Bank Cler: Wie sich die Schweizer Haushalts-Einkommen entwickelt haben

Bank Cler: Wie sich die Schweizer Haushalts-Einkommen entwickelt haben
Im Kanton Genf muss Angestellten künftig in allen Branchen ein Lohn von mindestens 23 Franken pro Stunde bezahlt werden. (Bild: © Swisshippo / AdobeStock)

Basel – Über Geld spricht man nicht. Dieses Tabu gilt in der Schweiz vor allem für Löhne und Einkommen. Kaum jemand weiss, wo sie oder er mit Ihrem Einkommen im schweizweiten Vergleich steht. Wie sehen die kantonalen Unterschiede aus? Wie haben sich die Einkommen der Unter-, Mittel- und Oberschicht in den letzten Jahren verändert? Geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf? Spannende Fragen, denen die Bank Cler nachgegangen ist.

Der Bank Cler Swiss Income Monitor analysiert die Reineinkommen der Schweizer Haushalte
Zusammen mit dem Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics hat die Bank Cler die Einkommensverteilung der Schweiz und der Kantone für die Jahre 2007 bis 2016 analysiert. Die Informationen von 2016 sind die aktuellsten Daten, die von der Eidgenössischen Steuerverwaltung derzeit zur Verfügung stehen. Dabei haben stützten sich die Experten auf das Reineinkommen des gesamten Haushalts ab, d.h. bei Doppelverdienern ist das Haushaltseinkommen somit das gemeinsam verdiente Geld.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft und das Einkommen
Die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise 2020 auf Wirtschaft und Gesellschaft sind enorm und tangieren fast alle Lebensbereiche. BAK Economics geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung zwischen April und Juni im zweistelligen Prozentbereich einbricht. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Rückgang des Schweizer BIP um -5,8% erwartet.

Der Einbruch wirkt sich auch auf die Einkommen der Schweizer Haushalte aus. Hier wird die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen. Da die aktuellsten Zahlen der Eidgenössischen Steuerverwaltung aus dem Jahr 2016 sind, werden wir dies jedoch erst in rund 4 Jahren aus den Steuerstatistiken erfahren.

Die Reineinkommen sind in den letzten Jahren spürbar angestiegen
In der Schweiz sind die Einkommen zwischen 2007 und 2016 spürbar gestiegen. Dies gilt sowohl für das Durchschnittseinkommen wie auch für das Medianeinkommen. Der durchschnittliche Haushalt konnte somit von der positiven Wirtschaftsentwicklung profitieren. Das mittlere Reineinkommen (Median) der Schweizer Haushalte betrug 2007 rund 52 400 CHF. Zwischen 2007 und 2016 ist dieses um 3 300 CHF auf 55 700 CHF angestiegen (+6,7% total, +0,7% pro Jahr).

Von den Schweizer Kantonen zeigt der Kanton Zug das höchste Durchschnitts- und Medianeinkommen. Am anderen Ende des Rankings steht das Wallis mit den geringsten Einkommen. Der Kanton Obwalden konnte am stärksten aufholen, im Kanton Genf waren die Einkommen über den Beobachtungszeitraum rückläufig.

Die obersten 10% haben 41% des Gesamteinkommens generiert
Beim kantonalen Vergleich gibt es grössere Unterschiede. Insgesamt ist die Verteilung der Einkommen in der Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern jedoch ausgeglichen. Lediglich Norwegen, Österreich und Deutschland zeigen ein noch ausgewogeneres Verhältnis als die Schweiz. In den Jahren 2007 bis 2016 hat sich gleichwohl eine leichte Spreizung der Schweizer Einkommen ergeben, vor allem bei den untersten und obersten 10% der Haushalte.

In der Schweiz haben im Jahr 2016 die unteren 10% der steuerpflichtigen Haushalte ein Einkommen von 5’300 CHF nicht überschritten. Dies umfasst hauptsächlich volljährige Schüler, Lehrlinge und Studenten, die noch von ihren Eltern unterstützt werden. Die oberen 10% der Steuerpflichtigen hingegen hatten ein Jahreseinkommen von mehr als 127 800 CHF, 50% der Steuerpflichtigen verdienten mehr als 52 400 CHF.

Im Jahr 2016 war die Hälfte aller steuerpflichtigen Haushalte der Schweiz für lediglich 17% des gesamten Einkommens verantwortlich. Die obersten 10% generierten 41% des Gesamteinkommens.

Die Schere zwischen Arm und Reich ist leicht grösser geworden
Die Einkommensverteilung war in der Schweiz und auch in den Schweizer Kantonen im Beobachtungszeitraum relativ konstant. Auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hat sich nicht spürbar auf die Verteilung der Einkommen ausgewirkt. Insgesamt wurde die Ungleichheit der Einkommensverteilung leicht stärker und somit die Schere zwischen Arm und Reich leicht grösser. Der Anteil der Mittelschicht am Gesamteinkommen lag im Jahr 2016 bei 27,2% und damit um 0,7%-Punkte tiefer als noch im Jahr 2007.

Die Kantone mit der ausgeglichensten Verteilung der Einkommen sind Uri, Aargau und Glarus. Eine relativ ungleichmässige Einkommensverteilung zeigt sich in Zug, Schwyz und Genf. In Genf und im Tessin war diese Zunahme der Ungleichverteilung am stärksten.

Ab einem Reineinkommen von 36 680 CHF pro Jahr gehört man zur Mittelschicht
Da sich Menschen gerne miteinander vergleichen, sind einfache Kategorisierungen beliebt. Gemäss einer gängigen Definition gehört zur Mittelschicht, wer ein Einkommen von 70% bis 150% des Median-Einkommens aufweist. Einkommen unter 70% des Medianeinkommens zählen zur Unterschicht, Einkommen über 150% des Median-Einkommens zur Oberschicht.

Ab einem Reineinkommen von 36 680 CHF im Jahr gehörte man 2016 dieser Definition zur Folge zur Schweizer Mittelschicht. Das bedeutet, dass rund 35% der Haushalte im Jahr 2016 zur Unterschicht gehörten. Am anderen Ende der Verteilung gehören diejenigen Haushalte zur Oberschicht, die ein Reineinkommen von mehr als 78 600 CHF aufweisen. Dies umfasst rund 28% der Haushalte. Die Mittelschicht besteht aus den restlichen 37% der Haushalte.

Wer wissen möchte, an welcher Stelle er mit seinem Reineinkommen im schweizweiten Vergleich steht, kann dies unter www.cler.ch/de/info/swiss-income-monitor/income-check herausfinden.

Details zur Studie finden Sie hier. (Bank Cler/mc/ps)

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