VP Bank Spotanalyse: Ist das Inflationshoch nun erreicht?

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Die Inflationsrate für die Eurozone liegt im Dezember einer ersten Schätzung zufolge bei 5.0%. Im Vormonat waren es 4.9%.

Kein Durchatmen bei EZB-Chefin Christine Lagarde. Die EZB setzt mit ihrer noch immer ultra-expansiven Geldpolitik fest auf niedrigere Teuerungsraten. Während den Fed-Offiziellen die Furcht vor den hohen Inflationsraten ins Gesicht geschrieben steht, bleiben die EZB-Mitglieder gelassen. In den USA möchte man mittlerweile von einem nur temporären Anstieg der Inflationsraten nichts mehr wissen. Die EZB hält aber genau an dieser Sichtweise fest. Entscheidend ist nun, dass ein erstes Zeichen gesetzt wird. Würden die Inflationsraten nicht fallen, sähen sich die Währungshüter weiterer heftiger Kritik ausgesetzt.

Auch die deutsche Inflationsrate für den Dezember ging nicht in die gewünschte Richtung und kletterte weiter nach oben – zumindest nach nationaler Berechnungsmethode. Gerade deshalb wird die deutsche Kritik an der geldpolitischen Ausrichtung der EZB zunehmend lauter. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass in Deutschland die Teuerungsrate auf Basis des harmonisierten Verbraucherpreisindex von 6% auf 5.7% fiel.

In den kommenden Monaten wird nun die Teuerungsrate aber in den so herbeigesehnten Rückwärtsgang gehen. Zwar werden die Inflationsraten zunächst noch relativ hoch bleiben, doch entscheidend wird sein, dass der Trend nun nach unten zeigt. Im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres werden dann bereits schon wieder, die von der EZB gewünschten Inflationsraten im Bereich von 2% zu sehen sein. Entscheidender Anteil daran hat der kleiner werdende Energiepreiseffekt. Aber auch der zum 1. Januar des Vorjahres wieder geltende normale deutsche Mehrwertsteuersatz reduziert die Inflationsrate. Die rechnerische Vergleichsbasis des Vorjahres wird also höher, folglich wird die Teuerung geringer.

Als Risiko verbleibt indes eine fortwährende Verspannung internationaler Lieferketten. Würden dadurch vielfältige Güter weiter knapp bleiben, bestünde weiterer Teuerungsdruck. Kämen dann noch höhere Lohnforderungen der Arbeitnehmer hinzu, bliebe das Preisgefüge noch über eine längere Zeit in Bewegung. (VP Bank/mc/pg)

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