VP Bank Spotanalyse: EZB erhöht Zins um 75 Basispunkte

Thomas Gitzel
Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Der Hauptrefinanzierungssatz liegt damit bei 2% und der Einlagensatz bei 1.5%.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt im Turbo-Modus. In Anbetracht der hohen Teuerungsraten haben in den vergangenen Monaten immer mehr Direktionsmitglieder ins Lager der Falken, die Zinserhöhungen befürworten, gewechselt.

Das Ende der Fahnenstange ist mit der jüngsten Zinserhöhung deshalb noch nicht erreicht. Die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, machte während der Medienkonferenz deutlich, dass mit weiteren Zinserhöhungen an den nächsten Zinssitzungen gerechnet werden könne. Aller Voraussicht nach wird die Zentralbank im Dezember mit einer Erhöhung um 50 Basispunkte nachlegen.

Die EZB passt zudem die Konditionen ihrer noch ausstehender TLTRO-Geschäfte an. In der Eurozone sitzen die Geschäftsbanken noch immer auf TLTRO-Mitteln von über zwei Billionen Euro. Mit steigendem Einlagensatz der EZB verdienen die Banken risikolos Zinsüberschüsse. Alleine im laufenden Jahr dürften Banken der Eurozone damit rund 5 Milliarden Euro verdient haben.

Mit den adjustierten Konditionen dürfte die EZB auch darauf setzen, dass die Banken die Gelder vorzeitig zurückzahlen. Deshalb werden neben dem regulären Dezember-Termin zusätzliche Termine für eine freiwillige vorzeitige Rückzahlung angeboten. Vorzeitige Rückzahlungen haben den Nebeneffekt, dass die EZB ihre Bilanz verkürzt. Je nachdem wie viele Banken die Geschäfte vorzeitig zurückzahlen, könnte der Liquiditätsentzug durchaus üppig ausfallen.

Die EZB wird nach Aussagen von Lagarde auf ihrer Dezember-Sitzung auch über die Prinzipien eines Bilanzabbaus sprechen. Möglicherweise beginnt sie im kommenden Jahr, ihre Wertpapierbestände abzubauen. Ein Quantitative Tightening könnte näherrücken. Die Dezember-Sitzung bietet also Überraschungspotenzial.

Von entscheidender Bedeutung ist nun allerdings, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Da die Inflationsraten aufgrund deutlich gestiegener Energiepreise hoch bleiben werden, wird Lagarde 2023 wohl weitere Zinserhöhungen verkünden – trotz einer Rezession in der Eurozone. Und möglicherweise kommt auch noch die Reduktion der Bilanzsumme hinzu. Die EZB schreitet forsch voran.

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