VP Bank Spotanalyse USA: Inflationsanstieg setzt sich im Mai fort

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Die US-Inflationsrate steigt im Mai unerwartet deutlich von 4.2 % auf 5.0 %. Der Kerninflationsrate legt von 3.0 % auf 3.8 % zu.

Die US-Inflationsrate klettert weiter massiv nach oben. Ganz offensichtlich reicht die Fahnenstange höher als ursprünglich zu erwarten war. Einmal mehr gilt: Die Corona-Pandemie hat das Preisgefüge so stark durcheinandergewirbelt, dass es zu einer Vielzahl nur schwer kalkulierbarer Effekte kommt.

Der Dienstleistungssektor der US-Wirtschaft läuft in weiten Bereichen wieder im Normalmodus. Die Preise für Flugreisen und Hotelübernachtungen ziehen wieder an und vergleichen sich mit einem geringen Vorjahresniveau. Im Zuge der Eindämmungsmassnahmen sind gerade diese Preise stark gefallen. Es sind also einmal mehr sogenannte Basiseffekte am Werk – jetzt also besonders sichtbar im Bereich von Dienstleistungen. Dies erklärt auch den starken Anstieg der Kerninflationsrate, also der Preisentwicklung ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise. Gleichzeitig schlägt nun auch der Mangel an Halbleitern zumindest indirekt auf die Konsumentenpreise durch. Sind Neuwagen aufgrund fehlender Halbleiter nicht vorhanden, wird auf Gebrauchtwagen ausgewichen. Letztere verzeichnen massive Preissprünge gegenüber dem Vorjahr.

Wir haben es derzeit mit einem längeren Hochinflationsscheitel zu tun als ursprünglich angenommen. Der Pegelhöchststand ist noch nicht ausgestanden. Mit dem bisher vorliegenden Datenmaterial kann davon ausgegangen werden, dass der Scheitelpunkt jedoch in Reichweite ist. In den Sommermonaten sollte das Preisniveau auf hohem Niveau langsam absinken.

Auch wenn uns höhere Inflationsraten noch etwas länger begleiten werden, es handelt sich im Wesentlichen um Sondereffekte der Pandemie. Es braucht gewisse Zeit, ehe sich der aufgewirbelte Preisstaub wieder legt. Gerade deshalb schaut man an den Finanzmärkten mittlerweile gelassen auf die Inflationsentwicklung. Die langfristigen marktbasierten Inflationserwartungen sind zuletzt merklich gefallen, was sich gleichzeitig auch in einem rückläufigen Renditeniveau langlaufender US-Staatsanleihen äusserte. Letztere lagen Ende März bei über 1.70 %. Mittlerweile sind es etwas mehr als 1.50 %.

Wir gehen schon seit längerem davon aus, dass die Fed alleine aufgrund der starken wirtschaftlichen Erholung ihre Wertpapierankaufprogramme reduzieren muss. Jetzt kommt noch ein höheres Preisniveau hinzu. Dies bestärkt uns einmal mehr in der Ansicht, dass die Fed im Spätsommer ihre Kommunikation anpasst. Die US-Währungshüter müssen dann den Einstieg in den Ausstieg der expansiven Geldpolitik in Aussicht stellen. Vermutlich wird die Fed dann zum Jahresende mit dem sogenannten «Tapering» starten. Dabei wird die Fed ihr monatliches Wertpapierankaufvolumen um einen gewissen Betrag in bestimmten Abständen schrittweise reduzieren. Erst wenn die Anleihenkäufe eingestellt sind, kann über eine Zinserhöhung nachgedacht werden. Das wird jedoch noch geraume Zeit dauern. (VP Bank/mc/ps)

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