VP Bank Spotanalyse: Inflation in der Schweiz klettert nach oben
Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Zinserhöhung im laufenden Jahr nicht mehr abwegig.
Die Inflationsrate in der Schweiz ist im April von 0.3 % auf 0.6 % gestiegen.
Es bedarf keines Ökonomen, um den Preissprung im April zu interpretieren. Die hohen Ölpreise hinterlassen auch in der Schweiz deutliche Spuren. Erdölprodukte steigen gemäss dem Konsumentenpreisindex im April um 11 % gegenüber dem Vormonat und um 17 % gegenüber dem Vorjahresmonat.
Die Ölpreisentwicklung schlägt auch auf die Rubrik «Importgüter» durch. Hier ist im Jahresvergleich ein Anstieg von 0.9 % zu verzeichnen.
Rechnet man jedoch die Entwicklung von Nahrungsmittel- und Energiepreisen heraus (Kernrate), fällt die Jahresteuerungsrate sogar geringfügig von 0.4 % auf 0.3 %. Hierbei dürfte der saisonale Faktor aufgrund des frühen Osterfestes eine Rolle spielen.
An den Finanzmärkten dürfte nun das Rätselraten beginnen, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Juni möglicherweise ihren Leitzins erhöhen wird. Akuter Handlungsdruck besteht nicht: Die Inflationsrate ist noch immer verhältnismässig niedrig. Allerdings mag in Anbetracht einer Teuerungsrate, die nun klar über Null Prozent liegt, der gegenwärtige negative kurzfristige Geldmarktsatz (Saron) nicht recht passen.
Deshalb könnte im zweiten Halbjahr ein zinspolitischer Anpassungsbedarf bestehen. Eine Zinserhöhung im laufenden Jahr ist deshalb keineswegs abwegig.