Wohneigentum bleibt trotz Coronakrise gesucht

Wohneigentum bleibt trotz Coronakrise gesucht
(Bild: © Andy Dean / AdobeStock)

St. Gallen – Der Markt für selbstbewohntes Wohneigentum zeigt sich bislang von der Coronakrise kaum beeindruckt. Weder bei der Anzahl Handänderungen noch bei den Preisen lasse sich in der Schweiz ein schwindendes Interesse am Immobilienbesitz feststellen, heisst es in einer Immobilienstudie von Raiffeisen.

Der grösste Wirtschaftseinbruch seit der Ölkrise von 1973 sei damit bisher praktisch spurlos am Eigenheimmarkt vorbeigegangen, heisst es in der am Donnerstag von der Raiffeisen-Bankengruppe veröffentlichten Studie „Immobilien Schweiz“.

Mehr Suchabonnements
Die Zeit im „Corona-Lockdown“ scheine vielmehr ein neues Bewusstsein der Schweizerinnen und Schweizer für die eigene Wohnsituation geschaffen zu haben, meint Raiffeisen. Darauf deute die seit März feststellbare Zunahme der Suchabonnements bei grossen Immobilienportalen hin: Bei Einfamilienhäusern seien fast zehn Prozent, bei Stockwerkeigentum über sechs Prozent mehr Abonnements aufgegeben worden.

Dazu kommen die weiterhin günstigen Finanzierungskonditionen für Wohneigentum: So sind die Hypothekarzinsen nach einem kurzen Anstieg zu Beginn der Corona-Pandemie wieder in Richtung ihrer Rekordtiefs gesunken.

Auch in Zukunft bleibe Wohneigentum somit äusserst attraktiv, sind die Raiffeisen-Ökonomen überzeugt. Wegen des hohen Preisniveaus und des durch die Krise zu erwartenden sinkenden Haushaltseinkommens dürfte aber das Potenzial für weitere Preissteigerungen beschränkt sein.

Überangebot an Mietwohnungen
Deutlich stärkere Spuren der Corona-Pandemie sehen die Raiffeisen-Experten aber bei den Mietwohnungen. So werde das Überangebot an Wohnungen unter anderem wegen eines tiefer ausfallenden Migrationssaldos noch grösser. Das werde sich künftig in weiter steigenden Leerständen zeigen.

Die Bankökonomen rechnen damit, dass die „Rekord-Leerstandsquote“ von 1,85 Prozent aus dem Jahr 1998 spätestens im kommenden Jahr übertroffen wird. Die Neumieten sind laut den Angaben im zweiten Quartal um 0,4 Prozent zurückgegangen, die Bestandsmieten haben leicht (+0,2 Prozent) zugelegt. Der Druck auf die Neumieten werde damit weiter zunehmen.

Airbnb-Angebote verschwinden
Hart getroffen von der Corona-Pandemie wurden Anbieter, die Wohnungen kurzzeitig an Touristen und Geschäftsreisende vermieten. In den städtischen Kantonen Zürich, Genf und Basel seien fast 20 Prozent aller Airbnb-Angebote innert Jahresfrist verschwunden.

Damit seien in Zürich über 500, in Genf über 400 und in Basel über 250 ehemalige Airbnb-Wohnungen wieder zu Mietwohnungen geworden, so die Rechnung von Raiffeisen. Diese Wohnungen seien eine „willkommene Auffrischung für die ausgetrockneten städtischen Märkte“ mit Leerständen im Promillebereich, wird Chefökonom Martin Neff zitiert.

Druck auf Büromarkt
Am Büromarkt, der bei Pandemieausbruch in verhältnismässig guter Verfassung war, dürfte der Trend zum Homeoffice nach Ansicht der Raiffeisen-Ökonomen zumindest mittelfristig einen Einfluss haben.

So dürften mehr Büroflächen auf den Markt kommen und den durch Angebotszuwachs durch Neubauten noch verstärken. Allerdings sei wegen bestehender Verträge nicht mit einer sofortigen, massiven Verkleinerung der Büroflächen zu rechnen.

Auch bei den Retail- und Geschäftsflächen sehen die Raiffeisen-Experten noch keine „massenweise Flutung“ von eben erst gekündigten Geschäftsflächen. Allerdings seien längerfristige Vertragslaufzeigen und lange Kündigungsfristen in diesem Segment üblich. Insgesamt sehen sie die Aussichten im Geschäftsflächenmarkt als „eher düster“ an, müsse doch trotz der massiven Staatshilfen im Zuge der Coronakrise mit Betriebsschliessungen gerechnet werden. (awp/mc/ps)

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