SRV: Kritik an Suche nach Ölvorkommen vor den Balearen

Ibiza

Bereits die Suche nach Öl und Gas vor den Balearen könnte für die Inseln einen erheblichen Imageschaden mit sich bringen. (Foto: pg)

Ibiza – Seit Monaten sorgen die Pläne des schottischen Ölkonzerns Cairn Energy, in den Gewässern der Balearen nach Öl- und Gasvorkommen zu suchen, bei der Bevölkerung, Umweltschutzorganisationen und Tourismusorganisationen für Unmut. Nun haben auch der Schweizer Reise-Verband SRV und der Österreichische ReiseVerband ÖRV ihre Bedenken angemeldet.

Cairn Energy besitzt aufgrund der durch den Ministerrat erteilten Lizenzen ein Vorrecht darauf, im Golf von Valencia nach Erdöl und -gas zu suchen. Das Unternehmen vermutet unter anderem bei den Balearen Erdölvorkommen und hat das spanische Umweltministerium ersucht, gerade mal 50 km vor der Küste Ibizas und Formenteras seismologische Untersuchungen durchführen zu dürfen.

Seismische Untersuchungen mit verheerenden Folgen für das Meeresgebiet
Diese Exploration unterirdischer geologischer Formationen umfasst die Entnahme von Sedimentproben vom Meeresgrund mithilfe komplexer seismischer Methoden. Zur Erkundung wird von Schiffen aus der Meeresboden mit Schallwellen beschossen. Dabei wird über Monate hinweg alle 10 bis 15 Sekunden Explosionsschall mit bis zu 260 Dezibel – also in etwa doppelt so laut wie ein Düsenjet – ausgesandt. Schon dieses Vorgehen hat nach Einschätzung von Umweltschützern verheerende Auswirkungen auf das Meeresgebiet. Sollte das Umweltministerium die negativen Folgen dieser Untersuchungen vor allem für die Fischereigründe weniger schwer gewichten als die Anliegen von Cairn Energy, kann der Ölkonzern bei positivem Befund anschliessend Testbohrungen beantragen.

Spanische Regierung könnte dem Vorhaben zustimmen
Noch hat das Umweltministerium nicht entschieden, ob die von Cairn Energy geplanten seismischen Messungen umweltverträglich sind. Trotz grosser Proteste der lokalen Bevölkerung, Umweltschutzorganisationen und auch lokaler Politiker, die um die ökologische Vielfalt, den Tourismus sowie den Fischfang fürchten, stehen die Chancen für das Unternehmen aber nicht schlecht. Ministerpräsident Mariano Rajoy erklärte, er verstehe die Bedenken, aber die Energieversorgung des Landes, das zu 99 % von Energieimporten abhängig sei, gehe vor.

SRV meldet schwere Bedenken an
Nun meldet sich aber auch die Tourismusbranche zu Wort: So äussert der Schweizer Reise-Verband (SRV) schwere Bedenken gegenüber der geplanten Suche nach Öl- und Gasvorkommen in den Gewässern der Balearen. Die Reisebranche teile die Sorge von mehr als 110’000 Einwohnern von Formentera, Ibiza, Mallorca und Menorca, sowie Dutzenden lokalen Firmen, Experten und NGOs, die in den vergangenen Wochen offiziellen Einspruch gegen das Ansuchen des britischen Ölkonzerns Cairn Energy angemeldet haben, heisst es in einer Mitteilung.

«Nicht im langfristigen Interesse der Balearen»
In dem Schreiben an José Manuel Soria López, Spaniens Minister für Energie und Tourismus, weist der SRV darauf hin, dass die Prüfung industrieller Aktivitäten nach dem Vorsorgeprinzip erfolgen solle, wobei sowohl die Artenvielfalt als auch die lokalen wirtschaftlichen Interessen geschützt werden müssen. «Wir sind der Überzeugung, dass eine sorgfältige Prüfung des Ansuchens zu dem Schluss kommen muss, dass eine Öl- und Gassuche sowie deren Förderung nicht mit den langfristigen Interessen der Balearen vereinbar sind», bekräftigt Walter Kunz, Geschäftsführer des SRV.

Die nachteiligen Auswirkungen für den Tourismus als wichtigsten Wirtschaftszweig der Balearen reichten von einem erheblichen Imageschaden bis hin zu den Gefahren einer Ölpest im Falle eines Unfalls. Schon die Ölsuche wäre mit einem Schaden für die Reputation der Balearen und mit Gefahren für die Artenvielfalt verbunden.

«Bei der Ölsuche werden extrem laute Schallkanonen eingesetzt, welche Wale, Delfine und andere Meerestiere vertreiben, verletzen oder sogar töten können. Teile der betroffenen Regionen sind als Weltkulturerbe anerkannt oder wurden speziell für den Schutz gefährdeter Arten als Schutzgebiete ausgewiesen. Hier gelten die vorgebrachten Bedenken in besonderem Masse», so der SRV.

Entscheid in den nächsten Monaten zu erwarten
Die «Alianza Mar Blava», in der sich mehr als 50 lokale Gruppen aus Politik, Umweltschutz, Sport und Tourismus zusammengefunden haben, geht davon daus, dass ein Entscheid, ob Cairn Energy die Erlaubnis für seismische Untersuchungen erhält, Ende 2014 oder Anfang 2015 fallen dürfte. (mc/pg)

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