Aktienfokus: CS-Titel unter Abgabedruck

Credit Suisse
Credit Suisse-Hauptsitz in Zürich. (Foto: Credit Suisse)

Zürich – Die Aktien der Credit Suisse bauen ihre Abgaben bis am Dienstagmittag weiter aus. Die Bank hatte vorbörslich Anpassungen ihrer Organisation bekannt gegeben, die von den Experten grundsätzlich begrüsst werden. Den Marktteilnehmern scheinen die angekündigten Massnahmen allerdings zu wenig weit zu greifen, insbesondere wenn sie in den Vergleich zu jenen gesetzt werden, die die UBS ergriffen hat.

Bis um 12.45 Uhr verlieren die CS Namen bei hohen Volumen um 2,5% auf 21,02 CHF; das bisherige Tagestief wurde bei 20,83 CHF notiert. Gehandelt wurden bisher rund 3,8 Millionen Titel, vergleichen mit einem üblichen Tagesvolumen von 5,7 Millionen. Allerdings hatten die CS-Valoren am Vortag über 4% zugelegt und geben nun einen Teil dieser Gewinne wieder Preis. Der Gesamtmarkt (SMI) notiert zum Berichtszeitpunkt 0,5% tiefer.

Nachdem die UBS Ende Oktober zur Freude der Marktteilnehmer massive Einschnitte im Investment Banking angekündigt hatte, sahen verschiedene Kommentatoren die CS unter Zugzwang. Diese sehen sich nun getäuscht. Wie die Bank ankündigte, werden lediglich die Divisionen Private Banking und Asset Management zusammengelegt, verschiedene regionale Führungsstrukturen abgebaut und das Schweizer vom US-Geschäft stärker getrennt. Das Investment Banking bleibt weiter bestehen, wobei in diesem der Bereich Fixed Income, Currencies and Commodities (FICC) an Bedeutung gewinnt.

Kein Schritt à la UBS
Die Reorganisation ergibt Sinn, urteilt Sarasin-Analyst Rainer Skierka stellvertretend für andere Experten. Allerdings hätte er tiefere organisatorische Veränderungen erwartet, vor allem im Investment Banking. «Das ist nicht wirklich das, worauf wir gewartet hatten», schliesst er sein Urteil. Ein kleiner Schritt und nichts im Vergleich zu jenem der UBS, bläst auch Citigroup ins gleiche Horn.

In starkem Kontrast zur UBS verfolge die CS eine Politik der kleinen Schritte, resümiert Goldman Sachs die heute bekannt gegebenen Massnahmen. Von diesen stelle die Zusammenführung des Private Banking und des Asset Management zur Division Private Banking & Wealth Management eine wirkliche Veränderung dar. Ein Schritt, den die Spatzen allerdings schon seit längerem von den Dächern gepfiffen hätten. Entsprechend stelle er für ihn keine Überraschung dar, ergänzte Andreas Venditti von der ZKB.

Bereich FICC gewinnt an Bedeutung
Nicht erwartet habe er allerdings, dass der Bereich FICC durch die Ernennung dessen Leiters Gael de Boissard zum Co-CEO der Division Investment Banking an Gewicht gewinnen würde, so der Experte weiter. Die CS verfüge in gewissen Bereichen dieses Geschäft über starke Positionen und sehe – wie den Worten Dougans zu entnehmen sei – in ihnen weitere Chancen. Da verschiedene Banken aus diesen Aktivitäten aussteigen wollten, könnten sie sich für die übriggebliebenen Institut tatsächlich als erträglich erweisen. Davon sei beispielsweise auch Josef Ackermann, ehemaliger CEO der Deutschen Bank überzeugt, wie einem jüngst veröffentlichten Interview zu entnehmen ist.

Insgesamt stellen für ihn die heute bekanntgegeben Reorganisation lediglich eine Konkretisierung der bereits kommunizierten Kostenmassnahmen von insgesamt 4 Mrd CHF dar. Die jüngste Ankündigung werde zu keinen weiteren Einsparungen führen, rechnet der Experte.

Allerdings wisse man noch immer nicht, wie viele Stellen effektiv abgebaut würden, erklärte ein Händler. Die Reorganisation zeige aber, dass durch das Streichen von regionalen Zuständigkeiten eine Management-Ebene wegfalle, womit ein Teil des avisierten Kostensenkungsziels erreicht werde.

Potenzial für weitere Kostensenkungen
Immerhin würde durch die heutige Ankündigung das Vertrauen der Analysten in ihre Kostensenkungs-Prognosen gestärkt, ergänzen die Analysten von Citigroup. Weitere Fortschritte bezüglich Kosteneffizienz könnten nun erreicht werden.

Auch Teresa Nielsen von der Bank Vontobel erwartet, dass sich CS weiter auf die Kosteneinsparungen konzentrieren wird. Ihres Erachtens werden die Sparten Produktentwicklung, -beratung und -distribution effizienter werden, da sich die Bank auf eine einzige Plattform für die Produkteentwicklung in den Bereichen Private Banking und Wealth Management beschränke. Sie rechne damit, dass CS die Komplexität im gesamten Unternehmen weiter reduzieren werde, so Nielsen weiter. (awp/mc/upd/ps)

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