Libor-Affäre kostet Barclays-Chef Bob Diamond das Amt

Robert Diamond

Bob Diamond zieht Konsequenzen aus Libor-Skandal.

London – Der Finanzplatz London hat einen neuen Bankenskandal, einer der einflussreichsten Bankmanager der Welt musste gehen: Bob Diamond, Vorstandschef der britischen Grossbank Barclays , ist am Dienstag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der öffentliche Druck wegen möglicherweise manipulierter Zinssätze im Handel zwischen Banken war in den vergangenen Tagen immer grösser geworden. «Bob Diamond hat die richtige Entscheidung für Barclays und die richtige Entscheidung für das Land getroffen», sagte der britische Finanzminister George Osborne.

Der Druck auf Barclays habe ein Niveau erreicht, das die Zukunft des Unternehmens bedrohe, heisst es in einer Mitteilung der Bank vom Dienstag. «Das durfte ich nicht geschehen lassen», erklärte der scheidende Vorstandschef, der sich am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des Unterhauses verantworten muss. Barclays hatte an den Börsen im Zuge der Affäre in den vergangenen Tagen erhebliche Verluste einstecken müssen. Am Dienstag rutschte nach der Rücktrittsmitteilung die Kurse erneut, erholten sich dann aber und drehten ins Plus. Bei der Bank hinterlässt der 60-jährige Diamond ein Machtvakuum.

Strafzahlungen von fast 300 Mio Pfund
In der vergangenen Woche waren Barclays von der britischen und der US-amerikanischen Finanzaufsicht sowie vom US-Justizministerium Strafzahlungen in Höhe von 290 Millionen britischen Pfund auferlegt worden. Der Liborsatz ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Untersuchungen in diesem Fall laufen noch gegen mehrere andere Grossbanken, darunter auch die Deutsche Bank . Die britische Finanzaufsicht FSA war zu dem Schluss gekommen, dass die Verfehlungen bei Barclays «ernst und grossflächig» gewesen seien. Unklar ist gegenwärtig, ob dem Vergleich mit den Behörden noch Schadenersatzforderungen von Marktteilnehmern folgen können.

VRP Agius tritt ebenfalls ab – wenn ein Diamond-Nachfolger gefunden ist
Die Suche nach einem Nachfolger für Diamond gestaltet sich derart schwierig, dass der ebenfalls bereits vor seinem Rücktritt stehende Verwaltungsratschef Marcus Agius reaktiviert werden musste. Agius hatte am Montag erklärt, er werde die Konsequenzen aus der Affäre ziehen und abtreten. Jetzt muss er die operativen Geschäfte führen, bis ein Nachfolger für Diamond gefunden ist. Am Dienstag trat darüber hinaus auch der für das operative Geschäft verantwortliche Barclays-Manager (COO) Jerry del Missier mit sofortiger Wirkung zurück.

Finanzauschuss knöpft sich Manager vor
Dieser muss sich bereits am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des britischen Parlamentes verantworten. Viele Politiker werfen ihm vor, dass er als Chef der Investmentsparte von Barclays in der fraglichen Zeit der Jahre 2005 bis 2009 die Manipulationen ermöglicht hat. Die Labour-Opposition möchte, dass über die parlamentarische Untersuchung hinaus ein richterlicher Untersuchungsausschuss einberufen wird, der sich mit der Unternehmenskultur der für die britische Wirtschaft so wichtigen Finanzinstitute beschäftigt. «Es geht nicht nur um einen einzelnen. Es geht um die Kultur in der gesamten Branche», sagte Oppositionsführer Ed Miliband.

Weiterer Barclays-Manager muss gehen
Auch Vorstandsmitglied Jerry del Missier trat am Dienstag zurück. Del Missier war in der fraglichen Zeit neben Diamond für die Investmentbanking-Sparte Barclays Capital verantwortlich. (awp/mc/pg)

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