträge zur Entwicklung von internetbasierten Psychotherapien mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist ausgezeichnet. Den Schweizer Wissenschaftspreis Latsis, der an Nachwuchsforschende bis 40 Jahre vergeben wird, erhält Nicola Aceto von der ETH Zürich für seine herausragende Forschung zur Bekämpfung von Tumormetastasen.

Der Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist gilt unter Forschenden als Schweizer Nobelpreis und ist mit CHF 250’000 dotiert. Er geht in diesem Jahr an Thomas Berger, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Bern. Berger ist ein Pionier in der Entwicklung, Testung und Umsetzung von Therapien zur Prävention und Behandlung von psychischen Problemen und Störungen mittels digitaler Hilfsmittel wie Apps und Webseiten. Als einer der international führenden Experten für Psychotherapieforschung hat er solche Online-Behandlungsmethoden im Vergleich zu rein konventionellen Psychotherapieformen untersucht und ihre Wirkung empirisch belegt.

«Den Marcel Benoist Preis zu erhalten, ist für mich eine unglaublich grosse Ehre. Es ist eine riesige Anerkennung der Arbeit und Forschung auch meiner tollen Mitarbeitenden und Kooperationspartner, sowie unserer gemeinsamen Bestrebung, wirksame psychologische Interventionen vielen Menschen zugänglich zu machen», freut sich Berger.

Mit den von Berger entwickelten internetbasierten Selbsthilfeprogrammen können unter anderem Depressionen und Angststörungen, die zwei verbreitetsten psychischen Störungen in der Schweiz, therapiert werden. Weitere Online-Tools bieten Hilfe bei Schlafstörungen oder bei psychischen Problemen nach Krankheiten und Trennungen. Berger erarbeitete zudem erfolgreich sogenannte ‹Blended Treatments›, welche Online-Behandlungen mit Offline-Therapiesitzungen kombinieren.

Die niederschwelligen digitalen Angebote können den Zugang zu Behandlungen für gewisse Gruppen von Patientinnen und Patienten stark verbessern, etwa solche, für die der Gang zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten eine unüberwindbare Hürde darstellt. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat die Bedeutung von internetbasierten Therapieformen jedoch auch gesamtgesellschaftlich zugenommen. Und die Nachfrage wächst weiter. Aktuell arbeiten Thomas Berger und sein Team an Projekten zur weiteren Verbesserung der Wirksamkeit von Selbsthilfe- und Blended-Ansätzen bei Depressionen und Angststörungen. Zudem entwickeln sie mit Kooperationspartnern eine App zur Suizidprävention und Online-Interventionen für vulnerable Gesellschaftsgruppen wie Geflüchtete, die mit konventionellen Angeboten besonders schwer zu erreichen sind.

Grundlagen für neue Krebstherapien
Nicola Aceto erhält den mit CHF 100’000 dotierten Schweizer Wissenschaftspreis Latsis 2021. Der Italiener ist ausserordentlicher Professor an der ETH Zürich und wird für seine bahnbrechenden Entdeckungen in der Krebsforschung ausgezeichnet. Wenn ein Tumor Metastasen bildet, wird es häufig lebensbedrohlich, denn diese sind verantwortlich für mehr als 90 Prozent aller krebsbedingten Todesfälle weltweit. Metastasen werden durch die sogenannten zirkulierenden Tumorzellen CTC gebildet, die den ursprünglichen Tumor verlassen und über den Blutkreislauf zu anderen Organen gelangen, wo sie neue Tumore bilden.

Aceto hat bei der Erforschung dieser zirkulierenden Tumorzellen gleich mehrere wichtige Entdeckungen gemacht: Er fand heraus, dass Ansammlungen von CTC besonders häufig Metastasen bilden, zum Beispiel sind die Cluster bei Prostata- oder Brustkrebs entscheidend. Er leitete daraus ab, dass die Ausbreitung von Krebs im Körper verringert werden kann, wenn es gelingt, die CTCCluster mit Medikamenten aufzuspalten. Ebenso ist es Aceto gelungen, aus praktisch allen Krebsarten lebensfähige zirkulierende Zellen zu isolieren.

Diese und weitere seiner Erkenntnisse wurden bereits in klinischen Studien bei Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Krebs angewendet und haben zur Entwicklung von Diagnose- und Prognose-Instrumenten beigetragen. Aceto und sein Team setzen sich jedoch weiter grosse Ziele: «Der Latsis-Preis ist eine grosse Ehre für meine Forschungsgruppe und mich. Er motiviert uns dazu, unsere Forschungsanstrengungen ebenso ehrgeizig wie bisher fortzusetzen, um neue Therapien zur Bekämpfung und Unterdrückung von Metastasen bei Patientinnen und Patienten zu entwickeln.»

Gemeinsame Verleihung in Bern
Für die wissenschaftliche Selektion der Preisträger war der Schweizerische Nationalfonds (SNF) im Auftrag der beiden Stiftungen zuständig. Die gemeinsame Verleihung der Schweizer Wissenschaftspreise durch die Marcel Benoist Stiftung und die Fondation Latsis findet am 4. November 2021 im Berner Rathaus statt. Der Präsident der Marcel Benoist Stiftung, Bundespräsident Guy Parmelin, wird die Preise überreichen. Er betont: «Es freut mich ausserordentlich, dass wir zwei herausragende Forscher mit den Schweizer Wissenschaftspreisen 2021 ehren dürfen. Thomas Berger und Nicola Aceto leisten beide mit ihrer Arbeit grosse Verdienste für unsere Gesellschaft und stehen exemplarisch für die Exzellenz des Schweizer Forschungsplatzes.» (mc/pg)

Marcel-Benoist-Stiftung
Fondation Latsis

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