«Undankbarkeit ist der Welten Lohn»

AIG

New York – Der Versicherungskonzern AIG prüft eine Klage gegen die US-Regierung wegen des Vorwurfs unfairer Kreditkonditionen. Der in der Finanzkrise vom Staat gerettete Versicherungsriese erwägt, sich an einer Schadenersatzklage über 25 Mrd. Dollar des früheren AIG-Chefs Hank Greenberg zu beteiligen.

Man habe keine andere Wahl, teilte das Unternehmen, das mittlerweile wieder Milliardengewinne erwirtschaftet, am Dienstagabend mit. Der Verwaltungsrat werde am Mittwoch über die mögliche Klage beraten. Mit einer Entscheidung sei in den nächsten Wochen zu rechnen, kündigte Vorstandschef Bob Benmosche an.

Vorwurf: Wall-Street-Banken auf Kosten der AIG-Aktionäre gerettet
Greenberg, dessen Holdingfirma Starr International vor dem bevorstehenden Kollaps von AIG zwölf Prozent der Anteile hielt, wirft der New Yorker Notenbank vor, mit dem AIG-Hilfspaket die Wall-Street-Banken auf Kosten der AIG-Aktionäre gerettet zu haben. Er bezeichnete die Notenbank in New York als «Kredithai», der «exorbitante» Zinsen von 14,5 Prozent verlange.

US-Regierung schnürte Rettungspaket über 182 Mrd Dollar
Der Rettungseinsatz im Jahr 2008 war mit 182 Milliarden Dollar der grösste in der Geschichte der US-amerikanischen Wirtschaft. Er hat sich mittlerweile für den Staat ausgezahlt. Der Rückzug aus dem verstaatlichten ehemaligen grössten Versicherungskonzern spülte einen Gewinn in die Staatskassen.

Politiker warnen
Aus der Politik wurden scharfe Warnungen gegen den Versicherer laut. Das Unternehmen sollte nicht die Hand beissen, die es während der Krise gefüttert habe, sagte etwa die neu gewählte Senatorin Elizabeth Warren. «Wenn AIG bei dem Prozess einsteigt, wäre das wie wenn ein Patient seinen Arzt verklagt, weil er ihm das Leben gerettet hat», sagte der frühere Notenbanker Mark Williams.

«Thank you, America»
Konzernchef Benmosche unterstrich in einer Erklärung: «AIG hat seine Schulden mit einem Gewinn an Amerika zurückgezahlt, und wir meinen es auch so, wenn wir uns beim amerikanischen Volk bedanken.» Zugleich sei der Verwaltungsrat aber auch dem Konzern und seinen Aktionären rechtlich verpflichtet und müsse daher die Anfrage einer Klagebeteiligung erörtern. Der Versicherer hatte in den USA erst vor kurzem eine aufwendige Werbekampagne mit dem Motto «Thank you, America» gestartet. (awp/mc/pg)

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