Banken haben trotz grossen Herausforderungen Wachstumspotential

Claude-Alain Margelisch

SBVg-Geschäftsführer Claude-Alain Margelisch.

Zürich – Die Schweizer Banken sehen sich nach wie vor grossen Herausforderungen und Risiken ausgesetzt. Die zunehmende Regulierung ist einer Branchenstudie zufolge dabei weiterhin ein Kernthema; grösstes Marktrisiko ist der Zugang zu den internationalen Märkten. Nach einem unterdurchschnittlichen Wachstum des Sektors in den vergangenen Jahren im Vergleich zur gesamten Schweizer Wirtschaft gehen die Autoren jedoch wieder von einem höheren Wachstum der Bruttoerträge in den kommenden Jahren aus.

Der Schweizer Bankensektor verzeichnete in den Jahren 2010 bis 2013 ein Wachstum der Bruttoerträge im Schnitt von 1,1% im Jahr auf 54,4 Mrd CHF, wie es in der gemeinsamen Studie „Wandel aktiv gestalten – Zukunftsperspektiven für den Schweizer Bankenplatz“ der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und The Boston Consulting Group (BCG) heisst. Dies sei hauptsächlich geprägt gewesen von einem nur gering wachsendem Private Banking trotz positiven Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Das historisch starke Geschäftsfeld war im vergangenen Jahr dennoch mit Abstand die wichtigste Säule des Bankensektors mit fast 50% der Erträge.

Bis 2018 prognostiziert die Studie ein jährliches Wachstum der Bruttoerträge von 2,5% – getrieben von einem wieder an Stärke gewinnenden Private Banking und weiterhin solidem Privat- und Firmenkundengeschäft. Die Margensituation dürfte bei konstanter Volumenausweitung weiterhin sehr angespannt sein: Die durchschnittliche Bruttomarge dürfte sich in den kommenden Jahren auf dem aktuell drastisch eingebrochenem Niveau stabilisieren, sagte Daniel Kessler, Partner und Managing Director der BCG Switzerland, bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag.

Dienstleistungsabkommen mit der EU schwierig
Während in den nächsten fünf Jahren verstärkt Abflüsse bei Kunden mit Vermögen unter 1 Mio zu erwarten seien, rechne er mit einem Zuwachs bei den sogenannten „High Net Worth“ und „Ultra High Net Worth“-Kunden, so Kessler. Die Studie bestätige auch, dass in den Schwellenländern weiterhin der grösste Wachstumsbeitrag zu erwarten sei.

Weiter wird die Schweiz den Prognosen zufolge auch 2018 noch das grösste Offshore-Zentrum der Welt sein. Das grenzüberschreitend verwaltete Vermögen dürfte sich demnach bis 2018 um 3% auf 2,4 Bio CHF steigern. Singapur bzw. Hongkong könnten jedoch angesichts Wachstumsraten von 10% bzw. 11% für denselben Zeitraum die Schweiz bereits in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts überholen, sagte Kessler.

Von grosser Bedeutung sei auch künftig den Zugang zu den internationalen Märkten sicherzustellen, sagte Claude-Alain Margelisch, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SBVg. Seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative im Februar sei es für ein Dienstleistungsabkommen mit der EU schwierig geworden, solange das Problem der Personenfreizügigkeit nicht gelöst ist. Daher sei es wichtig, zunächst so schnell wie möglich zwischenstaatliche Vereinbarungen zu treffen, so Margelisch. Mit Deutschland sei bereits ein binationales Abkommen geschlossen worden; mit Frankreich liefen Gespräche.

Kaum noch steuerliche Standortvorteile
Eine weitere Herausforderung sei für die Schweiz, dass regulatorische sowie steuerliche Standortvorteile in ihrer Bedeutung weiter abnehmen werden, sagte Kessler von der BGC. Regulierungskosten würden zudem weiter zunehmen, weshalb sich die Branchenkonsolidierung in den nächsten Jahren fortsetzen dürfte – „über alle Geschäftsfelder hinweg“, so der Berater.

Aufgrund der Veränderungen und sich auftuenden Risiken müssten die Schweizer Banken alles dafür tun, Markchancen zu ergreifen und mit Innovationsfähigkeit und adäquaten Geschäftsmodellen zu reagieren, fasste Kessler zusammen. Das höchste absolute Potenzial für substantielle Zusatzopportunitäten bis 2018 (gemessen an Bruttoerträgen) macht die Studie im Private Banking aus und das höchste relative Potential im Asset Management.

Die Handlungsempfehlungen des Bankenverbands umfassen daher auch den Ausbau des Asset Managements inklusive der Ansiedlung neuer Assetmanager. Wachstumstreiber sei allgemeiner zudem die Digitalisierung des Bankangebotes mit Schwergewicht auf der Beratung, so Margelisch, sowie ein Aufbruch der Wertschöpfungskette und die Industrialisierung von Prozessen (Nutzung neuer Technologien).

Die Branche müsse eine klare Position vertreten und dabei geschlossen gegen aussen auftreten. Die Schweizer Banken dürften sich nicht zu sehr auf die wenigen Unterschiede konzentrieren, sondern stattdessen auf die vielen Gemeinsamkeiten, forderte Margelisch. Hier sehe er auch im Besonderen die Aufgabe der Bankiervereinigung. (awp/mc/ps)

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