VP Bank – Spotanalyse Deutschland: BIP-Komponenten ein einziges Desaster

VP Bank – Spotanalyse Deutschland: BIP-Komponenten ein einziges Desaster
Von Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank. (Foto: VP Bank)

Vaduz – Die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal: Fast alles im freien Fall. Das BIP ist um 9.7 % eingebrochen. Das ist etwas besser als die ursprünglich berichteten – 10.1 %.

Nicht nur ein Grossbrand, alles ging in Flammen auf. Es steht ein epochaler Absturz der deutschen Wirtschaft zu Buche, was aber bereits bekannt war. Heute geht es um die einzelnen Komponenten des Bruttoinlandprodukts (BIP). Um es auf den Punkt zu bringen: Das zweite Quartal war ein einziges Desaster.

Die Details sehen noch schlimmer aus als der eigentliche Wachstumseinbruch. Egal ob es sich um die Investitionen, den privaten Konsum, die Exporte oder die Importe handelt, alles befand sich im freien Fall. Die Ausrüstungsinvestitionen rasten gar mit 19.6 % in den Keller, die Exporte mit 20.3 %. Der private Konsum blickt auf einen Rückgang von 10.9 %. Einzig die Staatsausgaben vermochten mit einem Plus von 1.5 % einen positiven Aspekt zu setzen.

Der Horror ist nun zu Ende. Das dritte Quartal wird auf der positiven Seite Rekorde brechen. Das Wiederanfahren wird die deutsche Wirtschaft im Zeitraum Juli bis September kräftig anschieben.

Stunde der Wahrheit schlägt in Herbst- und Wintermonaten
Die Stunde der Wahrheit schlägt dann in den Herbst- und Wintermonaten. Die Reaktivierung der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht könnte im Herbst zu einer Pleitewelle führen. Daneben werden die negativen Folgen des Strukturwandels in der Fahrzeugbranche immer offensichtlicher. Viele Automobilzulieferer sind in Nöten. Gleichzeitig sei nicht vergessen, dass auch die Handelspartner Deutschlands noch nicht auf den Beinen sind. Die Nachfrage aus dem Ausland wird gedämpft bleiben.

Es steht uns also über den Jahreswechsel ein explosiver Mix aus Nachwirkungen der Corona-Pandemie und strukturellen Umbrüchen bevor. Ohne weitere staatliche Hilfen wird es wohl nicht gehen. Kurzum: Wenngleich derzeit das Gefühl eines Krisenendes aufkommen mag, droht der deutschen Wirtschaft ein heisser Tanz im Herbst. (VP Bank)

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