Accenture: Banken könnten Erträge mit Strategien rein digitaler Anbieter deutlich steigern

Banken
(Adobe Stock)

Zürich – Wenn traditionelle Banken ihre Geschäftsmodelle überdenken und die innovativen Strategien neuer, rein digitaler Banken und Finanzdienstleister übernehmen, könnten sie ihren Ertrag jährlich um fast 4 % zusätzlich steigern, wodurch bis 2025 zusätzliche Erträge von mehr als einer halben Billion Dollar zusammenkämen, heisst es in einem neuen Bericht von Accenture.

Der Bericht «The Future of Banking: It’s time for a change of perspective» analysiert die Geschäftsmodelle von fast 100 führenden traditionellen Banken und über 200 rein digitalen Anbietern in elf Ländern der Regionen Nordamerika, Europa, Asien-Pazifik und Lateinamerika und geht der Frage nach, welche Rolle sie in der Banking-Wertschöpfungskette spielen. Dabei beschreibt er zwei gängige Geschäftsmodelle:

  • vertikal integrierte – traditionelle, lineare Geschäftsmodelle, bei denen entweder nur eigene Produkte verkauft, Produkte anderer Anbieter vertrieben oder Technologie oder Geschäftsprozesse für andere bereitgestellt werden, und
  • nicht-lineare – adaptive Geschäftsmodelle, bei denen «Verpacker» neue Angebote zusammenstellen und damit über den reinen Vertrieb hinaus Mehrwert schaffen, und Unternehmen, die ihre Angebote in Dienste Dritter einbetten, also etwa «Buy now, pay later»-Dienste in den Point of Sale eines Händlers.

Viele der führenden Banken, die im Bericht analysiert werden, haben vertikal integrierte Geschäftsmodelle. Der Bericht stellt jedoch fest, dass denjenigen, die ihre traditionellen Produkte entbündeln und Partnerschaften mit Dritten eingehen, um neue personalisierte Angebote für die Kunden zu entwickeln und zu vertreiben, enormes Wachstum und höhere Marktbewertungen winken könnten. Konkret könnten sie durch eine Ergänzung des traditionellen, vertikal integrierten Modells mit nicht-linearen Geschäftsmodellen ihr jährliches Wachstum um bis zu 3,8 % zusätzlich steigern, wodurch bis 2025 insgesamt zusätzliche Erträge in Höhe von 518 Milliarden USD zusammenkämen.

«Oberflächlich gesehen scheint der Bankensektor gesund zu sein, denn die Grossbanken verzeichnen robuste Erträge und Gewinne», sagt Daniel Kobler, Managing Director und Banking & Capital Markets Executive Accenture Schweiz. «Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass der Anteil der Bankenwertschöpfung in der Schweiz am Bruttoinlandprodukt langsam schrumpft. Schuld daran sind systematische Einbussen auf der Ertragsseite, welche das Ergebnis gestiegener regulatorischer Anforderungen sind. Hinzu kommt eine signifikante Margenerosion über alle Geschäftsfelder hinweg, beeinflusst von makroökonomischen und geldpolitischen Entwicklungen sowie verändertem Kundenverhalten und gestiegener Wettbewerbsintensität. Die Kostenseite ist dagegen – absolut betrachtet – stabil geblieben, obwohl hier eine fundamentale Verschiebung von Personal- zu Sachaufwand stattgefunden hat. Damit das Wachstum wieder in Gang kommt, müssen sich traditionelle Banken neue Konzepte für die Entwicklung und Bereitstellung differenzierender Produkte überlegen, bei denen die Intentionen der Kunden im Mittelpunkt stehen. Dazu müssen sie ihre vertikal integrierten Geschäftsmodelle überdenken.»

Performance erzielt haben als traditionelle Banken. Doch dabei erzielten digitale Anbieter, die auf nicht-lineare Geschäftsmodelle setzen, bei den Erträgen ein durchschnittliches jährliches Wachstum (CAGR) von 76 %, diejenigen, die einfach nur traditionelle, vertikal integrierte Modelle nachahmen, dagegen nur ein CAGR von 44 %. Traditionelle Banken konnten ihre Erträge selbst in den wachstumsstärksten reifen Märkten im Durchschnitt nur um weniger als 2 % jährlich steigern – wenn auch von einer viel grösseren Basis aus.

Der Bericht nennt Möglichkeiten, wie traditionelle Banken ihre Stärken – ihre Bilanzkraft, ihre Risikomanagement-Kompetenz und ihre Kenntnis der Regulatorik – nutzen können, um ihre Geschäftsmodelle flexibler zu gestalten und sich von der Konkurrenz abzuheben. Konkret sollten sie eines der folgenden Modelle oder eine Mischung daraus in Betracht ziehen:

  • Ausschliesslicher Verkauf von Produkten, die die Bank selbst produziert, und Kontrolle aller Ebenen der Wertschöpfungskette von der Herstellung bis zum Vertrieb, wobei ein wichtiger Werttreiber die Fähigkeit zur Konsolidierung durch Fusionen und Übernahmen und zur Eroberung von Marktanteilen ist Entwicklung eines vertriebsorientierten Ökosystems, in dem Bank- und Finanzprodukte anderer Unternehmen vertrieben werden, und Aufbau eines Marktplatzes für den Vertrieb von Nicht-Bankprodukten.
  • Streben nach Skaleneffekten durch die Bereitstellung von Technologie oder Geschäftsprozessen für andere Unternehmen.
  • Schaffen neuer Angebote durch die Entwicklung oder Bündelung fragmentierter Produkte und Dienstleistungen für den Vertrieb durch die Bank oder Dritte.

«Digital zu sein ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr», erklärt Frédéric Brunier, Business Technology Lead Accenture DACH. «Um Wachstum zu erzielen, müssen traditionelle Banken nicht nur ihr bestehendes Geschäftsmodell möglichst gut ins Digitale übertragen, sondern auch lernen, mit mehreren Geschäftsmodellen gleichzeitig zu arbeiten. Dies setzt voraus, dass sie ihre Perspektive ändern und adaptive Modelle in Betracht ziehen, die Produktinnovation, eingebetteten Vertrieb, Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen und durch ein entsprechendes Ecosystem abbilden. Die Anwendung von Technologien wie Cloud, platform und Daten sind zentral für die Innovationskraft von Banken und sind Kern der zukünftigen Geschäfts- und Geschäftsprozesstransformation.»

Den vollständigen Bericht finden Sie hier. (Accenture/mc)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.