Wie Uri künftig mit Wasser und seinen Gewässern umgehen will

Wasser

Die Gotthard-Region gilt als Wasserschloss Europas.

Altdorf – Nichts hat die Urner Landschaft derart geprägt wie die Gewässer und noch heute formen sie unsere Landschaft. Was wäre Uri ohne die Reuss, den Urnersee und die zahlreichen Bergbäche? Auch für die Wirtschaft erfüllen die Gewässer die unterschiedlichsten Funktionen. Die Wasserkraftnutzung versorgt Uri mit Strom. Gleichzeitig bildet sie für den Kanton und die beiden Korporationen eine der wichtigsten Einnahmequellen. Die Gewässer können aber auch Unheil anrichten. Die Hochwasser von 1977, 1987 und 2005 verursachten immense Schäden, die man mit gezielten Hochwasserschutz-Massnahmen in Zukunft verhindern will.

Uri – das Wasserschloss Europas
So vielseitig die Funktionen des Wassers sind, so unterschiedlich sind auch die Interessen bei seiner Nutzung. Die Gotthard-Region gilt als Wasserschloss Europas. «In Uri ist das Wasser zum Glück kein knappes Gut», erklärt Bau- und Energiedirektor Markus Züst. «Das will nicht heissen, dass wir mit unseren Gewässern gedankenlos umgehen dürfen.» Aus diesem Grund hat der Regierungsrat das «Leitbild Gewässer» verabschiedet. Es wurde in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, in der auch die beiden Korporationen vertreten waren, erarbeitet.

Leitsätze zum Umgang mit den Gewässern
Das «Leitbild Gewässer» richtet sich an alle. «Wasser ist ein öffentliches Gut. Deshalb betrifft es die ganze Bevölkerung, wie Uri mit seinen Gewässern umgehen will», sagt Markus Züst. In griffig formulierten Leitsätzen nennt das «Leitbild Gewässer» zunächst die wichtigsten Zielsetzungen. Zu jedem Leitsatz werden konkrete Massnahmen aufgezeigt, mit denen diese Ziele erreicht werden können. Ernst Philipp, der als Abteilungsleiter für den Wasserbau zuständig ist und bei der Ausarbeitung des Leitbilds massgeblich beteiligt war, bringt es auf den Punkt: «Das Leitbild ist eine Richtschnur. Welche unterschiedlichen Interessen müssen beim Umgang mit den Gewässern berücksichtigt werden? Welche Handlungsfelder sind zu beachten? Und wie wollen wir ganz allgemein Sorge zu unseren Gewässern tragen? Auf solche und viele andere Fragen gibt das Leitbild konkrete Antworten.» Regierungsrat Markus Züst doppelt nach: «In der Politik muss man bekanntlich immer das eine gegen das andere abwägen. Mit dem Leitbild wollen wir dafür sorgen, dass wir bei unseren Aktivitäten stets die vielseitigen Interessen der Gewässer im Auge haben.»

Von der Elektrizität bis zum Tourismus
Ein Blick in das Leitbild zeigt schnell, wie unterschiedlich die Bedürfnisse beim Umgang mit den Urner Gewässern ist. «Sie alle unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach», sagt Markus Züst. «Während die Elektrizitätswirtschaft beispielsweise das Wasser unserer Bäche und Flüsse stärker nutzen will, wäre es für den Tourismus und die Fischerei geradezu fatal, wenn Abschnitte der zu Tal tosenden Bergbäche zu kleinen Rinnsalen verkommen würden.» Der Schutz von Natur und Landschaft sei deshalb genau gleich wichtig wie der Nutzen, der aus der Wasserkraft gezogen werden könne.

Ein anderes Beispiel ist der Hochwasserschutz. Ebenso notwendig wie der Bau von wirkungsvollen Schutzmassnahmen ist, dass man den natürlichen Gewässern ausreichend Raum gewährt, was aber wiederum Fragen im Zusammenhang mit der Siedlungsentwicklung aufwirft. «Auch hier müssen wir in Uri mass- und vor allem auch phantasievolle Lösungen finden», ist Markus Züst überzeugt. Dass es beim Umgang mit den Gewässern zu Interessenkonflikten kommen kann, liegt auf der Hand. «Das Leitbild will dafür sorgen, dass solche Konflikte vermieden werden können», ergänzt der Urner Baudirektor.

Im Internet präsent
Die verschiedenen Ziele und Massnahmen können nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Das Leitbild dient als Grundlage für die Ausarbeitung weiterer Strategien, Konzepte und Projekte. «Einzelne Aussagen wurden aber schon in den kantonalen Richtplan übernommen und sind somit behördenverbindlich», so Ernst Philipp. «Die Elemente des Leitbilds sind aber nicht einfach in Stein gemeisselt. Sie sollen periodisch den neuen Entwicklungen angepasst werden.»

Das «Leitbild Gewässer» kann auf der Website des Kantons unter www.ur.ch eingesehen oder hier (pdf) heruntergeladen werden. Gedruckte Exemplare sind beim Empfang der Baudirektion erhältlich. (Kantonale Verwaltung Uri/mc/ps)

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