VP Bank Spotanalyse Deutschland: Ab heute kein Gas mehr aus Russland – hoffentlich nur vorübergehend

Thomas Gitzel
Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Ab heute ist der Gashahn aus Russland abgedreht. Alle drei groSSen Erdgasleitungen aus Russland sind seit heute Morgen ausser Betrieb. Die Pipelines North Stream und Brotherhood sind wegen turnusgemäßen Wartungsarbeiten stillgelegt. Die Gasleitung North Stream soll am 21. Juli ihren Betrieb wieder aufnehmen. An der Brotherhood-Pipeline dauern die Wartungsarbeiten gewöhnlich weniger lang. Über die Jamal-Leitung kommt schon seit längerem kein Gas mehr. Somit herrscht vorübergehend bei der Gaszufuhr aus Russland Stillstand.

von Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Während die alljährlichen Wartungsarbeiten in den vergangenen Jahren nicht einmal eine Randnotiz wert waren, sieht dies in diesem Jahr anders aus. Die Furcht ist gross, dass das Gas auch über den 21. Juli hinaus nicht fliesst. Es wird befürchtet, dass die russische Seite das Gas als strategische Waffe benutzt.

Soviel steht jedenfalls fest, der 21. Juli wird jegliches Notenbanktreffen in den Schatten stellen. Die Augen der Welt werden am 21. Juli auf den Pipeline-Knotenpunkt in Lubmin gerichtet sein. In Lubmin bei Greifswald endet die North-Stream-Pipeline. Dies wird auch für die Börsen ein spannender Tag werden.

Bliebe das Gas aus, würde zwar nicht sofort der Gas-Notstand herrschen, doch eine weitere Befüllung der Gasspeicher für den Winter wäre schwierig. Spätestens im neuen Jahr müsste das Gas dann rationiert werden. Es käme damit erneut zu Lockdowns der Wirtschaft. Dieses Mal eben nicht bedingt durch eine Pandemie, sondern aufgrund fehlenden Gases. Die deutsche und die europäische Wirtschaft würden in eine tiefe Rezession abrutschen. Es handelt sich um ein Worst-Case-Szenario, doch dies macht deutlich, wie entscheidend der 21. Juli in diesem Sommer sein wird. (VP Bank/mc)

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