Stresstest: Acht Banken scheitern

Stresstest

London – Beim Banken-Stresstest mitten im EU-Schuldendrama sind acht Banken durchgerasselt – vor allem Institute aus den angeschlagenen Euro-Ländern Spanien und Griechenland. Fünf spanische und zwei griechische Banken scheiterten, dazu eine österreichische. Die deutschen Banken bestanden den Krisentest. Ein Sonderfall ist aber die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Schweiz beteiligte sich nicht am Test. Die Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) prüft die Institute nach eigenen Vorgaben.

Die Ergebnisse des Krisentests wurden am Freitagabend von der europäischen Bankenaufsicht EBA und den nationalen Aufsichtsbehörden veröffentlicht. Der Stresstest bei insgesamt 90 Instituten sollte prüfen, wie gut eine Bank eine Krisensituation aushalten kann und ob sie zusätzliches Kapital als Risikopuffer für harte Zeiten braucht. Neben den acht durchgefallenen Banken bewegen sich nach Angaben der EBA 16 weitere Institute im Bereich einer Kernkapitalquote von nur fünf bis sechs Prozent – damit schafften sie die Mindestanforderung von fünf Prozent nur knapp. Darunter waren aus Deutschland die HSH Nordbank mit 5,5 Prozent und die NordLB mit 5,6 Prozent. Hartes Kernkapital ist ein Puffer für Krisenzeiten. Dazu zählen Aktien und Gewinnrücklagen.

Schäuble: Positives Signal
Am besten unter den deutschen Kandidaten schnitt die Landesbank Berlin mit einer Kernkapitalquote von 10,4 Prozent ab. Der Branchenprimus Deutsche Bank kam auf 6,5 Prozent. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wertete die Resultate des Tests als Beleg für die Krisenfestigkeit der Branche gewertet. Er sprach von einem «positiven Signal». Das Negativszenario für die 90 Banken aus 21 europäischen Ländern ging von einer Rezession und der Verschärfung der Schuldenkrise aus: Die Wirtschaft im Euro-Raum schrumpft, Aktien brechen ein, die Immobilienmärkte liegen darnieder und die Banken müssen mehr Zinsen zahlen, um sich frisches Geld zu leihen – unter diesen Bedingungen hielten nun acht Institute dem Test nicht stand.

Durchfaller brauchen bis Ende des Jahres Kapital
Die EU-Staaten verlangen von den Durchfallern, dass sie sich bis Jahresende mit frischem Kapital versorgen. Schafft ein Institut das nicht, sollen die Regierungen wie schon in der Finanz- und Bankenkrise in die Bresche springen. Mit dem Stresstest will die Politik das Vertrauen der Märkte in die Finanzbranche stärken. Die Ergebnisse des Banken-Stresstest fallen mitten in eine Phase, in der Europa uneins ist über ein neues Milliarden-Hilfspaket für Schuldensünder Griechenland. Seit Tagen gibt es Gezerre über den Termin für einen Euro-Krisengipfel. Unterdessen droht die Krise auf Italien und Spanien überzuschwappen. Die Länder wollen wegen Marktturbulenzen und steigender Risikoprämien für Staatsanleihen eine «Ansteckung» verhindern.

Heftiger Konflikt um Helaba
Einen heftigen Konflikt gab es um die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Daten der Helaba veröffentlichte die Aufsicht nicht, weil es kurz vor der Veröffentlichung zum Streit zwischen der EBA und dem Institut gekommen war. Die Helaba hätte nach der Definition der Londoner Behörde einen zu dünnen Puffer für Krisenzeiten und wäre damit der einzige deutsche Durchfaller bei dem Test gewesen. Der Grund: Die EBA wollte überraschend Stille Einlagen bei der Helaba unter anderem des Landes Hessen als Miteigentümer doch nicht als hartes Kernkapital anerkennen – obwohl die Helaba-Eigentümer versichert hatten, dass dieses Geld für Krisenzeiten zur Verfügung steht.

Daten kurzerhand selbst veröffentlicht

Die Helaba protestierte gegen die kurzfristige Änderung der Vorgaben und veröffentlichte ihre Daten kurzerhand selbst. Bereits am Mittwoch erklärte das Frankfurter Institut, es verfüge auch im schärfsten Szenario des Tests über ausreichend Kapital: Die harte Kernkapitalquote liege im Krisenszenario Ende 2012 mit 6,8 Prozent klar über dem geforderten Mindestwert von 5,0 Prozent. Nach den verschärften EBA-Kriterien würde die Helaba nur einen Wert von 3,9 Prozent erreichen.

DSGV kritisiert Test – «Willkürliche Massstäbe»
Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, sagte, es sei «konsequent», dass sich die Helaba selbst aus dem Test ausgeschlossen habe. Die Helaba sei ein wirtschaftlich starkes Institut, das die Krise gut und ohne fremde Hilfe überwunden habe. Haasis kritisierte generell, der Stresstest habe nur unzureichend zur Vertrauensbildung beigetragen. «Es gilt nun, dafür zu sorgen, dass an den Märkten keine zusätzliche Verunsicherung eintritt.» Bei dem Krisentest seien «willkürliche Massstäbe» angelegt worden, um politisch erwünschte Ergebnisse zu erzielen.

Auch spanische Banken sehen sich benachteiligt
Bei dem Stresstest sahen sich auch spanische Geldinstitute benachteiligt, weil die EBA Rücklagen für Krisenzeiten nicht als Eigenkapital anrechnet. Beim letzten grossen EU-Krisentest vor fast genau einem Jahr waren 7 von 91 Instituten gescheitert: Fünf spanische Sparkassen, eine griechische Bank und der mit Steuermilliarden gerettete Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE). Damals aber hatte es erhebliche Kritik gegeben, dass die Tests zu lasch gewesen seien. Denn kurz nach dem damaligen Test mussten irische Banken, die im Stresstest noch unauffällig waren, mit Milliardenbeträgen vom Staat vor dem Kollaps gerettet werden.  (awp/mc/ps)

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