Benjamin Schmitt, Department Manager Finance Hays (Schweiz) AG, im Interview

Benjamin Schmitt
Benjamin Schmitt, Department Manager Finance Hays (Schweiz) AG. (Foto: Hays)

Der Hays-Fachkräfte-Index, der im Jahr 2011 eingeführt wurde, liegt heute noch bei 75 Prozent des ursprünglichen Werts. Ist der Eindruck korrekt, dass die Nachfrage in den letzten fünf Jahren deutlich gesunken ist?

Benjamin Schmitt: Ja, die Gesamtnachfrage ist einerseits gesunken, andererseits aber auch schwer zu erfassen, weil sich unterschiedliche Effekte gegenseitig aufheben. Es gibt durchaus auch Skills, vor allem im Bereich Risk und Auditing, die einen starken Zuwachs verzeichnen.

Selbst die Nachfrage nach Controllern geht kontinuierlich zurück. Sind die entsprechenden Stellen inzwischen einfach besetzt?

Das denke ich nicht. Die Anforderungen an einen Controller haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt und werden sich noch weiter verändern. Die Tendenz geht von einer rückblickenden Auswertung von Zahlen hin zu einer vorausschauenden Analyse, um Grundlagen für strategische Entscheidungen zu schaffen. Durch den starken und schnellen Wandel dieses Berufsbildes passen Nachfrage und Angebot derzeit nicht optimal zusammen. Kandidaten, die das Skillset zur vorausschauenden Analyse mitbringen und sich mit aktuellen Analysemethoden auskennen, sind aber sehr gefragt.

Die Digitalisierung ist heute eines der wichtigsten Themen in der Wirtschaft – auch Hays spricht darüber, zum Beispiel im kürzlich veröffentlichten HR-Report. Der Finanzsektor soll die Digitalisierung besonders zu spüren bekommen, weil mehr Prozesse automatisiert werden. Entspricht das Ihren Erfahrungen?

Die „Digitalisierung“ dient aus meiner Sicht heute als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Entwicklungen, und natürlich betreffen diese auch Finanzexperten. Prozessautomatisierung gab es aber schon immer. Die Entwicklung hat sich allerdings beschleunigt, was den Druck auf die Akteure erhöht. Darüber hinaus gibt es ein grosses Bedürfnis für Echtzeit-Analysen und darauf basierenden agilen Strategien.

Bei Hochschulabsolventen stehen Bankkarrieren weiterhin hoch im Kurs. Welche Qualifikationen sollten junge Banker nach ihrem Berufseintritt erwerben, um auch in Zukunft noch gefragt zu sein?

Wir sehen generell eine starke Tendenz zur Spezialisierung. Dies gilt auch im Banking. Risk und Compliance sind die Themen, die zurzeit im Banking am meisten gefragt sind, so dass sich Kandidaten mit entsprechender Erfahrung ihre Stelle de facto aussuchen können. Aber auch andere Profile, wie interne Auditoren oder Tax Manager, haben gute Aufstiegschancen oder Optionen für einen Umstieg in die Industrie oder in Kanzleien. Der Generalist, der alles ein bisschen kann, wird hingegen kaum mehr benötigt, weil er keine Chance hat, mit der schnellen Entwicklung auf breiter Basis Schritt zu halten.

Wie sieht die Zukunft auf dem Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzexperten aus? Wagen Sie eine Prognose, was uns erwartet?

In der Schweiz sind Finanzexperten ja in vielen unterschiedlichen Firmen tätig, von grossen multinationalen Firmen, wie Banken und Versicherungen, bis zu kleinen Mittelständlern. Deshalb ist es schwierig, eine generelle Aussage für „alle“ Finanzexperten zu machen. Der Schweizer Arbeitsmarkt ist generell sehr stabil und trotz aller Entwicklungen, die in einigen Industrien, Bereichen und Arbeitsweisen auch hier Anpassungen notwendig machen, noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Das gilt insbesondere für den Finanzbereich. Es sind aber auch Konsolidierungen und marktbereinigende Effekte absehbar. Für diejenigen, die flexibel bleiben und bereit sind, neue Wege zu gehen, gibt es viel zu tun. „Wait and see“ ist in der heutigen Zeit allerdings keine praktikable Strategie mehr. (Hays/mc)

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