Ausfall von Grossveranstaltungen trifft Allianz

Oliver Bäte
Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte. (Foto: Allianz)

München – Die Corona-Krise kommt Europas grössten Versicherer Allianz teuer zu stehen. Im ersten Quartal schlugen die Schäden und die Marktturbulenzen bereits mit rund 700 Millionen Euro zu Buche. Und Finanzchef Guilio Terzariol erwartet, dass vor allem durch den Ausfall von Grossveranstaltungen noch einige Belastungen hinzukommen. Auch in der Lebens- und Krankenversicherung sowie im Fondsgeschäft dürfte der Konzern seine ursprünglichen Gewinnpläne verfehlen. Nachdem der Vorstand sein Gewinnziel für 2020 erst Ende April zurückgezogen hatte, wagte er auch bei der Vorlage der Quartalsbilanz am Dienstag keine neue Prognose.

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Der Kurs der Allianz-Aktie sackte bis zur Mittagszeit um rund 3,1 Prozent auf 151,50 Euro ab und war damit Schlusslicht im Dax. Das Allianz-Papier gehört zu den grössten Verlierern unter den deutschen Standardwerten im Corona-Crash, der die Aktienmärkte seit dem 24. Februar im Griff hat. Noch bis zum 21. Februar hatte das Papier seinen Höhenflug der vergangenen Jahre bis auf 232,60 Euro fortgesetzt.

Doch jetzt schlug vor allem der Ausfall von Grossveranstaltungen bei der Allianz erheblich zu Buche. Im ersten Quartal summierten sich die Belastungen in dem Bereich bereits auf rund 200 Millionen Euro, und laut Terzariol könnte die Summe im Rest des Jahres auf bis zu 400 Millionen Euro steigen. Auch in der Betriebsausfall- und Betriebsschliessungsversicherung könnte zu den bereits verbuchten etwa 200 Millionen Euro noch etwas hinzukommen.

Der konzerneigene Kreditversicherer Euler Hermes rechnet in den verbleibenden Quartalen sogar mit praktisch keinem Gewinn mehr. So stiegen nicht nur die versicherten Zahlungsausfälle, sondern wegen des Wirtschaftseinbruchs gingen auch die Einnahmen in dem Geschäft zurück, sagte Terzariol. Im ersten Quartal lag der operative Gewinn der Tochter bei gerade einmal 70 Millionen Euro.

Mehr Umsatz – weniger Gewinn
Im ersten Jahresviertel konnte die Allianz ihren Umsatz zwar konzernweit um fast sechs Prozent auf 42,6 Milliarden Euro steigern. Der operative Gewinn sackte jedoch um 22 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro ab. Der Überschuss knickte sogar um 29 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro ein.

Besonders stark getroffen wurde die Schaden- und Unfallversicherung, in der der operative Gewinn infolge der hohen Schäden um 29 Prozent einbrach. Abgesehen von der Corona-Pandemie schlugen Stürme und Buschfeuer in Europa und Australien mit etwa 400 Millionen Euro zu Buche. Dabei reichten die Prämieneinnahmen immer noch aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken: Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich zwar von 93,7 auf 97,8 Prozent, blieb damit aber immer noch klar unter der kritischen 100-Prozent-Marke.

In der Industrieversicherungssparte AGCS, in der sich der Ausfall von Grossveranstaltungen und die Betriebsschliessungen niederschlagen, lag die Quote mit 117,5 Prozent aber weit im roten Bereich. AGCS werde nach dem operativen Quartalsverlust von 141 Millionen Euro auch im Gesamtjahr keinen Gewinn erzielen, sagte Terzariol. Er kündigte jedoch an, die Verluste im Geschäft mit Grossveranstaltungen mit künftigen Prämienerhöhungen wieder aufzuholen. Bei der Verschiebung der Olympischen Spiele in Japan dürfte die Allianz glimpflich davonkommen: Die Belastung werde unter 20 Millionen Euro liegen, sagte Terzariol.

Derweil konnte sich die Lebens- und Krankenversicherung den Folgen der Corona-Pandemie an den Finanzmärkten nicht entziehen. Wegen der Kursturbulenzen musste die Allianz Abschreibungen auf Kapitalanlagen vornehmen und mehr Geld für die Kursabsicherung ausgeben. Wegen der Belastungen von rund 300 Millionen Euro sackte der operative Gewinn um ein Viertel ab.

Geschäfte bei Pimco und Allianz Global Investors brummen
Aufwärts ging es dabei einzig im Fondsgeschäft der Konzerntöchter Pimco und Allianz Global Investors (AGI), die ihren operativen Gewinn um 19 Prozent steigern konnten. Allerdings zogen Anleger im Zuge der Börsenturbulenzen unter dem Strich mehr als 46 Milliarden Euro aus den Fonds des Konzerns ab. Dies dürfte auch Folgen für die künftigen Erträge von Pimco und AGI haben. (awp/mc/ps)

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