smzh: Einschätzungen zum heutigen SNB-Entscheid

smzh: Einschätzungen zum heutigen SNB-Entscheid
Burak Er, Head Research & Advisory Solutions bei smzh (Bild: smzh, Moneycab)

SNB hält am Nullzins fest
Die Schweizerische Nationalbank (SNB ) hat an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom Juni den Leitzins erwartungsgemäss bei 0% belassen. Der Fokus der Sitzung lag damit weniger auf dem Zinsentscheid als auf der Kommunikation zur Inflationsentwicklung, zur Frankenstärke und zur Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen. Für die Finanzmärkte war entscheidend, dass die SNB ihre Einschätzung zur Preisentwicklung zwar leicht nach oben angepasst, aber keinen Richtungswechsel signalisiert hat.

Inflation bleibt unter Kontrolle
Die jüngsten Preisdaten sprechen weiterhin für ein kontrolliertes Inflationsumfeld. Die Konsumentenpreise stiegen im Mai zwar um 0,6% gegenüber dem Vorjahr, lagen aber leicht unter den Markterwartungen. Zudem ist die Kerninflation mit 0,3% weiterhin moderat. Die SNB hat ihre Inflationsprognose für 2026 zwar auf 0,6 % leicht nach oben angehoben, bleibt damit aber klar innerhalb ihres Zielbands von 0 bis 2 Prozent. Ein starker Franken wirkt weiterhin als zentraler Dämpfungsfaktor und begrenzt Zweitrundeneffekte.

Der Schweizer Strommix, der stark auf Wasserkraft und Kernenergie beruht, bietet zudem einen Teilpuffer gegenüber dem Ölpreisschock im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten. Dieser Effekt wirkt allerdings primär auf der Strompreisseite. Treibstoffe und Heizöl bleiben ölgebunden und schlagen direkt auf den Landesindex der Konsumentenpreise durch. Per S aldo spricht dennoch vieles dafür, dass sich die Teuerung 2026 und 2027 im aktuellen Bereich stabilisiert. Im Vergleich zu anderen Zentral banken, insbes ondere der EZB, befindet sich die SNB damit in einer vergleichsweise komfortablen Position.

Kommunikation statt Zinsschritt
Da sich die Preisentwicklung weiterhin im unteren Bereich des Zielbands bewegt, ist eine Richtungsänderung aus reiner Inflationssicht somit von geringer Relevanz. Im Fokus bleibt damit die Wechselkursfrage. Die SNB hat über das Jahr hinweg eine erhöhte Bereitschaft signalisiert, am Devisenmarkt zu intervenieren. Entscheidend für Interventionen ist jedoch nicht ein fixes Kursniveau, sondern eine schnelle und übermässige Aufwertung des Frankens. Entsprechend dürfte die SNB vor allem dann aktiv werden, wenn sich der Wechselkurs abrupt bewegt, während eine graduelle Anpassung des Frankens weniger wahrscheinlich eine Intervention auslöst. Für die Beurteilung künftiger Devisenmarktaktivität ist diese Logik wichtiger als jede einzelne Kursmarke.

Wachstum bleibt positiv, aber verhalten
Auch die Realwirtschaft rechtfertigt keinen Kurswechsel. Für 2026 wird ein reales Wachstum von rund 1% erwartet. Die SNB beschreibt die Konjunkturdynamik kurzfristig als verhalten, rechnet mittelfristig aber mit einer teilweisen Erholung. Der Konflikt im Nahen Osten bleibt ein bedeutender Unsicherheitsfaktor, doch die Schweizer Wirtschaftsstruktur bietet im internationalen Vergleich gewisse Puffer, und die inflationsseitigen Folgen des Energieschocks sind bislang begrenzt geblieben.

Folgen für Zinsen und Kreditmärkte
Der Entscheid bestätigt ein vorerst stabiles Umfeld tiefer Zinsen. Solange die SNB den Leitzins bei null hält und ihre Kommunikation nicht erkennbar restriktiver wird, bleibt die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Zinsschritts nach oben aus unserer Sicht gering, auch wenn die Markterwartungen gemessen an den Swap-Sätzen bis Ende Jahr weiterhin ein latentes Risiko einer Zinserhöhung einpreisen.

Für die Finanzierungsbedingungen im Inland bedeutet dies vorerst Stabilität, wovon insbesondere der Hypothekarmarkt profitiert. Die Zinsen für Festhypotheken sind in den letzten Wochen stabil geblieben, nachdem sich die zu Beginn des Konflikts im Nahen Osten deutlich aggressiveren Erwartungen mehrerer Zinserhöhungen wieder normalisiert haben. Auf die Frage, ob SARON oder Festhypothek derzeit die bessere Wahl ist, gibt es keine pauschale Antwort. Die Entscheidung hängt von der individuellen finanziellen Situation, dem Zeithorizont und der Risikofähigkeit ab. Entscheidend bleibt, die Zinsstrategie da nach auszurichten.

Kommentar Bekim Laski, CFA, CIO
«Die SNB kann zuwarten , wo andere Notenbanken unter Zugzwang stehen. Sie bleibt ihrer Linie treu und liegt damit richtig. Die Inflation hat zwar leicht angezogen, bewegt sich aber im unteren Bereich des Zielbands, die Kerninflation bleibt verhalten, und der Energiepreisschock schlägt in der Schweiz deutlich schwächer durch als in der Eurozone. Die am Markt implizierten Wahrscheinlichkeiten einer Zinserhöhung bis Jahresende halten wir weiterhin für ambitioniert und rechnen mit einem stabilen Leitzins bis mindestens Ende 2026. Für Sparer bedeutet dies, dass das Tiefzinsumfeld bestehen bleibt und Guthaben auf dem Konto real weiterhin an Wert verlieren. Für Hypothekarnehmer besteht hingegen kein Grund, überstürzt in Festhypotheken zu wechseln.»

Kommentar Burak Er, CFA, Head Research & Advisory Solutions
«Das Schweizer Zinsumfeld bleibt im internationalen Vergleich eine Insel : tief, stabil und gut planbar. Für Immobilieninvestoren ist das ein entscheidender Vorteil, weil attraktive Finanzierungskonditionen die Anlageklasse weiterhin stützen. Zugleich trifft dieses günstige Zinsumfeld auf einen Markt, der ohnehin von begrenztem Angebot und starken institutionellen Kapitalzuflüssen geprägt ist. Der heutige SNB- Entscheid bestätigt damit den Rückenwind für Schweizer Immobilienanlagen und spricht für ein weiteres positives Anlagejahr.»

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